Walter Meuthen beendet sein ehrenamtliches Engagement in Gehlens Kull

Ehrenamtliches Engagement : Im ehemaligen Steinbruch endet nun eine Ära

Wenn in Stolberg der Begriff Gehlens Kull fällt, dann kann dies nicht geschehen ohne dabei noch einen weiteren Namen zu nennen: Walter Meuthen.

Seit über 25 Jahren kümmert sich der Senior um den ehemaligen Steinbruch im Herzen der Innenstadt und auch, wenn er diesen selbst schon unzählige Male betreten hat, ist er nach wie vor begeistert von der Tieren- und Planzenwelt, die sich ihm dort zeigt. Über die ganzen Jahre hinweg hat Meuthen so manche Szene dort erlebt, die ihn auch heute noch begleitet.

Da fanden er und seine Mitstreiter in einer Felsspalte einen Beutel mit 29 goldenen Schmuckstücken. Sie stammten von einem Raubüberfall. Der Dieb nutzte den ehemaligen Steinbruch, um seine Beute zu verstecken. Doch da hatte er die Rechnung ohne Walter Meuthen gemacht. Denn er kennt sich in Gehlens Kull bestens aus. Doch mit seinem ehrenamtlichen Engagement ist nun Schluss. Es ist ein wenig wie das Ende einer Ära.

Zum Hintergrund: Bereits seit Anfang des 18. Jahrhunderts gibt es den Steinbruch an der Bergstraße. Dort wurde damals mit dem Abbau und Brennen von Kalk durch die Firma Gehlen begonnen. Den Namen Gehlens Kull hat, so Heinrich Gehlen, mit dem Steinbruch „de Kull“ geliefert. Die Aufgabe des Steinbruchs: Die Stolberger wurden mit Steinen versorgt, um Häuser bauen zu können. Zudem diente der Steinbruch zur Reparatur der Burg. Nachdem der Steinbruch zugeschüttet wurde, begannen Rekultivierungs- und Schutzmaßnahmen zur Erhaltung dieses Gebietes. Nach der Entstehung eines künstlichen Sees um 1970, häuften sich jedoch Vorfälle von Verschmutzung und Vandalismus.

Resultat war die Zerstörung der Untergrundfolie des Sees, so dass das Wasser versickerte und der Wasserspiegel um 1,5 Meter absank. Der Anwohner Walter Meuthen engagiert sich dort schon seit 25 Jahren. „Ich habe mich einfach verpflichtet gefühlt, etwas zu tun und den Müll nicht weiter hinzunehmen“, sagt er. So realisierte er schon vor über 20 Jahren, zusammen mit einer Gruppe von Kindern, ein Projekt zur Sauberhaltung des Steinbruchs. Das Projekt bekam den Namen „Die Kleinen Strolche“. In diesem Rahmen fand man damals übrigens auch das Gold in der Felsspalte. Auch heute wird Walter Meuthen von einigen Ehrenamtlern unterstützt. Im Rahmen des Sozialprojekts „Helfende Hände“ unterstützen Schüler der Kupferstädter Gesamtschule Meuthen bei der ehrenamtlichen Arbeit.

Mittlerweile ist der ehemalige Steinbruch zu einer Art grünen Insel geworden und weist eine stattliche Vegetation mit verschiedensten heimischen Baumarten auf. Und damit nicht genug. Auch etliche Vögel wie der Dompfaff, der Stieglitz, der Graureiher, der Bussard, der Falke und sogar der Eisvogel haben in Gehlens Kull ein neues Zuhause gefunden. Eidechsen, Fische und Schildkröten können ebenfalls beobachtet werden.

Thema Müll spielt eine große Rolle

Doch Walter Meuthen kennt nicht nur die vielen schönen Seiten des ehemaligen Steinbruchs. Der Senior weiß, dass auch das Thema Müll eine große Rolle spielt. Und deshalb hat er sich nicht einfach heimlich, still und leise zurückgezogen, sondern sich darum gekümmert, dass es in Zukunft weiterhin Menschen gibt, die sich um seinen Lieblingsort kümmern werden. Genau an dieser Stelle kommt die Wabe ins Spiel. Auf die Verantwortlichen um Sozialkaufhausleiter Manfred Peters ging Meuthen mit seinem Anliegen zu und stieß schnell auf offene Ohren. „Wir würden sein Erbe gerne weiterführen“, sagt Peters.

Und wie könnte das aussehen? Die Mitarbeiter der Wabe würden den See sauber halten, Müll sammeln und auch Holzarbeiten könnten erledigt werden. Nistkästen werden bereits in der Werkstatt an der Ellermühlenstraße hergestellt, diese könnten dann in Gehlens Kull installiert werden.

Auch das Thema Vandalismus spiele immer wieder eine Rolle, weiß Walter Meuthen. Ihm sei es wichtig, dass die Menschen, die den ehemaligen Steinbruch besuchen, sich dort wohl und auf eine bestimmte Art auch zu Hause fühlen.

Für seine geleistete Arbeit in den vergangenen Jahrzehnten bedankte sich nun auch Bürgermeister Patrick Haas. Er war gemeinsam mit etlichen Vertretern aus Rat und Verwaltung sowie der Ehrenamtsbeauftragten Hilfegard nießen in den ehemaligen Steinbruch gekommen, um Danke zu sagen. „Seien Sie sich sicher, dass wir diesen schönen Fleck in unserer Stadt erhalten werden“, versprach Haas. In einem Treffen soll nun abgestimmt werden, wie die Arbeit der Wabe aussehen soll. Das freute Meuthen. „Es ist schön, wenn man nicht alleine gelassen wird, wenn man mitten in der Wüste steht.“

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