Stolberg: Stolbergs neuer Abfallsauger

Stolberg: Stolbergs neuer Abfallsauger

Stolbergs legendäres „Kehrmännchen Herr S.“ könnte zukünftig vielleicht „Glutton“ gerufen werden: „Vielfraß“ hat die belgische Christian Lange S.A. aus dem wallonischen Andenne ihren Abfallsauger getauft. Mit superleisem Elektromotor kann der „Glutton“ bis zu zwölf Stunden lang eingesetzt werden.

Alternativ gibt‘s den Abfallsauger auch mit Honda-Viertakter. Der „Glutton“ kann mit seinem langen Rüssel zwölf Stunden lang Staub, Kippen und Abfall aufsaugen — bis zu einem Durchmesser von rund 125 mm. „Gar nicht so verkehrt“, nickt Georg Paulus anerkennend, als das Gerät von Volker Maaßen vor dem Rathaus demonstriert wird. „Ich kenne das Produkt schon gut drei Jahre“, sagt der Leiter des Technischen Betriebsamtes.

„Wir hatten damals überlegt, eins zu beschaffen.“ Rund 18.000 Euro kostet so ein elektrisch betriebener Vielfraß. Aber dafür fehlte in Stolberg das Budget. Paulus musste einen gebrauchten Pritschenwagen bevorzugen. „Den brauchten wir dringender“. Gekehrt wird derweil weiterhin von Hand.

Der „Glutton“ ist wieder im Gespräch, weil Karl-Heinz Oedekoven als euregional engagierter Kunstliebhaber sich angesichts der Diskussion über die Verschmutzung der Innenstadt an das Gefährt erinnerte, das in nahezu jeder belgischen Stadt im Einsatz ist. „Da haben wir eine Marktabdeckung von über 80 Prozent“, sagt Maaßen. In Deutschland — in Monschau und Erkelenz ist der Vielfraß im Einsatz — sei die Vermarktung etwas schwieriger. „Wenn hier jemand einen Baum fällen will, greift er nach der Motorsäge“, schmunzelt der Vertriebsmanager. „Aber bei der Straßenreinigung fragen die Deutschen nach einem Reisigbesen“.

Über die moderne Variante der informierte Oedekoven die Gesellschaft für Stadtmarketing, SMS-Sprecher Patric Peters organisierte einen Vorführungs-Termin. Und mühelos surrt der 75 Zentimeter schmale Staubsauger auf seinen kleinen Rädern zwischen Bänken, Spielgeräten und Pfosten vor dem Rathaus umher. Bis zu sechs Kilometer schnell geht‘s vorwärts; im Rückwärtsgang sind‘s drei km/h. Das Saugrohr besteht Karbon und ruht auf einem kleinen Rad, damit die Tätigkeit des Straßenfegers im wahrsten Sinne des Wortes leichter wird. Er braucht nur noch die Richtung vorzugeben.

Die Arbeit erledigt dann die Technik. Der inhalierte Abfall landet in einer Eurotonne im Heck des Fahrzeuges, die mit einem ausgeklügelten Equipment punkten kann: Dank eines Einsatzes kann die Tonne mit Beuteln ausgekleidet werden. Ein Feuerlöscher wird automatisch tätig, falls eine Kippe doch noch anfängt zu kokeln. Und eine Sprüheinrichtung im Eimer sorgt dafür, dass Kot desinfiziert und geruchsneutral wird. Eine ausgeklügelte Filtertechnik garantiert einen staubfreien Betrieb.

Leise arbeitet der kleine Vielfraß dank seines Elektroantriebs ohnehin. Laut ist nur der Warnton beim Zurücksetzen. Für Sicherheit sorgen die gelbe Rundumleuchte, Rück- und Seitenlicht. Ein LED-Strahler hilft in der Morgen- oder Abenddämmerung, den Müll zu erkennen. Weil der auch größer als das Saugmaul sein kann, gehören ein Handgreifer sowie ganz konventionell Schaufel und Besen zur Zusatzausstattung. Hat der „Glutton“ sein Tageswerk getan, reicht es, ihn abends an die Steckdose zu hängen, damit er morgens wieder autark saugen und fahren kann.

„Ich bin begeistert“, zeigt sich Ferdi Gatzw­eiler nach kurzer Vorführung überzeugt, dass der „Vielfraß“ in der Innenstadt eine ideale „Weidefläche“ vorfinden würde. Allerdings fehlen dem Bürgermeister für die Anschaffung eines „Gluttons“ weiterhin die Haushaltsmittel. Deshalb will sich nun die SMS — ebenso wie bei der Altstadtbeleuchtung — auf die Suche nach Sponsoren machen, die die rund 18.000 Euro zum Kauf eines Abfallsaugers aufbringen könnten. Hinzu kommen natürlich noch die Personal- und Stromkosten.