Stolberg: Von Prinz Wilhelm am Kaiserplatz zu...

Stolberg : Von Prinz Wilhelm am Kaiserplatz zu...

Heiß war es, aber interessant, abwechslungsreich und spannend. Dieses kurze Fazit kennzeichnete die von Christian Altena geführte zweite Lesertour unserer Zeitung am Dienstagabend. Die zweistündige Tour war die Fortsetzung einer bereits im vergangenen Jahr anlässlich der Sommeraktivitäten absolvierten Unternehmung: Damals war Oberstolberg das Ziel, diesmal die Mühle.

18 historische Ansichten, die zum Vergleich mit der heutigen Situation einluden, hatte der Stadtarchivar für seinen Weg vom Kaiser- zum Krautladenplatz ausgewählt. Den Schwerpunkt bildeten um 1900 oder in den 1930er Jahren entstandene Fotografien von Bertha Steinfels und Hubert Lütters. „Sie waren Stolberger Fotografie-Pioniere, die uns zusammen mit anderen, meist anonymen Fotografen, einen besonderen Schatz hinterlassen haben“, erzählt Altena. Mit großformatigen Ausdrucken ausstaffiert, beginnt am Rathaus der Rundgang in erster Linie zu Standpunkten von Aufnahmen, die ihr Gesicht im Laufe der Zeiten sichtbar verändert haben.

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Auch wenn der 37-jährige Historiker mit den Lesern maßgeblich dem Verlauf von Rathaus- und Salmstraße folgte, wurden auch einige abseits der Hauptrouten liegende Objekte in Augenschein genommen. Schließlich ist das heutige Stadtbild aus verstreut im Tal liegenden Gewerbestandorte entstanden, die von Wiesen und Gärten umgeben waren. Und im Gegenzug führen heute große Teile der Haupterschließungsstraße durch solche Gärten, während diese sich in früheren Zeiten eher in einem Zick-Zack-Kurs durch den Talkessel zog.

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Im Wissen um das historische Wachstum findet sich auch die Erklärung für das heutige Erscheinungsbild Stolbergs, erläutert Altena: „Wir hatten schon immer mehrere Stadtzentren.“ Denn um frühere Hofanlagen bildeten sich mehrere Knotenpunkte dessen, was man heute als innerstädtischen Leben bezeichnen würde. Unsere Leser waren begeistert. Denn der Historiker stellte ein großes Detailwissen unter Beweis, das er mit persönlichem Herzblut und Sachkenntnis angereichert hatte. Anerkennung und Beachtung fand auch die Tatsache, dass Altena Standorte aufsuchte, die zum direkten Vergleich mit der heutigen Situation einluden.

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Das heißt, es wurden Stellen und Standorte besucht, an denen einst die vorgestellten Fotografien entstanden sind. Schon beim Start eindrucksvoll ist der Vergleich zwischen dem früheren Park und dem heutigen Platz, der den Namen von Kaiser Wilhelm I. trägt, der als Prinz 1837 den Grundstein des Rathauses legte, als er „zufällig in Stolberg vorbeikam“. Was aber kaum ein Zufall gewesen sein konnte, wie Altena erläuterte. Besonders eindrucksvoll war der Bildvergleich beispielsweise im Rosental, am Bastinsweiher und im Sayettegarten sowie an der Kupfermeister- und Bierweiderstraße.

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So stellte Altena in Höhe des Kupferhofes Rosenthal eine um 1900 entstandene Fotografie vor, die eine alte Kupfermühle zeigte. Dieses vermutlich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstandene historische Objekt war laut Altena eine lockere Gebäudegruppe, die im Kern ein Hammerwerk besaß und sich am Verlauf eines Mühlgrabens orientierte. 1905 wurden Teile der Anlage abgebrochen, um die Rathausstraße vor dem Kupferhof zu verbreitern. Restgebäude dieser Hammerwerks-Anlage sind umgebaut heute noch im Vordergrund des Kupferhof Rosental zu sehen, der in der Nähe des ursprünglichen Straßenverlaufes gegründet wurde.

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Ursprünglich verlief die Hauptstraße, die spätere Rosentalstraße, im rückwärtigen Hang und folgte den Verbindungen zu den einstigen Gewebestandorten, sprich Kupferhöfen und -mühlen. Bauherr Johannes Schleicher sorgte dafür, dass vor rund 300 Jahren der Straßenverlauf die heutige Lage erhielt. Diese historischen Einzelheiten, die einen „chaotischen“ und ungeordneten Verlauf der heutigen Hauptstraße deutlich machten, waren unseren Lesern so nicht bekannt. Sie nahmen diese Informationen mit Verwunderung zur Kenntnis.

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Fotos: Lydia Flink, Stadtarchiv.

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