Stolberg/Berlin: Wald als neues Thema für den Stolberg-Gast

Stolberg/Berlin: Wald als neues Thema für den Stolberg-Gast

Der Rat der Eifel war gefragt in Berlin. Eveline Lemke, stellvertretende rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin, nutzte die Internationale Tourismusbörse (ITB) zu intensiven Gesprächen mit den Vertretern des Nationalparks Eifel. Er ist ein Vorbild für die Bemühungen im Nachbarland, ebenfalls Nationalparks einzurichten.

„Fünf Standorte sind dort im Gespräch”, berichtet Nationalpark-Sprecher Michael Lammertz. Aber die Standorte stoßen nicht überall auf soviel Gegenliebe wie in der Eifel.

Auch in Stolberg wird verstärkt auf die Zugkraft des Nationalparks gesetzt. Das Zweifaller „Hotel zum Walde” strebt eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Forstverwaltung an, erklärte Inhaberin Eva Carlitz gegenüber unserer Zeitung am Rande der ITB.

Denn der Name des Hotels soll zukünftig auch sein Programm sein. „Wir bauen unser Haus zu einem Walderlebnis-Hotel aus”, sagt Carlitz. Abschnittsweise wird der komplette Komplex umgestaltet. Die Zimmer erhalten ein thematisch entsprechendes Design. Flusskiesel, Holzscheiben und viel Grün verleihen den 61 Zimmern und Appartements mit insgesamt 150 Betten die passende Atmosphäre. Eine Waldbar entsteht, zwei Suiten werden umgebaut als Baumhaus und Höhle.

Zum stilgerechten Ambiente gesellt sich aber vor allem auch die inhaltliche Ausrichtung zum Thema Walderlebnis. Der Wellnessbereich wird erweitert, eine Kräutersauna entsteht, und in Zusammenarbeit mit der Mausbacher „Kräuterhexe” Gabi Jansen werden Seminare und Workshops angeboten.

Das Thema Wald wird mit regionalen Angeboten auch die Speisekarte prägen. Und für die fachgerechte Ausgestaltung der Waldpädagogik setzen Eva Carlitz und ihre Schwester Melanie Bungenberg auf den Rat von Forstdirektor Robert Jansen, der sich neben seiner Tätigkeit als stellvertretender Leiter des Regionalforstamtes in Raffelsbrand auch ehrenamtlich für das Zweifaller Museumssägewerk engagiert.

Baumscheiben, Fühlkästen, Fußspuren & Co. werden den Wald nun auch für die Stolberg-Touristen im Zweifaller Hotel ein weiteres Stück erlebbar machen. Auch eine Movelo-E-Bike-Station ist geplant.

Steigende Besucherzahlen bestärken die Schwestern in ihrem Investitionsvorhaben. „Wir haben in den vergangenen beiden Jahren unsere Übernachtungszahlen deutlich steigern können”, sagt Eva Carlitz.

Ein Plus von 30 Prozent bei den Gruppenreisen und eine Verdopplung der Kurzurlauber bei einem verlängerten Aufenthalt setzen in Zweifall deutliche Zeichen für einen Aufschwung in der Stolberger Tourismus-Branche.

„Das bestärkt uns nicht nur auf unserem Weg, sondern wir sehen auch ein weitaus stärkeres Potenzial”, sagt Carlitz, die mit dem Hotel-Ausbau die bisherige Zielgruppe von Wellness-Urlaubern sowie Tagungs- und Geschäftsreisenden unterstreichen und Urlauber verstärkt als neue Kunden gewinnen möchte: „Vielleicht können wir dem Sauerland noch einige Touristen aus den Niederlanden abknapsen”.

Das geht auch über den Preis. „Wir haben die Senkung der Mehrwertsteuer zum größten Teil an die Kunden weitergegeben”, verweist die Hotelbetreiberin auf den harten Wettbewerb. Die Preissenkung habe die Nachfrage angekurbelt.

