Stolberg-Mausbach: Um 50 Meter wächst der Kanal jede Woche

Stolberg-Mausbach: Um 50 Meter wächst der Kanal jede Woche

Sie gilt als eine der größten Baustellen dieser Zeit. Der Bau eines zusätzlichen Kanalsammlers in Mausbach prägt mit Kosten, Material- und Personaleinsatz das Bild auf der Kurt-Schumacher-Straße, dient Hochwasser- wie Naturschutz und schafft die Voraussetzung für die Erschließung weiterer Bauflächen in diesem Stolberger Siedlungsschwerpunkt, die bislang durch ein hydraulisch überlastetes Kanalsystem gebremst wurde.

Rund 4,5 Millionen Euro muss die Stadt in seine Ertüchtigung investieren. Nun ist der dritte Teil eines umfangreichen Projektes in Arbeit, das die Stadt, aber auch der Wasserverband Eifel-Rur im Osten des Stadtgebietes stemmen. Rund 2,5 städtische Millionen Euro und weitere 1,7 Millionen Euro des WVER werden in Mausbach allein in diese Projekte buchstäblich in die Erde gesteckt.

Den Auftakt machte mit einer Investition von knapp einer Million Euro im Herbst 2009 der Bau eines neuen Mischwasserkanals in der Gressenicher Straße sowie eines zentralen Schachtbauwerks im Einmündungsbereich von Vichter- und Kurt-Schumacher-Straße.

Im vergangenen Herbst folgte der zweite Abschnitt, als der WVER neben der Verbesserung der Einlaufsituation am Vichtbach auf einer Länge von 460 Meter eine Abschlagsleitung mit einem Durchmesser von 1200 Millimeter entlang der Landesstraße 12 bergauf in Richtung des ehemaligen Mausbacher Klärwerks verlegte und den dort bei Starkregen oft über die Ufer tretenden unteren Teil des Mausbachs verrohrte. Gleichzeitig begann der Ausbau des Regenüberlaufbeckens (RÜB), dessen Volumen auf rund 3900 m3 nahezu verdoppelt wird.

Dieses RÜB ist auch das Ziel des dritten Bauabschnittes, um die Mischwasserkanalisation des Stadtteils mit einer Investition von rund 1,5 Millionen Euro in der entsprechenden Dimension sicherzustellen.

„Der vorhandene Sammler reicht nicht aus”, sagt Werner Lövenich mit Blick auf die 1,20 Meter große Leitung, die im Gehweg entlang der Fahrbahn verläuft. Ein zweiter, gleich großer Kanal wird nun daneben in die Fahrbahn auf einer Länge von etwa einem Kilometer vergraben und an das Schachtbauwerk in der Vichter Straße angeschlossen, erläutert der Projektleiter aus dem städtischen Tiefbauamt.

Gleichzeitig wird der dem Ort seinen Namen gebende Mausbach neu verrohrt, nachdem die Bürger sich mehrheitlich für eine Offenlegung - in erster Linie im Bereich der Vichter Straße - ausgesprochen hatten. „Die Leitung ist marode, die Wasserbehörde verlangt, dass wir sie erneuern”, so Fachbereichsleiter Bernd Kistermann.

Zumindest bis zum Ortsausgang bleibt der Mausbach in einem neuen 900er Rohr. Von dort an wird der „typische Mittelgebirgsbach” auf einer Länge von 25 Meter aus seiner Zwangslage befreit und im offenen Graben weiter talwärts geführt.

Auch eine Forderung der Wasserbehörde und eine Arbeit, die ihre Tücken hat. Denn im Laufe der Jahre wurden Telekommunikations- und Versorgungsleitungen über das alte Bachrohr verlegt. Sie müssen nun mühsam und vorsichtig beiseite ge- und neu verlegt werden, um die Bachverrohrung beseitigen zu können. „Das bringt der Stadt eine Gutschrift von Öko-Punkten”, sagt Lövenich.

Bei dieser Gelegenheit erneuert Enwor auch seine 300 Millimeter Trinkwasser-Versorgungsleitung, die noch aus Gussrohr-Zeiten neben dem Mausbach verläuft. Werner Lövenich hat also viele Baustellen auf der Großbaustelle zu koordinieren.

Die wurde deshalb von der Mitte Richtung bergauf begonnen, eine zusätzliche Kolonne wird sich ab kommender Woche in Richtung Regenüberlaufbecken vorarbeiten.

Der Ablauf auf der Baustelle wird auch von den Zulieferern bestimmt. Die 1200er Betonrohre werden eigens für die Mausbacher Baustelle gegossen. „Wir haben zwei Lieferanten dafür gewinnen können, was schon außergewöhnlich ist”, verweist Willi Bougé auf den harten Wettbewerb.

Zwei Rohre mit einer Länge von je 2,50 Meter erreichen werktäglich die Baustelle, erklärt der Technische Leiter der beauftragten Wurzel Baugesellschaft auf Jülich. Um das Ziel, 50 Meter Kanal pro Woche neu bauen zu können, ist der Einsatz von Personal und technischem Gerät in Mausbach für heutige Verhältnisse ungewöhnlich groß.

Fünf Groß-, ein Midi-Bagger und drei Radlader sowie 15 Mitarbeiter sind beschäftigt; hinzu kommt die Logistik für An- und Abtransport von Materialien.

Vor unliebsamen Überraschungen wie anstehenden Fels oder Kriegsrelikte sind die Bauarbeiten bislang verschont geblieben. So sind sich Willi Bougé und Bernd Kistermann heute sicher, den Fertigstellungstermin vor Weihnachten einhalten zu können.

Aufgrund der Baufortschritte wird von der kommenden Woche an eine veränderte Verkehrsführung auf der Kurt-Schumacher-Straße greifen. Dann wird nach Arbeitsschluss die Möglichkeit entfallen, von Nachtigällchen nach Mausbach zu fahren.

Im Zuge der Arbeiten ist eine Querung der Fahrbahn erforderlich, so dass vom 5. bis zum 16. September die Landesstraße 12 auch in den Nachtstunden gesperrt bleiben muss.

Demnach sind die Umleitungsstrecken, die durch Vorwarntafeln und Verkehrszeichen ausgeschildert sind, auch nachts in Richtung Mausbach zu befahren.

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