Ivan, Milow und der Zebrastreifen: Was wurde aus den ausgebüchsten Kamelen vom Zirkus Aladin?

Ivan, Milow und der Zebrastreifen : Was wurde aus den ausgebüchsten Kamelen vom Zirkus Aladin?

Vor drei Jahren wurden die Kamele Ivan und Milow aufgrund eines nächtlichen Ausflugs bekannt. In diesen Tagen gastiert der Zirkus Aladin wieder in Stolberg. Wie geht es den Tieren heute?

Es ist fast auf den Tag genau drei Jahre her. Damals sorgten Ivan und Milow bundesweit für Aufsehen. Die beiden Kamele des Zirkus Aladin machten damals einen nächtlichen Ausflug durch Stolberg und etliche Bürger trauten ihren Augen kaum, als die 900 Kilogramm schweren Tiere den Zebrastreifen überquerten. In diesen Tagen gastiert der Zirkus erneut an der Hastenrather Straße. Zeit, einmal nachzufragen, was aus Ivan und Milow geworden ist. So viel sei verraten: Wie die beiden damals ausbüchsen konnten, ist bis heute nicht geklärt.

Erst vor wenigen Tagen haben Sina Trumpf, Sascha Bügler und ihre Familien ihre Zelte in der Kupferstadt aufgeschlagen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Am Donnerstag beginnen die Vorführungen. Die letzten Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und dann heißt es: Manege frei. Stolberg ist die letzte Station der 15-köpfigen Truppe bevor es Anfang November in die erste kleine Winterpause geht. Auf den Wiesen rund um das Zirkuszelt haben nicht nur die Wohnwagen der Schausteller, sondern auch die rund 30 Tiere für die kommenden zehn Tage ein neues zu Hause gefunden.

Hühner und Enten, Ziegen, Hasen, Schlangen, Ponys, Pferde und sogar Lamas und Alpakas sind diesmal mit von der Partie. Von zwei Vierbeinern fehlt allerdings jede Spur. Die Kamele Ivan und Milow sind nicht dabei. Der Ausflug der beiden Tiere ging damals zwar glimpflich aus. Doch das was danach geschah, stürzte die Familie und vor allem Tier-Dresseur Sascha Bügler in tiefe und lang anhaltende Trauer.

In der siebten Generation wird der Zirkus Aladin geführt. Die Familie freut sich auf viele Besucher. Foto: ZVA/Sonja Essers

Wie die Tiere ihr Gehege überhaupt verlassen konnten, wurde nie geklärt. Damals glaubte die Familie, dass Tierschützer die Tore öffneten. Diese Meinung vertritt Bügler auch heute noch. Vor allem, weil das, was danach geschah, noch schlimmer war. Was viele damals nämlich nicht wussten: Kamel Milow wurde beim nächtlichen Ausflug von einem Auto angefahren. Weder Fahrer noch Kamel sei etwas Ernsthaftes zugestoßen. „Hätte aber noch ein Beifahrer im Wagen gesessen, hätte das ganz böse ausgehen können“, sagt Sina Trumpf.

War dieser Schock erst einmal verarbeitet, wurden Milow und Ivan tatsächlich zu den Stars der Manege. „Die Leute kamen nur, um die beiden zu sehen und sogar das Fernsehen berichtete darüber“, erinnert sich Bügler. Wenig später ereilte Milow der nächste Schicksalsschlag: Er wurde vergiftet. Im vergangenen Herbst starb das Tier, das die Familie mit der Flasche großgezogen hatte. Für Bügler brach eine Welt zusammen. „Man konnte ihn wochenlang nicht ansprechen“, erinnert sich seine Schwägerin Sina Trumpf. „Man geht in die Manege und weiß nicht was man machen soll, weil die Tiere, die man von klein auf kennt, einfach nicht mehr da sind“, sagt Bügler.

Die Familie überlegte daraufhin, wie es weitergehen sollte. Denn: Kamele sind Herdentiere und sollten keinesfalls allein gehalten werden. Ein Ersatz für Milow war nicht in Sicht. So entschied sich die Familie, Ivan zu Artgenossen zu lassen. In Görlitz wird Ivan mittlerweile als Therapie-Kamel eingesetzt. Kontakt besteht nach wie vor. Besuche haben ebenfalls schon stattgefunden. „Unsere Tiere sind unsere zweiten Kinder. Jeder, der sich von unserer Tierhaltung gerne überzeugen möchte, kann das tun. Wir sind ein Zirkus zum Anfassen“, sagt Bügler.

Unangekündigte Besuche

Auch wenn die Besucher der Vorführungen immer wieder begeistert seien, Gegenwind spürt die Artistenfamilie dennoch. „Es gibt Kindergärten, die wollen unsere Flyer nicht auslegen, weil wir Tiere halten“, sagt Sina Trumpf. Mit Transparenz will die Familie diesen Vorurteilen entgegenwirken. „Wir haben nichts zu verbergen. Schließlich werden wir auch regelmäßig vom Veterinäramt besucht und die kommen auch unangekündigt zu uns“, sagt Bügler.

Seit einigen Monaten arbeitet Bügler nun mit Tonga und Assid – zwei Dromedaren. Sie werden langsam an die Manege herangeführt und finden Gefallen daran, sich den Zuschauern zu präsentieren. Neben der Tierdressur setzt das Familienunternehmen, das mittlerweile in der siebten Generation geführt wird, allerdings auch auf andere Highlights im Programm. Sina Trumpf turnt in der Luft, Tochter Jamie ist für die Akrobatik am Boden zuständig. Sohn Jason jongliert und Damian zeigt ebenfalls Bodenakrobatik. Ehemann Benjamin Kaselowsky ist Junior-Chef und für de Pferdedressur zuständig.

Das sind Ivan und Milow: Die beiden Kamele, die vor drei Jahren durch Stolberg spazierten, sind heute nicht mehr beim Zirkus Aladin. Foto: ZVA/Sonja Essers

Bei Sascha Bügler ist es ähnlich. Ehefrau Jessica Kaselowsky zeigt Artistik, Sohn Jackson ist als Clown aktiv und das fünfjährige Nesthäckchen Lionel dressiert die Enten. „Jeder hat bei uns seine Aufgaben“, sagt Sina Trumpf und lacht. Mitte Dezember geht es für die Zirkusfamilie wieder nach Heinsberg. Dort steht dann der Weihnachts-Zirkus auf dem Programm. Wo die Familie in der Zwischenzeit Halt macht und nach der Veranstaltungsreihe in Heinsberg überwintert, steht momentan allerdings noch nicht fest.

Ihr bisheriger Standort in Aldenhoven existiert in dieser Form nicht mehr. Optimistisch einen Standort in der Nähe zu finden – auch, wenn Tiere oft nicht gerne gesehen seien – sei man dennoch. Damit die Familien, die Tiere und die Neulinge Tonga und Assid sich ausruhen und auf die nächste Tour durch die Region vorbereiten können.

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