Vennstraße in Stolberg-Venwegen wird wieder zur Großbaustelle

Stolberg-Venwegen : Stolberger Vennstraße wird wieder zur Großbaustelle

Mitte der 1990er Jahre erhielt Venwegen eine neue Kanalisation. Die Stadt wechselte vom bisherigen Trennsystem, in dem Regen und Abwasser in zwei Leitungen abgeleitet wurden, auf das Mischsystem mit einer gemeinsamen Leitung. Damals sorgten die Arbeiten für viel Wirbel — nicht nur in dem Dorf.

Einerseits aufgrund der lange andauernden Sperrung der Vennstraße, andererseits wegen Kosten, Vergabepraxis und Schäden an Gebäuden durch ein unterirdisches Vortriebsverfahren. Innenministerium, Bezirksregierung und Kommunalaufsicht waren involviert. Der Gemeindeversicherungsverband wurde eingeschaltet, und sogar eine Inregreßnahme der an den damaligen Beschlüssen beteiligten Mitglieder des Bauausschusses wurde diskutiert. Darauf verzichtete der Stadtrat letztlich aber.

Trennsystem wird wieder belebt

Und heute sorgt das Thema Kanalisierung zwar erneut für Diskussionsstoff in Venwegen, aber diesmal soll alles besser laufen als vor zwei Jahrzehnten. Die Kanalisation ist hydraulisch überlastet. Mit mehreren Maßnahmen will die Stadt dem Problem zu Leibe rücken. Und dazu gehört auch eine neuerliche Kanalbaumaßnahme mitten in der Lebensader des Ortes. Zwischen Kochsgasse und Friedhof soll in der Vennstraße die Kanalisation angepackt werden.

„Wir stellen wieder um auf das Trennsystem“, sagt Bernd Kistermann. Das ist erforderlich, um die Leistungsfähigkeit der Kanalisation zu erhöhen, so der Leiter des Amtes für Technische Infrastruktur. Dazu soll die bisherige Mischwasserleitung aufgeweitet werden und das Regenwasser aufnehmen, während das Abwasser wieder durch seinen noch vorhandenen, früheren Kanal fließen soll.

Aber: Bis in der Landesstraße 12 die Arbeiten aufgenommen werden, wird noch einige Zeit ins Land ziehen. „Frühestens in der zweiten Hälfte 2020 werden wir die Vennstraße anpacken können“, sagt Tobias Röhm. Das liege daran, dass das Projekt gut geplant sein will und eine Reihe weiterer Maßnahmen zu berücksichtigen sind, so der Technische Beigeordnete. Ein Schwerpunkt der Vorbereitungen soll dabei dem Verkehrsfluss gelten.

In diesem Zusammenhang spielt die Städteregion eine Rolle. Denn sie plant eine Sanierung ihres Radwegenetzes entlang der Kreisstraße 14 zwischen Hahn, Breinig und Dorff über eine Länge von 2650 Meter. Im nächsten Jahr sollen die Arbeiten anlaufen, die sich dann auch auf die Fahrbahn erstrecken sollen.

Auf der gesamten Länge der Wegstrecke sind laut Städteregion starke Risse in den Betonplatten des Radwegs zu beobachten. Auf weiten Abschnitten seien die Platten komplett durchgebrochen. Dies führe zum einen zu starkem Bewuchs der offenen Spalte im Beton mit Gras sowie zu deutlichen Verformungen der Betonoberflächen sowohl in Querrichtung als auch in Längsrichtung. Die Schäden am Radweg sind bei der Städteregion mittlerweile mit erster Priorität gelistet.

Landesbetrieb saniert Fahrbahn

Aber auch die Fahrbahn der K 14 im Bereich der freien Strecke zwischen Hahn und Breinig entspricht nicht mehr den Erfordernissen. Ihre Sanierung ist mit Priorität 2 gelistet. Aus bautechnischen und wirtschaftlichen Gründen will die Städteregion gleichzeitig mit dem vom Land geförderten Radwegebau auch die Fahrbahn zwischen Hahn und Breinig instand setzen lassen.

