Städteregionsratswahl: Vernichtendes Ergebnis für die Linken in Stolberg

Städteregionsratswahl: Vernichtendes Ergebnis für die Linken in Stolberg

Jetzt liegt der schwierigere Teil vor den Strategen von CDU und SPD. Die Ausgangslage für die Stichwahl um das Amt des Städteregionsrates ist deutlich. Mit den 39,2 zu 27,8 Prozent ist Tim Grüttemeier klarer Favorit gegenüber  Daniela Jansen. Ihr Problem ist es nun, ihr Klientel am 18. November zur Wahlurne zu bewegen.

Tim Grüttemeier hat das Amt längst noch nicht „in der Tasche“, ebenso wie Daniela Jansen ihr Chancen bereits vertan hätte. Sie wird versuchen wollen, Grüne Stimmen für sich zu rekrutieren, wie er seine Befürworter zur erneuten Stimmabgabe auffordern wird.  Wie eng es bei einer Stichwahl werden kann, hat Amtsinhaber Helmut Etschenberg : Sein Vorsprung vor Christine Karl von 8,9 Punkten aus dem ersten Wahlgang schmolz auf 4,4 Punkte bei der Stichwahl. Es bleibt weiter spannend in der Städteregion und in Stolberg.

In der Kupferstadt können sich die Grünen über ein Spitzenergebnis freuen, das für Kommunalwahlen einem Traum gleichkommt. Im Vergleich zu Elisabeth Paul mit 6,96 Prozent müssten die 11,0 Prozent von Oliver Krischer Ansporn sein für den Ortsverband. Seit Beginn der Nach-Borutta-Ära dümpeln die Grünen bei Stolberger Kommunalwahlen deutlich unter ihren Möglichkeiten vor sich hin. Und nun holen sie in 19 Stimmbezirken – zumeist deutlich – mehr als zehn Prozent.

Zudem ist das jüngste Wahlergebnis ein derber Schlag ins Gesicht der Linken. Mit 6,39 Prozent lag vor vier Jahren der Stolberger Uwe F. Löhr in seiner Heimatstadt fast gleichauf mit den Grünen. Bei den Bürgermeisterwahlen verbesserte sich seinerzeit Mathias Prußeit auf 3,64 Prozent und 4,11 Punkte bescherten der Linken zwei Sitze im Stadtrat. Und nun erntete Albert Borchardt in Stolberg magere 1,55 Prozent, mit denen die Linken nur noch knapp von der ÖDP mit 1,32 Prozent in der politischen Bedeutungslosigkeit überflügelt werden. Dabei hat der linke Kandidat aus Eschweiler städteregionsweit immerhin 3,31 Prozent an Zustimmung erfahren. Aber ausgerechnet in Stolberg, wo einst eine Keimzelle der Gründung der SED-Nachfolgspartei lag, fahren die heutigen Linken ihr schlechtestes Ergebnis der gesamten Region ein. Nur im Atscher Norden und im nördlichen Unterstolberg fahren sie mehr als drei Prozent ein. Woran mag das liegen?

Foto: grafik

Die Riege der mit der politischen Mitte Unzufriedenen findet sich da stärker bei der rechten statt der linken Extreme ein. Die AfD-Kamerad Markus Matzerath schneidet beim ersten Antreten in Stolberg mit 7,04 Prozent leicht über dem städteregionalen Durchschnitt ab. Bei der Landtagswahl im vorigen Jahr waren es 6,1 Prozent Erst- und 7,3 Prozent Zweitstimmen. Die rechtsextremen Hochburgen mit Stimmenanteilen über zehn Prozent liegen in den eigentlich als Rot geltenden Städten Alsdorf und Eschweiler.

Grüttemeier ist Favorit bei der Stichwahl

Aber auch im Stolberger Stadtgebiet punktet der Alternative dort besonders gut, wo in früheren Zeiten der SPD kaum Boden zu rauben war. Mehr als zehn Prozent gibt es in vier Donnerberger und einem Münsterbuscher Stimmbezirk, in weiteren drei Bezirken steht eine Neun vor dem Komma. Verglichen mit diesem Potenzial, sind Willibert Kunkel (NPD) und Wolfgang Maskos (Republikaner) Weisenknaben mit ihren 1,16 bzw 0,55 Prozent bei der jüngsten Bürgermeisterwahl. Und mit seinen 1,52 Prozent bei der Ratswahl 2014 ergatterte Kunkel so gerade noch einen Sitz. Dass es in Stolberg auch mehr rechtslastiges Potenzial gibt, haben die Jahre vor 2009 gezeigt, als zwei rechtsextreme Parteien insgesamt gleich drei Ratsmitglieder stellten. Auch seinerzeit galt bereits, dass die meisten braunen Stimmen dort erzielt werden, wo eigentlich eine rote Welt vermutet werden müsste. Nicht die extreme Linke, sondern die extreme Rechte fängt in diesen Bezirken die Unzufriedenen ein.

Es bleibt spannend bis zur Stichwahl zum 18. November.

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