Großbrand in Notre-Dame: Stolberger trauern mit Menschen in Paris

Großbrand in Notre-Dame : Stolberger trauern mit Menschen in Paris

Genau 429 Kilometer und über viereinhalb Stunden Fahrt liegen zwischen der Stolberger Burg und dem Pariser Wahrzeichen Notre-Dame. Am Montagabend ereignete sich dort ein Unglück, das nicht nur die Menschen in der französischen Hauptstadt in tiefe Trauer versetzte.

Der Schock über den Brand der Kathedrale sitzt auch in Stolberg tief – vor allem bei den Menschen, die sich mit Frankreich eng verbunden fühlen.

Einer von ihnen ist Alexandre Moreau. Er betreibt einen Weinhandel in der Stolberger Altstadt und hat hier ein neues Zuhause gefunden. Ursprünglich kommt er jedoch aus Paris. Die Nachricht über den Brand der Kathedrale hat ihn schockiert. „Ich bin traurig. Alle Menschen in Frankreich sind traurig“, sagt er am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Über verschiedene Medien habe er von dem Vorfall gehört und sich am Montagabend direkt mit seiner Familie und seinen Freunden in Verbindung gesetzt, die in Frankreich leben. Auch sie habe das Ereignis schwer getroffen.

„Notre-Dame ist ein sehr wichtiges Wahrzeichen für Frankreich“, sagt Moreau. In den sozialen Medien hat er seiner Trauer ebenfalls Ausdruck verliehen und als Symbol des Mitgefühls eine weinende Marianne – die Nationalfigur der französischen Republik – gepostet. Er hofft nun, dass sich Paris von diesem Schicksalsschlag schnell wieder erholt. „Am Montagabend haben sich viele Menschen in Paris getroffen, gebetet und gesungen. Das war eine schöne Geste“, sagt er.

Enger Austausch

Alexandre Moreau ist allerdings nicht der einzige Stolberger, der sich Frankreich tief verbunden fühlt. Durch die Partnerschaft zu gleich zwei französischen Städten ist Stolberg in engem Kontakt mit Frankreich. Dr. Stefan Schmitz, Vorsitzender des Partnerschaftskomitees Stolberg-Valognes, steht auch in diesen Tagen mit den Freunden in Frankreich in engem Austausch. Am Dienstag erst tauschte er sich mit Jean-Marie Mutte (Vorsitzende des dortigen Comité de Jumelage Valognes-Stolberg) zum Brand von Notre-Dame in Paris aus.

„Die Bestürzung hat ganz Frankreich erfasst – auch Valognes“, erklärte er auf Nachfrage unserer Zeitung. Weitere Reaktionen aus Valognes gebe es derzeit allerdings noch nicht. Mutte würde ihn allerdings auf dem Laufenden halten und darüber informieren, ob die französische Partnerstadt beispielsweise eine Spendenaktion veranstalten würde.

Und wie ist es eigentlich um die Stolberger Kirchen bestellt? Vergleichbar mit der Kathedrale Notre-Dame seien diese nicht, meint Stolbergs Feuerwehr-Chef Andreas Dovern. Denn: „Diese Dimensionen und Gebäudehöhen haben wir bei den Kirchen in Stolberg nicht. Bei unseren Kirchenhöhen wäre das mit den üblichen Einsatzkräften – also vermutlich mit einem Gesamtwehralarm – zu bekämpfen“, sagt Dovern. Und es gibt noch einen weiteren Unterschied. Die Gebäude in Stolberg sind auch nicht so alt, wie die Kathedrale in Paris.

Die ersten Kapellen, die errichtet wurden, stammen im frühesten Fall aus dem Jahr 1521. So beispielsweise in Zweifall. Diese gibt es mittlerweile allerdings schon gar nicht mehr. Die älteste Kirche im Stadtgebiet ist die Vogelsangkirche. Sie entstand im Jahr 1648 und ist damit über 300 Jahre jünger als Notre Dame. Dennoch sei die Bausubstanz der Gebäude, die sich mit heutigen Häusern nicht vergleichen lässt, eine Herausforderung, sagt Dovern. In diesen Fällen sei es wichtig, dass die Einsatzpläne so vorbereitet und erstellt würden, dass genügend Personal und Material für die Einsätze vorhanden wäre.

Die meisten Kirchen bereiten der Stolberger Feuerwehr nur wenige Sorgen. Das Wort Probleme nutzt Dovern nur ungern. Vielmehr spricht er von Herausforderungen und die gebe es im Stadtgebiet vermehrt – beispielsweise in Gebäuden wie der Burg, der Altstadt wegen ihrer engen Bebauung allgemein oder Objekten mit erhöhter Personenzahl, wie beispielsweise dem Bethlehem-Gesundheitszentrum. Aus diesem Grund verfügt die Stolberger Feuerwehr auch über Einsatzpläne dieser Einrichtungen.

„Sehr gut aufgestellt“

Ereignet sich dort ein Notfall, werden diese auch immer mit mehr Personal angefahren als vielleicht sonst gebraucht wird. Würde nämlich tatsächlich der Ernstfall eintreten und eines dieser Gebäude in Flammen stehen, kümmern sich die Einsatzkräfte zunächst um die Rettung der Personen. Dann steht die Rettung der Sach- und Kulturgüter im Fokus sowie im Anschluss die Brandbekämpfung.

Übungen auf der Stolberger Burg hätten in der Vergangenheit bereits stattgefunden. „Die Mitglieder unserer haupt- und ehrenamtlichen Wehr sind diesbezüglich sehr gut aufgestellt“, sagt Dovern. Zudem finden dort regelmäßig Begehungen statt. Die Burg sowie das Museum in der Torburg verfügen über zwei Brandmeldeanlagen. In den vergangenen fünf Jahren hätten diese die Feuerwehr allerdings nur aufgrund technischer Probleme auf den Plan gerufen. Sollte es dort tatsächlich einmal zu einem Dachstuhlbrand kommen, würde ein Innenangriff anstehen, bei dem von innen nach außen abgelöscht würde.

Funktioniere das nicht, würde man auf einen Außenangriff, beispielsweise über Wasserwerfer von der Drehleiter aus, zurückgreifen – wie in Paris. „Dort sind es Dimensionen, die wohl kaum für uns vorstellbar sind“, sagt Dovern. Allerdings weiß er, dass die Kollegen in Frankreichs Hauptstadt dafür bestens ausgebildet sind. Schließlich gelte die Pariser Feuerwehr nach den Einsatzkräften in New York weltweit als beste Feuerwehr.

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