Die Planungen sind angelaufen. Mitte 2019 sollen die Arbeiten beginnen, die dann für eine eingeschränkte Erreichbarkeit Venwegens sorgen werden. „Deshalb wollen wir diese Baumaßnahme unbedingt abwarten, bis wir mit der Kanalisierung in der Vennstraße beginnen“, betont Röhm. Denn die Arbeiten sollen zwar abschnittsweise erfolgen, werden aber voraussichtlich nur unter Vollsperrung der Landesstraße erfolgen können, da in dem betroffenen Abschnitt die Leitungen in der Straßenmitte liegen.

„Dazu werden wir uns noch intensive Gedanken machen müssen, wie der Verkehr geführt werden und die Busanbindung Venwegens aufrecht erhalten werden kann“, sagt Röhm. Selbst wenn kundige Venwegener die Routen kennen, wie die Baustelle umfahren werden könnte, so könne dies keine Lösung für den Durchgangsverkehr sein.

Mit der Abwasserleitung alleine ist es aber nicht getan in Venwegen, Die Versorgungsträger wollen in der Vennstraße mitziehen. Die Regionetz erneuert die Gas-, Enwor die Wasserleitung, und Unitymedia will an den Telekommunikationsleitungen tätig werden, berichtet Kistermann. Und im Anschluss, wenn Stadt und Versorgungsträger mit ihren Arbeiten durch sind, dann beabsichtigt der Landesbetrieb Straßenbau einen Komplettausbau der Vennstraße — von Ortseingang bis Ortsausgang, berichtet Tobias Röhm.

Venwegen hat also absehbar das Zeug zu einer neuen Großbaustelle. Erste Vorläufer werden bereits in den kommenden Wochen erlebbar, wenn auch kaum spürbar sein. An diversen Stellen im Dorf werden punktuell Reparaturen und Renovationen (dabei werden Undichtigkeiten mit Schläuchen überzogen) mittels verschiedener grabenloser Sanierungsverfahren erfolgen. „Dazu sind keine großartigen Sperrungen erforderlich“, erläutert Bernd Kistermann. Da stehe allenfalls ein Baufahrzeug tagsüber neben einem Kanalschacht.

Allerdings ist die Arbeitsliste lang: 129 Haltungen und neun Schächte sind zu bearbeiten. Mit rund 330.000 Euro hat die Stadt das kalkuliert. Am Donnerstag hat der Vergabeausschuss diese Arbeiten für Venwegen beauftragt. Sie sind Bestandteil des Kanalsanierungskonzeptes, das die Stadt 2012 in Auftrag gegeben hat, da in Venwegen bereits mehrfach Kanalüberlastungen vor allem im Bereich Kochsgasse und Teichstraße aufgetreten waren.

Bei ihrer Analyse hatten die Ingenieure im Norden und Süden der Vennstraße sowie im Kraelgen- und Pfarrer-Peters-Weg zu geringe Dimensionen der weiterführenden Kanäle festgestellt. Zur Abhilfe schlugen die Gutachter eine Vergrößerung des Kanals von 250/300 durch 600 Millimeter auf rund 220 Meter Länge sowie in der Vennstraße von 250/500 auf 700 bis 900 Millimeter etwa zwischen Kirche und „Zu den Maaren“ vor. Darüber empfahlen sie eine Reaktivierung des Trennsystems.

Dies würde die hydraulische Leistungsfähigkeit des Venwegener Kanalnetzes im Hinblick auf die, mit dem Klimawandel verbundenen Starkregenereignisse verbessern. Letztlich werden die getrennt gesammelten Regen- und Schutzwässer über zwei Überlaufbauwerken (Rainweg/Kraelgenweg und Vennstraße) miteinander verbunden und gemeinsam über das im Brigidaweg gelegene Überlaufbecken zur Kläranlage Aachen-Süd abgeleitet. Mit rund 530.000 Euro werden die Arbeiten an den Kanalleitungen im offenen Verfahren heute kalkuliert.

Und noch eins verspricht Tobias Röhm: „Sobald unsere Planungen für Venwegen gediehen sind, werden wir die Bürger frühzeitig einbinden und informieren über Bauablauf, Umleitungen und Alternativen“, betont der Technische Beigeordnete.

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