„Und ohne die Mehrwertsteuersenkung wären die Investitionen gar nicht machbar gewesen”, unterstreicht Carlitz. Eine Aussage, die die Bundestagsabgeordneten Petra Müller (FDP) und Helmut Brandt (CDU) bei ihrem Besuch auf der ITB gerne wahrnehmen.

Hotelier-Kollege Dirk Stock vom Romantik-Parkhotel am Hammerberg setzt neben Tagungs- und Geschäftsreisende verstärkt auf Touristen und hat sich an der Qualitätsoffensive Eifel beteiligt.

Ihm wurde jetzt durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Aloysius Söhngen das Zetrifikat als „Gastgeber der Regionalmarke Eifel” überreicht. Damit einhergehend gab es das Zertifikat „ServiceQualität Deutschland” der Stufe 1.

Das Romantik-Parkhotel am Hammerberg zählt jetzt zu den zertifizierten 57 Hotel- & Gastronomiebetrieben, 112 Ferienwohnungen bzw. -häuser sowie Privatzimmeranbietern, neun Campingplätzen, drei Cafés sowie neuerdings auch zwei Ausflugszielen und einer Jugendherberge.

„Diese Gastgeber tragen maßgeblich dazu bei, die Positionierung der Eifel als qualitätsorientierte Region weiter zu festigen”, lobt Söhngen.

Zusätzlichen Auftrieb im Stolberg-Tourismus verspricht die Eröffnung des neu gestalteten Wahrzeichens der Stadt am 24. und 25. März. Im Inneren wird mit Accessoires wie Rüstungen, schweren Vorhängen, Leuchtern und neuer Einrichtung ein passendes Ambiente geschaffen, aber auch mit einem Programm soll die Burg für Touristen stärker in Szene gesetzt werden, kündigt die neue Burggastronomin Monika Lück an.

Ein Schwerpunkt des Angebotes soll sich verstärkt an Kinder richten, denen ein mittelalterliches Erlebnis in Zusammenarbeit mit den Stolberger Burgrittern und befreundeten Vereinen geboten werden soll.

In bisher öffentlich nicht zugänglichen Türmen entstehen Ausstellungsräume. Eine Folterkammer dient als originelle Kulisse für Workshops, die traditionsreiche Handwerkskunst vermitteln.

Aber nicht nur Geschichte wird in der Kupferstadt lebendiger, sie positioniert sich verstärkt auch als Hochzeitsstadt. Flexibel bietet das Standesamt Termine an, regelmäßig werden Trauungen auf der Stolberger Burg, im historischen Kupferhof Rosental und auch an anderen Location durchgeführt. Und für Hochzeitsfeiern empfiehlt sich ein reichhaltiges Angebot an stilgerechten Orten wie Kupferhof, Burg oder Gut Kranensterz.

Den Aufschwung des Tourismus belegen auch die Übernachtungszahlen, die ET-Geschäftsführer Klaus Schäfer auf der ITB präsentierte. Eifelweit steigerte sich 2011 die Zahl der Gäste um 6,5 Prozent auf 1 581 842, die Übernachtungen um 4,2 Prozent auf 4.618.845.

Stolberg legte um 5,3 Prozent bei den Gästeankünften auf 21 230 und um 8,0 Prozent auf 47 868 bei den Übernachtungszahlen zu. Rund 6500 Stolberg-Besucher kommen dabei aus dem Ausland - in erster Linie aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich.

3,35 Millionen Euro Umsatz generiert

Der touristische Aufschwung in der Kupferstadt lässt sich auch an Zahlen ablesen. Die Kennzahl der Tourismusintensität aus Übernachtungszahlen in Bezug auf die Einwohnerzahl stieg seit 2003 (Wiedereintritt Stolbergs in die ET) von 59 auf 77 im Jahr 2010. Die registrierten Übernachtungen erhöhten sich innerhalb der acht Jahre um rund 27 Prozent auf 44 338.

In diesem Zeitraum steigerte sich der von den Touristen generierte Bruttoumsatz von 2,64 auf 3,35 Millionen Euro; die ET errechnete ein um 16 004 auf 75 230 Euro gestiegenes Steueraufkommen.

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