Unfreiwillige Rekordernte im Stolberger Stadtwald

Umfangreiche Aufforstungen : Gewinn, der nicht nachhaltig ist

„Ich habe in all den Jahren noch nicht eine Fichte gepflanzt“, beteuert Theo Preckel, als Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt mit dem Förster fachsimpeln wollten über die klimatische und forstliche Entwicklung in der Kupferstadt.

Preckel, seit drei Jahrzehnten mit Herz und Seele dem Stadtwald verschrieben, baut schon lange die Stolberger Bestände unter ökologischen wie ökonomischen Gesichtspunkten um. Die Fichte, der alte „Preußenbaum“, zählt nicht zu den Zukunftsträgern für die Stolberger Böden und klimatischen Bedingungen zwischen heftigen Stürmen und extremer Dürre. Viele Buchen und Douglasien hat Preckel setzten lassen. Und Erlen, wo es feucht genug ist.

„Wir versuchen uns anzupassen“, sagt Preckel. Eichen, der typische deutsche Baum, würde er ja auch ganz gerne setzen. „Aber das geht nicht, weil zu viel Wild da ist“, sagt Preckel. Oder anders formuliert, ist es einfach zu aufwendig, die Kulturen weiträumig mit Zäunen gegen Verbiss zu sichern. „Und dann springen die Hirsche doch drüber und die Schweine drunter durch“, sagt Preckel mit einem Schmunzeln.

Also lieber die heimische Buche setzen, wobei nur Buche als Ware Holz auch nicht so gut nachgefragt wird. Also soll die Douglasie das Finanzielle in der Zukunft richten. Die kommt mit dem Wetter in Stolberg zurecht. Dabei kommen die vor allem aus Washington und Darrington – USA. Obwohl im nahen Staatsforst bei Zweifall anerkannte Saatgutbestände gepflegt werden. „Aber es ist uns bisher nur einmal gelungen, daraus Setzlinge zu erhalten“, gesteht Preckel. Kontrollieren kann er letztlich nicht ob die – immer aus anerkannten Bestände georderten – Setzlinge auch anderer Baumarten wirklich aus diesem Saatgut gezogen sind. Eine Garantie, dass sie am neuen Standort prosperieren ist selbst das nicht.

Aufforsten will Preckel in diesem Jahr 15.000 Douglasien und 3000 Rotbuchen; planmäßig geerntet werden sollen 3680 Festmeter Fichte, 1060 Festmeter Eiche und 995 Festmeter Buche. Wenn nicht wieder einmal ein Sturm einen Strich durch die Rechnung macht, wie so häufig im vergangenen Jahrzehnt. Kyrill und Xynthia, Wiebke, Friederike, Burglinde & Co haben deutliche Spuren hinterlassen und den Förster immer wieder gezwungen, vom ursprünglichen Plan abzuweichen.

Förster Theo Preckel muss mehr Holz ernten, als ihm lieb ist. Foto: Jürgen Lange

7000 Festmeter Fichtenholz wurden im vergangenen Jahr geworfen oder gebrochen und mussten zwangsgenutzt und vermarktet werden. Dann kamen Trockenheit sowie Borkenkäfer „and friends“ hinzu. 9000 Festmeter waren bis Ende vergangenen Jahres betroffen. Weitere, mehrere Tausend Festmeter Käferholz werden voraussichtlich in diesem Jahr noch der Säge zum Opfer fallen müssen.

 Die unerwartet hohen Einnahmen – knapp eine Million Euro – aus Holzverkäufen sind trügerisch, weil kurzfristig. Sie haben nichts mit nachhaltiger Forstwirtschaft zu tun, betont Preckel. In späteren Jahren werden die jetzt gefallenen Bäume und ihre Erlöse in der Bilanz fehlen.

Dabei sind die Holzpreise noch weiter in den Keller gegangen. Von 95 auf 60 Euro pro Kubikmeter gefallen. Einen Teil der unfreiwillig umfangreichen Ernte konnte Preckel nach China vermarkten. „Aber der Export ist preissensibel“, sagt der Förster. „Gut für uns alle ist, dass wir verlässliche Partner hier in der Region haben“. Die verlassen sich auf die heimische Waldwirtschaft und umgekehrt – in guten wie in schlechten Zeiten. Klar, dass der Forstamtsleiter für den besseren Teil der Holzernte die regionalen Kunden im Auge hat.

Was die Zukunft mit ihrem klimatischen Wandel der Stolberger Waldwirtschaft bescheren wird, ist ungewiss. Sorgen, ein Jahr einmal rote Zahlen zu schreiben, sollten sich die Freunde der doppelten Buchführung im Stadtrat nicht machen. Denn seitdem Theo Preckel im Dezember 1989 den Stadtwald übernommen hat, hat er bis heute immer nur schwarze Zahlen geschrieben, meist sogar schwärzere als vorhergesagt.

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