Treppenaufgang gesperrt - Burg in Stolberg bröckelt weiter

Treppenaufgang gesperrt : Die Mauern der Burg bröckeln wieder

Während die Stolberger Burg fester denn je auf dem Kalkfelsen im Tal der Vicht steht, bröckeln die Mauern ihrer Befestigungsanlagen reichlich. Nach einer routinemäßigen Überprüfung sperrte die Stadtverwaltung am Donnerstagnachmittag sicherheitshalber den Treppenaufgang, der vorbei an der Gedenktafel für Burgstifter Moritz Kraus vom Eselsweg zum Kräutergarten unterhalb des Torburgmuseums führt – auf unbestimmte Zeit. Es besteht Steinschlaggefahr.

„Das ist eine absolute Vorsichtsmaßnahme“, erklärt Bernd Kistermann. „Wir sind nach allen Kräften bemüht, die Wegeverbindung wieder schnell freigeben zu können“, betont der Leiter das Amtes für Immobilienmanagement. Bereits Freitagnachmittag erfolgten erste Ortsbesichtigungen mit Fachunternehmen.

Die Gefahr für Passanten geht von der Burgmauer oberhalb des kleinen Platzes am Fuße des Burghauses aus, wo der von den Pfadfindern genutzte Steinbackofen steht. Die Mauer sichert den unteren Burghof und den barrierefreien Weg zur Brücke, die zum Faches-Thumesnil-Platz führt.

Gute zehn Meter beträgt die Absturzhöhe bis auf das Niveau des Platzes. Bei der Planung zur Erhöhung der Umwehrungen vor elf Jahren brauchte dieser Bereich allerdings nicht ausgebaut zu werden. Ein Handlauf wurde zur Verbesserung der Barrierefreiheit angebracht. 2008 wurde dort zudem die Fußgängerbrücke erneuert. Sie ruht auf Stahlträgern, die ins Mauerwerk eingelassen sind, und ist mit Holzbohlen verkleidet – aus Rücksicht auf die Mauereidechsen, die dort ihr Sonnenbad nehmen.

Aber heute besteht das Problem in Gesteinsbrocken, die aus dem Mauerwerk herausbrechen und in die Tiefe stürzen. „Sie sieht von unten aus wie eine Trockenmauer“, beschreibt Kistermann den optischen Eindruck. Allerdings würde eine solche Konstruktion an dieser Stelle selbst den Ingenieur wundern. Vermutet wird, dass das Mauerwerk lediglich nicht verfugt worden ist – eben mit Rücksicht auf die besagte Mauereidechsen-Population.

Weil aber alle Interpretationen vom Boden aus nur Spekulation sind, soll möglichst schnell ein Gerüst her, um die schadhaften Stellen im Detail untersuchen zu können. „Zuerst streben wir aber eine schnelle Absicherung an, damit der Weg wieder für die Öffentlichkeit freigegeben werden kann“, erklärt Kistermann und hofft, dass das bis zum Open-Air-Kino „Schauburg“ (9. bis 18. August ) auf dem oberen Burghof erledigt werden kann. „Vielleicht kann dieses Problem gleich mit dem Aufstellen des Gerüstes gelöst werden“, so Kistermann.

Vom Gerüst aus sollen jedenfalls Fachleute die Mauer begutachten und ein Sanierungskonzept erarbeiten. Erst nach dieser Analyse werden Umfang und Ausmaß von Schäden und Sanierungskosten absehbar.

Für ein historisches Bauwerk ist es nicht ungewöhnlich, wenn es bröckelt, wenn der Eigentümer es nicht regelmäßig instandhält. Das hatte die Kupferstadt mit ihren eigenen Immobilien über viele Jahre lang nicht getan. Entsprechend umfangreich ist der Sanierungsaufwand, der seit 2014 abgearbeitet wird.

Vor zwei Jahren hatte die Stadt sicherheitshalber Handeln müssen. Von Steinschlag betroffen waren das Kirchengelände und der Platz zwischen Pfarrhaus und Torburg. Bereits 2014 hatte es einen größeren Felsabbruch des Burggeländes zum Grundstück der Pfarre St. Lucia hin gegeben. Nach einer Untersuchung der betroffenen Stelle durch besagtes Ingenieurbüro ließ die Stadt dort Felsbrocken entfernen, die abzubrechen drohten.

2017 lösten sich erneut kleinere Felsstücke. Betroffen waren erneut das Kirchengelände sowie der heute wieder in Mitleidenschaft gezogene Platz am Steinbackofen. Seinerzeit wurde bereits auf „Deformationen an den Bruchsteinmauern“. hingewiesen. Bei Besichtigungen durch Gutachter wurde immer wieder das Lösen kleinerer Steine oder Blöcke dokumentiert. Zudem wurde festgestellt, dass die bestehenden Bruchsteinmauern ebenfalls Ausbrüche zeigen sowie „aufgrund des vorhandenen Bewuchses teilweise deutliche Veränderungen des Fugenverbandes, die von der Lageveränderung einzelner Steine bis zu großflächigen Ausbauchungen des Mauerwerkes reichen“.

Im Herbst 2017 hatte die Stadt eine Untersuchung beauftragt. Im Rahmen der kontinuierlichen Besichtigungen fielen erneut die Schadstellen besagter Burgmauer ins Auge. Die Schäden am Burgfelsen im Umfeld von St. Lucia sollen dagegen bereits behoben sein.

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