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Vicht- und Hasselbach schwellen rasant an

Bachbett voll in Zweifall : Bei Dauerregen muss wieder der Bagger ran

Das Debakel von Heiligabend kann noch verhindert werden. Diesmal funktioniert der Bagger, um das Geäst vor den Rohren zu entfernen, durch die der Hasselbach während der Bauarbeiten an der Straßenbrücke den Zweifaller Ortskern passiert. Dauerregen ließ den kleinen Bach rasch anschwellen.

Den Unterschied im Charakter von Münsterbach und Vicht konnte man am Sonntag deutlich an den Pegeldaten des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) ablesen. Von Mitternacht an stieg der Münsterbach – der mittlere Wasserstand liegt bei 25 Zentimeter – von 55 Zentimeter am Pegel in Kornelimünster langsam auf 105 Zentimeter zwischen 20 und 22 Uhr an, um noch gut 45 Zentimeter unterhalb des ersten Informationswertes zu bleiben und dann wieder abzusinken.

Ganz anders die Situation im Tal der Vicht mit ihrem mittleren Wasserstand von gut 30 Zentimeter, wo der kontinuierlich gemessende Pegel des LANUV in Mulartshütte liegt und noch eine Reihe von Zuflüssen den Bach vor der Stolberger Altstadt erreichen. Hier geht alles viel schneller.

Um Mitternacht plätscherte die Vicht in Mulartshütte ebenfalls mit 55 Zentimeter leicht erhöht vor sich hin. Ab 9 Uhr stieg der Bach an. Kurz nach 12 Uhr liegt er bei 80 Zentimeter. Kurz nach 16 Uhr wird der erste Informationswert von 100 Zetimeter überschritten. Gegen 18 Uhr wird mit 110 Zentimeter die zweite Informationsschwelle eines mittleren Hochwassers um fünf Zentimeter verfehlt. Dann sinkt in Mulartshütte der Scheitel wieder ab.

Erst mit Verzögerung erreicht die Welle Stolberg. Am Heinrich-Böll-Platz werden die 140 Zentimeter der analogen Pegellatte erreicht. Oder anders gesagt: Der Scheitel der Vicht bleibt knapp unter den Kellerfenstern des alten Kupferhofes Schart. 

Und auf der Mühle liegen die Unterzüge der Heinrich-Heimes-Brücke noch nicht im Wasser. Aber in aller Schnelle ist in der Innenstadt das gemauerte Bett der Vicht, deren Fundamentsteine man an normalen Tagen zählen kann, in der Innenstadt richtig voll gelaufen.

Reißender Bach

Es sind die vielen kleinen Siefe und Bächlein aus dem etwa 105 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet der Voreifel, die die sonst so beschauliche Vicht rasant in einen reißenden Bach verwandeln.

Einer davon ist der Hasselbach, der vom Charakter her mit dem großen Bruder durchaus verwandt ist. In Zweifall schrillen jedenfalls bereits am Nachmittag die Alarmglocken bei den Anwohnern des alten Schulhofes. Der hatte sich Heiligabend in eine Seenplatte verwandelt, als der Hasselbach bei starkem Wassergang jede Menge Astwerk mit sich führte, das die vier provisorischen Durchlassrohre in der Döllscheidter Straße zusetzten.

Die Röhren dienen während der Arbeiten an den Brückenfundamenten und Widerlagern dem Hasselbach kurzzeitig als Durchlass. Ist die Brücke fertig, werden die Stahlrohre auch wieder aus dem Bett geholt. Bis dahin sind sie aber eine Engstelle – weniger für das Wasser denn für Geäst und Geröll.

Um das im Falle eines Hochwassers beseitigen können, steht ein Bagger parat. Dummerweise fiel das Gerät Heiligabend mit einem Defekt aus. Aber am Sonntag erledigte ein neuer Bagger seinen Job tadellos. Etwa von 17 Uhr an musste er eingreifen. „Wir haben hier alles im Griff“; sagen die Arbeiter gegen 20.30 Uhr. „Der Pegel sinkt schon wieder.“

Dennoch ist das neue Becken des Hasselbaches randvoll gelaufen. Die Fluten schwappen über die unterste Trittstufe des abgesenkten Bereiches. Ihr Niveau wurde auf Höhe des 100-jährlichen Hochwassers angelegt. Von solchen Wassermassen ist man am Sonntag noch weit entfernt. „In den Rohren und auf der anderen Seite der Brücke ist noch jede Menge Platz“, beruhigen die Arbeiter. Es sei nur das verbliebene Geäst, das für den Rückstau sorge. Und ohne die Rohre werde das alles im Bach wieder an Zweifall vorbeirauschen.