Aachen/Stolberg: Verschüchterte Zeugin sagt gegen ihre Zuhälter aus

Aachen/Stolberg : Verschüchterte Zeugin sagt gegen ihre Zuhälter aus

Im Vorfeld der Aussage von Nadine M. (26) vor der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht hatte es ein unangenehmes juristisches Gezerre gegeben.

Oberstaatsanwältin Jutta Breuer sowie der Anwalt von Nadine M., die gleichzeitig Opfer und Nebenklägerin in diesem Prozess um mutmaßlichen Menschenhandel und Zuhälterei ist, hatten ihre Einvernahme in Form einer audiovisuellen Konferenzschaltung beantragt.

Zu angespannt und ängstlich sei die einstige Prostituierte, die durch die beiden angeklagten Brüder Miguel und Patrick C. (26/28) aus Jülich laut Anklage von März 2014 bis Herbst 2015 zur Prostitution gezwungen worden sein soll. Zu aufgelöst sei sie, um von Angesicht zu Angesicht vor den beiden Brüdern aussagen zu können.

Mitangeklagt ist die 23-jährige Frederike B.. Die Krankenschwester soll ebenfalls in der Bordellwohnung in einem Mietshaus in Stolberg „auf der Mühle“ gearbeitet und sowohl die jetzige Zeugin wie eine weitere junge Frau bei der Bedienung der Freier „angeleitet“ haben. Beinahe wütend hatten einige Verteidiger gefordert, der Zeugin unbedingt aus nächster Nähe in „die Augen schauen“ zu wollen und hatten eine Videokonferenz strikt abgelehnt.

Dabei gab die Zeugin an, auch deswegen Angst zu haben, weil beide Brüder der Rockergruppierung der Black Jackets angehören oder angehört haben sollen. Doch die Kammer unter Vorsitz von Richter Hans-Günter Görgen war der Opferschutz nicht ganz so wichtig wie die Befürchtung, womöglich Revisionsgründe zu schaffen, eine Zeugenvernehmung per Videoübertragung ist eher unüblich in deutschen Gerichtssälen. Also lehnte die Kammer den Antrag ab, und die Zeugin musste erscheinen.

Die junge Frau klammerte sich an ihrer Wasserflasche fest, als sie in den Gerichtssaal und auf den Zeugenstuhl in unmittelbarer Nähe ihre früheren, mutmaßlichen Ausbeuter musste. Anwalt Björn Hühne ließ sich sogar umsetzen, um mit dem Hauptangeklagten Miguel C. einen freien Blick auf die Zeugin zu haben, die eingeschüchtert und ängstlich vor dem Mikrofon saß. Es begann die Befragung durch Richter Görgen. Langsam kamen bruchstückhafte Sätze aus dem Mund der Zeugin, die zuerst leise sprach. Doch dann festigte sich ihr Auftreten.

Die Mutter eines kleinen Jungen schilderte, wie sie 2014 ihren Job verloren hatte und sich aus Geldnot in die Zuhälterdienste von Miguel C. stellte. Den habe sie über einen Freund kennengelernt, und schnell ging es dann zur Arbeit in die Stolberger Wohnung. Dort im ersten Stock hatte man zwei Zimmer angemietet, in denen angeschafft wurde, die Kunden kamen über Internetportal wie „Kauf mich“ oder „Sex Relax“, so die Zeugin. Doch aus der freiwilligen Anschaffe wurde schnell Zwang. M. musste pro Tag 100 Euro an Miguel C. abgeben.

Verdiente sie nichts, häuften sich ihre Schulden an. Später musste sie in Clubs in Würselen und Alsdorf arbeiten, nur um ihre angeblichen Schulden bei Miguel C. abzustottern. Selbst Jobs im bayrischen Rosenheim und in München, bei denen sie besser verdiente, habe sie nur zur Schuldentilgung genutzt.

Bereits im Jahr 2014 habe sie da raus gewollt, die Brüder hätte ihr gedroht, sogar Patrick, mit dem sie eine Beziehung hatte. Dann ging sie zur Polizei und erstattete Anzeige.

Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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