"Stolberger Stadtteile": Spielplätze in Atsch nicht kleinkindgerecht

Zwischen Katzenkot und praller Sonne : Atscher Mütter meinen, dass Spielplätze nicht kleinkindgerecht sind

Celina Williams und ihre Familie wohnen gerne in der Atsch. Die junge Frau und ihr Nachwuchs fühlen sich in dem Ortsteil wohl. Es gibt allerdings ein Problem: In Sachen Familienfreundlichkeit gebe es noch Einiges zu verbessern.

„Wir würden gerne mehr mit unseren Kindern unternehmen, aber wir fragen uns oft, was wir machen können. Leider sind die Möglichkeiten in Stolberg schnell ausgeschöpft. Meistens fahren wir dann nach Aachen oder Eschweiler, weil es dort mehr Alternativen gibt“, sagt Williams. In welchem Punkt sich ihrer Meinung nach dringend etwas tun muss? „Es sollte mehr Möglichkeiten für Kleinkinder geben“, sagt sie

Mit ihren Kindern, die zwei Jahre und fünf Monate alt sind, lebt Celina Williams in der Straße „Im Hirschfeld“. Kinder in dem Alter ihres Nachwuchses gebe es dort reichlich und die Eltern würden sich auch regelmäßig austauschen. Einig seien sie sich in folgendem Punkt: „Wir würden uns gepflegte, kleinkindergerechte und eingezäunte Spielplätze wünschen.“ Eine neue Anlage müsse keineswegs her, vielmehr wäre es schön, wenn die bereits vorhandenen Anlagen ein wenig optimiert werden würden.

Und wie könnte das aussehen? Nehmen wir den Spielplatz in der Straße „Im Hirschfeld“ als erstes Beispiel. „Dieser Spielplatz ist einfach ungünstig. Das Klettergerüst wird kaum genutzt, auf der Tischtennisplatte sitzen meist Jugendliche mit ihrem Handy und die Rutsche ist mit ihren drei Öffnungen nicht sicher, sondern gefährlich“, sagt Williams, die jeden Tag mit ihren Kindern den Spielplatz aufsucht.

Sandkasten voller Unkraut und Katzenkot

Hinzu komme, dass der Sandkasten an der Rutsche auch sehr oft verdreckt und voller Unkraut und Katzenkot sei. Der zweite vorhandene Sandkasten mit weißem und feinem Sand sei da schon deutlich schöner und würde auch öfter genutzt werden, wenn dieser nicht in der Sonne liegen würde. „Zwischen 12 und 18 Uhr kann man dort kein Kind reinsetzen. Man hat also die Wahl: Entweder entscheidet man sich für die Sonne oder für den Dreck“, sagt Williams. Einen positiven Aspekt gebe es allerdings auch. Seit rund einem Jahr ist auf dem Spielplatz nämlich eine Babyschaukel vorhanden.

Im vergangenen Jahr fragten die Mütter beim Stolberger Jugendamt nach und drei Wochen später wurde ihnen dieser Wunsch erfüllt. Da das Gerät allerdings bei Kindern und Eltern sehr gut ankomme, sei es nahezu den ganzen Tag belegt. Wer ausweichen möchte, kann dies tun. Auf dem Spielplatz an der Nordstraße gibt es ebenfalls ein solches Spielgerät. Das Problem dort: „Die Babyschaukel ist mitten in der Sonne platziert. Ein Sonnensegel dort oder auch über dem Sandkasten auf dem Spielplatz „Im Hirschfeld“ würde vollkommen reichen“, sagt Williams.

Die junge Frau und ihre Mitstreiterinnen haben auch noch Ideen für weitere Geräte, die auch für Kleinkinder geeignet sind. Darunter: ein kleines Häuschen mit einem Seilzug für den Sand, Wipptiere oder ein Klettergerüst auf dem auch die Kleinen eigenständig spielen können. „Auf der Strecke vom Hirschfeld bis zur Altstadt gibt es bis auf die beiden Babyschaukeln auf keinem Spielplatz kleinkindergerechte Spielgeräte, die Geräte sind alle erst ab drei Jahren oder älter benutzbar“, sagt Williams. Was die junge Frau darüber hinaus auch stört: Oft seien die Spielplätze nicht richtig eingezäunt. Das sei zwar an der Norstraße der Fall, dort könne man den Nachwuchs durch den vorhandenen Hügel allerdings nicht im Bick behalten.

