Unterwegs in Stolberg mit SPD-Bürgermeisterkandidat Patrick Haas

„Klinken putzen gehört einfach dazu“ : Unterwegs mit SPD-Bürgermeisterkandidat Patrick Haas

SPD-Bürgermeisterkandidat Patrick Haas im Fragenhagel

Wir haben den Bürgermeisterkandidaten der SPD, Patrick Haas, während des Wahlkampfes einen Tag begleitet. Bürgerdialog, Kitabesuche und „Klinkenputzen“ standen auf dem Programm.

Es ist Freitagnachmittag kurz nach 17.30 Uhr. Im Tulpen- und Lilienweg auf dem Donnerberg läuten an diesem Nachmittag jede Menge Haustürklingeln. Nicht überall ist auch jemand zu Hause. Doch in den meisten Fällen öffnet sich die Türe dann doch. Was die Einwohner erwartet, sobald sie die Pforte zu ihren eigenen vier Wänden öffnen? Vor ihnen steht ein junger Mann in einem blauen Jackett. In den Händen hält er einen Kugelschreiber, ein Info-Blatt und ein kleines Paket, in dem sich Blumensamen befinden.

Mit einem Lächeln im Gesicht erklärt er den Menschen auf der anderen Seite der Türschwelle sein Anliegen und kommt dabei gleich zum Punkt. „Patrick Haas ist mein Name. Ich bin der Bürgermeisterkandidat der SPD in Stolberg.“ Vorstellen müsste sich der 37-Jährige eigentlich nicht mehr. Immer wieder hört er an diesem Nachmittag Sätze wie „Sie sind der junge Mann von den Plakaten“, „Sie haben wir schon einmal gesehen“ oder „Da ist ja der neue Will-Bürgermeister“.

Noch knapp zwei Wochen

Neuer Bürgermeister von Stolberg werden: Genau das ist das Ziel des Lehrers und Familienvaters. Noch knapp zwei Wochen bleiben ihm, um die Stolberger von sich und seinen Vorhaben zu überzeugen. Im Rahmen der Wahlkampfberichterstattung haben wir alle Kandidaten einen Tag lang begleitet. Welche Termine dabei auf dem Programm standen, durften sie selbst entscheiden. Mehrere hundert Stück seien allein in den vergangenen Wochen zusammengekommen. Doch nicht nur Einladungen und offizielle Termine nimmt Hass in dieser Zeit wahr. Für ihn spielt auch der Haus-
türwahlkampf eine wichtige Rolle. Seit mittlerweile sechs Wochen besucht er Stolberger im gesamten Stadtgebiet.

Doch nicht nur auf diese Weise will er mit den Menschen ins Gespräch kommen, sich ihnen vorstellen und mit ihnen über ihre Anliegen und Probleme sprechen. Auch im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ansprechbar“ steht er den Stolbergern Rede und Antwort. An diesem Abend in der Donnerberger Gaststätte Heidewirt. Neben einigen Parteigenossen sind auch etliche Bürger gekommen, um zu hören, was der 37-Jährige zu sagen hat. Themen wie die Internetversorgung, der Ausbau von Radwegen, die Seniorenpolitik oder auch der städtische Haushalt kommen auf die Agenda. Haas bemüht sich, jede Frage so ausführlich wie möglich zu beantworten.

Mit den Stolbergern in Kontakt treten: Bereits seit sechs Wochen ist Patrick Haas (links) im Haustürwahlkampf aktiv. Foto: ZVA/Sonja Essers

Natürlich kommen auch Fragen zu den Themen Sauberkeit und Sicherheit auf. Vor allem Ersteres sei ein Thema, bei dem es immer wieder Gesprächsbedarf gebe, erklärt Patrick Haas im Gespräch nach der Veranstaltung. Er hat in den vergangenen Wochen folgende Erfahrung gemacht: „Es gibt Themen, wie zum Beispiel die Sauberkeit, die immer wieder aufkommen. Es werden generell viele kritische Fragen gestellt. Aber man bekommt eigentlich immer die Möglichkeit, darauf auch komplex zu antworten. 99 Prozent der Gespräche, die man führt, gehen positiv aus. Nur ganz selten hat man das Gefühl, dass der Gegenüber abweisend ist.“ Was er aus den Fragen der Bürgern schließt? „Es besteht keine Gleichgültigkeit gegenüber der Stadt. Viele würden sich gerne wieder mit Stolberger identifizieren.“ Daran wolle er in Zukunft arbeiten.

Gegen 22 Uhr haben die meisten Gäste die Gaststätte verlassen. Mit einigen Genossen sitzt Haas noch zusammen und lässt den Abend ausklingen. Sein Jackett hat er über die Stuhllehne gehängt und die Ärmel seines Hemdes ein wenig hochgeschoben. Zu diesem Zeitpunkt liegen bereits mehr als 14 Stunden Wahlkampf hinter ihm – eine längere Pause war an diesem Tag nicht drin. „In der Regel komme ich nicht vor 22 oder 23 Uhr nach Hause“, sagt er. Am Morgen und am frühen Nachmittag geht’s nahezu täglich an die Kitas. Vor den Einrichtungen spricht er Eltern an, verteilt Eis-Gutscheine und Seifenblasensets mit seinem Konterfei. An diesem Tag ging es unter anderem nach Breinig.

Zu längeren Gesprächen kommt es an diesem Tag nur selten. In einigen Fällen kann Haas dann schließlich doch noch die Themen, die ihm wichtig sind – dazu gehört unter anderem ein weiteres freies Beitragsjahr in der Kita, mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen, ein kostenfreies Jahr im Sportverein für Schulanfänger, die Infrastruktur durch einen Verkehrsplaner stärken – platzieren. Diejenigen, die für ein Gespräch keine Zeit haben, freuen sich indes über die kleinen Aufmerksamkeiten für den Nachwuchs.

Nach den Gesprächen an der Kita geht’s am Nachmittag an die Grundschule in Gressenich. Dort steht das Schulfest auf dem Programm. Händeschütteln, mit den Menschen ins Gespräch kommen und Präsenz zeigen: Dinge, die bei diesem Termin im Vordergrund zu stehen scheinen. Haas scheint das allerdings nichts auszumachen. Immer wieder kommt er mit den Besuchern ins Gespräch. Mancher Dialog dauert so lange, dass seine Mitstreiter ihn dann auch einmal an die Uhrzeit und die folgenden Termine erinnern müssen. Schließlich wird er bereits zum nächsten Termin erwartet: dem Haustürwahlkampf.

Freundlich begrüßt wird der Bürgermeisterkandidat eigentlich in jedem Haushalt. Allerdings ist nicht jeder Bürger an einem Gespräch interessiert. „Jetzt müssen Sie ja Klinken putzen“, gibt ihm eine Dame an diesem Nachmittag mit auf den Weg. „Das gehört ja dazu“, sagt Haas und verliert dabei weder seinen freundlichen Tonfall, noch sein Lächeln. Situationen wie diese bringen ihn nicht aus dem Konzept. Schließlich ist Haas bereits seit zehn Jahren in der Stolberger Politik aktiv. Doch nicht nur das sei ein Grund, warum er sich zutraut, der Chef der Verwaltung zu werden. Ob er mit jeder Klingel, die er drückt, einen Schitt näher an sein Ziel kommt, wird sich am 26. Mai zeigen müssen.

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