Stolberg: Was Schmuggel in den 50er Jahren mit der EU zu tun hat

Stolberg: Was Schmuggel in den 50er Jahren mit der EU zu tun hat

„Ein ganzes Dorf wird verhaftet“: So titelte im Sommer 1953 die Presse, als sich 53 der rund 1300 Mützenicher Einwohner einem Verfahren wegen Kaffeeschmuggels stellen mussten.

Beleuchtet wurde der Prozess jetzt von der 19-jährigen Jurastudentin Felicitas Strauch, die im Kupferhof Rosental den Stolberger Heimat- und Geschichtsverein mit dem Schmuggel und seinen europäischen Auswirkungen vertraut machte. Strauch hatte vergangenen Jahr — damals noch als Schülerin — mit ihrer Arbeit „Vom Kaffeeschmuggel zu offenen Grenzen in einem geeinten Europa“ am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teilgenommen und gewann einen Förderpreis.

Im Rahmen ihrer Recherchen lernte sie, dass man beim Schmuggeln einst über die Grenzen hinweg zusammen gearbeitet hatte.Denn Mützenich war damals wie heute ein Enklave und von Wäldern umgeben, die auf belgischen Staatsgebiet liegend, einst den Lebensunterhalt der Dorfbewohner gesichert hatten.

Bogen bis zur EU

„Das führte dazu, dass sich damals viele Mützenicher einen Anschluss an Belgien wünschten“, sagte Strauch, die die Motive der Nachkriegsgeneration mit viel Empathie versah. Immer wieder spannte die 19-Jährige einen Bogen, der die Situation in der heutigen EU beleuchtete und Verbindungen zu der Zeit der Schmuggler herstellte. Unverkennbar war dabei, dass die Stolbergerin der europäischen Idee viel Sympathie entgegen bringt. Ergänzt hatte Strauch ihren Vortrag durch eine kleine Power-Point-Präsentation, die Bilder beinhaltete, die damalige Schmuggler wie Josef Foerster, Fritz Thomas und Ludwig Fröhlich zeigten und der 2012 erfolgten Einweihung eines Schmuggler-Denkmals in Mützenich gewidmet waren.

(dö)