Stadtführung für Kinder und Eltern: Turm, Wehrgang und Folterkammer erkundet

Stadtführung für Kinder und Eltern : Turm, Wehrgang und Folterkammer erkundet

Was das Wertvollste an der Stolberger Burg ist, was der Schweinskopf über einem Haus in der Altstadt bedeutet und wo der neue Bürgermeister wohnt – all das erklärte Peter Sieprath den Teilnehmern der Führung „Stolberg for Kids“ jetzt bei seiner Tour durch die Stadt.

Seit fünf Jahren ist der Stadtführer mit Gruppen in der Kupferstadt unterwegs, kennt jeden versteckten Winkel und hat die Schlüssel zu sonst nicht öffentlich zugänglichen Orten der Stadtgeschichte in der Hosentasche.

Bei der öffentlichen - und noch dazu kostenlos angebotenen - Führung für Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 15 Jahren zeigte sich Stolberg von einer Seite, die vielen unbekannt ist. Die Burg, ein uraltes Gemäuer, stand für die Teilnehmer offen – mit allen Räumen, Wehrgängen und Türmen.

Natürlich kennt Sieprath so manche Anekdote und weiß, wie man Kindern anschaulich etwas erklärt. Die speziell für Kinder konzipierte Führung ist Teil der Initiative der Bürgerstiftung Stolberg in Kooperation mit Stolberg Touristik, den Bürgern ihre Heimat nahe zu bringen. Natürlich durften auch die Eltern und Großeltern den interessanten Schilderungen lauschen.

„Doch im Mittelpunkt stehen heute die Kinder“, betonte Sieprath beim Start am Rathaus auf dem Kaiserplatz. Er erklärte, wie sich das Bild der Stadt über die Jahrhunderte verändert hat, wie das erste Rathaus gebaut worden ist, welche Aufgaben dort erledigt werden und, warum ein Ergänzungsbau notwendig wurde.

Einen Abstecher machte Sieprath selbstverständlich zum wohl berühmtesten Denkmal von Stolberg, denn schließlich war man ja auf den Spuren des legendären „Vogelsängers“ unterwegs. Als Vogelsänger wurde jemand bezeichnet, der mit Vögeln sang.

Diese Bezeichnung meinte ursprünglich die Bewohner des Stolberger Viertels Vogelsang, nahe dem Hammerberg gelegen und ein Eldorado für eine Vielzahl unterschiedlicher Vogelarten. Der Alt-Stolberger Figur wurde einst sogar ein Lied gewidmet, das Sieprath mit den Kindern kurz anstimmte.

Bogen schlagen

Über die Brücke, die den Vichtbach überwindet und damit einen Bogen zwischen dem neuen Teil der Stadt und der Altstadt schlägt. Anschließend ging es dann in Richtung Burg und in den engen Gassen gibt es einiges zu entdecken. Vorbei ging es am Wohnhaus des neuen Stolberger Bürgermeisters Patrick Haas. Überm Eingang von einem Wohnhaus an der Wurstgasse prangt ein Schweinskopf. Wie ein Kind schnell richtig bemerkte, markierte dieser einst die Funktion als Fleischerei.

Die Burg steht im Mittelpunkt der Altstadt – dem Wohnort des Vogelsängers. Sein Lieblingsgetränk war Bier, wie Sieprath erklärte. „Allerdings im Vergleich zu heute eines mit sehr wenig Alkoholgehalt.“ Nach dem steilen Anstieg auf die Burg erwartete die Kinder vom Burgturm aus ein prächtiger Blick über die Stadt. Der große Rittersaal und das Trauzimmer waren weitere Stationen. Auf der Bühne, wo sonst zum Beispiel der Burggraf oder der Karnevalsprinz stehen, durften die Kinder ein Lied anstimmen.

Und sogar in die Folterkammer durften die Mädchen und Jungen einen Blick werfen. „Das ist ja für viele unserer Besucher der spannendste Ort der Burg“, meinte Sieprath und erklärte die Funktion der verschiedenen Folterinstrumente. Und hinter einer Tür eröffnete sich der Blick der jungen Besucher auf das Wertvollste an der Stolberger Burg – in einem Spiegel konnten sie sich selbst erblicken.

Es war ein spannender und unterhaltsamer Vormittag, der nach Wiederholung verlangt, vielleicht auch einmal außerhalb der Schulferien für Gruppen von Kindern und Jugendlichen oder am Wochenende mit der Möglichkeit, den Spaziergang mit den Eltern und Großeltern zu erleben.