Stolberg: Vorsorge ist nicht nur für Ältere ein Thema

Stolberg : Vorsorge ist nicht nur für Ältere ein Thema

Das Urteil hatte viele Bürger verunsichert: Im August hatten Richter des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe entschieden, dass eine Patientenverfügung möglichst konkret formuliert sein müsse, damit sie gültig ist. Nur zu sagen, dass „keine lebenserhaltenden Maßnahmen“ gewünscht sind, reicht dem Urteil zufolge nicht aus.

Doch nicht nur bei Patientenverfügungen benötigen Bürger oft Hilfe. Auch die Themen Vorsorgevollmacht oder Betreuungsverfügung sind für viele Menschen ein unangenehmes Thema und auch ein Buch mit sieben Siegeln. Das Sozialamt der Städteregion Aachen bietet für diesen Themenbereich eine ganze Vorsorgemappe an. Und in Stolberg hilft unter anderem der Sozialdienst Katholischer Frauen (SkF), sich in dem Themenkomplex zurecht zu finden. Unter anderem gibt es am morgigen Mittwoch eine kostenlosen Beratung (siehe Infokasten).

„Ein wichtiger Baustein unserer Arbeit ist die Übernahme von Betreuungen nach dem Betreuungsgesetz“, erklärt Nora Kaußen-Jensen, Leiterin der SkF-Beratungsstelle in Stolberg. Die beiden Mitarbeiterinnen Renate Buchenthal-Spicher und Claudia Welter haben sich alleine im Jahr 2015 um knapp 50 Menschen gekümmert, die aus unterschiedlichsten Gründen ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln konnten. „Das kann Behördengänge genauso betreffen wie das Thema Vermögensverwaltung oder Wohnungsangelegenheiten“, berichtet SkF-Sozialarbeiterin Claudia Welter.

Und auch wenn dem Betreuer noch immer das Klischee des Vormunds anhaften mag: „Uns geht es darum, dass wir mit unserer Betreuung dem Patienten ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglichen.“ Das heißt, dass vom Gericht immer nur für den Bereich eine gesetzliche Betreuung angeordnet wird, für den es sein muss. Und ein Arzt ist auch immer involviert. Die Personen, um die sich die SkF-Mitarbeiterinnen kümmern, können zum Beispiel dement sein, oder suchtkrank. Eines steht jedoch fest: Die zu Betreuenden werden immer jünger.

Oftmals sind es aber nicht etwa Mitarbeiter von Institutionen wie dem SkF, sondern direkte Angehörige, die sich um die Belange eines Menschen kümmern, der das nicht mehr alleine schafft: „Das können beispielsweise Eltern oder Geschwister sein, die diese Aufgaben übernehmen“, sagt Sozialpädagogin Renate Buchenthal-Spicher. Und viele dieser ehrenamtlich arbeitenden Betreuer wüssten gar nicht, dass sie bei Einrichtungen wie dem SkF Unterstützung bekommen können. Möglich sei beispielsweise, dass man sich die Betreuung eines Menschen aufteilt: Der Verwandte wickelt Arztbesuche und Wohnungsangelegenheiten ab, der professionelle Betreuer kümmert sich beispielsweise um die Vertretung bei Behörden und um gerichtliche Verfahren. „Derzeit sind bei uns rund 28 ehrenamtliche Betreuer angebunden“, sagt Buchenthal-Spicher. Sie schätzt, dass es in Stolberg jedoch deutlich mehr Fälle sind.

Ob Patientenverfügung oder gesetzliche Betreuung: „Es ist klar, dass man sich eigentlich nicht früh genug mit diesen Themen auseinandersetzen kann“, erklärt Nora Kaußen-Jensen. Wer mehr über das Thema wissen möchte kann am Mittwoch in die Räume des SkF in Stolberg kommen.

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