Auf dem Spielplatz an der Nordstraße/Ecke Sebastianusstraße gibt es ebenfalls eine Babyschaukel - allerdings ist das Spielgerät mitten in der Sonne platziert. Foto: ZVA/Sonja Essers

Und auf dem Spielplatz „Im Hirschfeld“ gebe es Probleme mit dem Holzzaun. Dieser sei nämlich an den beiden Eingängen offen. „Wenn ich mit meinen Kindern auf dem Spielplatz bin und meine Tochter gerade stille, mein Sohn aber mit dem Ball spielt und dem hinterherläuft, weil er gerade auf die Straße rollt, muss man schon schnell sein. Wir haben schon einige brenzlige Situationen erlebt“, sagt Williams.

Ihr Vorschlag: Entweder der Spielplatz sollte komplett eingezäunt sein, mit einem Türchen, damit die Kinder nicht einfach rauslaufen können oder man sollte verkehrsberuhigende Erhebungen auf der Straße einrichten, damit dort nicht mehr so gerast werden kann.

Raserei sei in der Atsch ein Thema für sich. Im Rahmen unserer Serie „Wie familienfreundlich ist Stolberg?“ erreichten uns auch etliche Zuschriften zum Zustand der Straßen und zur häufigen Raserei. „Besonders die Friedhofstraße ist ein Erlebnis. Wenn ich zum Friedhof fahre, habe ich immer Angst um meine Achsen“, schreibt uns ein Leser. Weitere Leser berichten, dass auf der Würselener Straße und der Sebastianusstraße regelmäßig gerast werde. Vor allem die Sebastianusstraße sei teilweise ein „Graus für die Anwohner“, berichtet eine Leserin. „Der LKW-Verkehr nimmt täglich zu und ist, abgesehen von der Lärmbelästigung, immer mehr ein Ärgernis. Diese Straße ist für diese Belastung gar nicht ausgelegt und nimmt immer schneller erheblichen Schaden, getan wird nichts. Erschütterungen sind in den Häusern zu spüren“, schreibt sie.

Schlechte Busverbindungen

Erfahrungen mit Rasern kann auch Celina Williams bestätigen. Auch sie ist von der Raserei und dem Zustand einiger Straßen alles andere als angetan. „Auf der Friedhofstraße ist es so schlimm, dass man mit Kinderwagen gar nicht auf dem Bürgersteig gehen kann. Dann muss ich mit meinen Kindern auf der Straße laufen. Das ist nicht angenehm“, sagt sie.

Zu Fuß sind Celina Williams und ihre Kinder öfter einmal unterwegs und das liege an den schlechten Busverbindungen von der Atsch in die Stolberger Innenstadt. In der Woche fahre der Bus bis 13 Uhr stündlich, danach komme jede halbe Stunde eine Linie. Am Wochenende sehe es deutlich schlechter aus. Ab Samstagnachmittag und auch am Sonntag komme der Bus nur alle zwei Stunden. Fahre Williams am Samstagnachmittag zum Einkaufen in die Stadt müsse sie viel Zeit überbrücken.

Zeit, die im Sommer und bei gutem Wetter leicht überbrückt werden könne. Im Winter oder bei Regen sehe es allerdings schon anders aus. „Wenn es regnet, sind die Angebote einfach beschränkt. Es muss ja keinen beheizten Raum geben, aber eine überdachte Sitzgelegenheit wäre schon schön. Man kann ja auch nicht immer in ein Café oder ein Restaurant gehen“, sagt die junge Frau.

Zumindest in Sachen Spielplatz scheint sich in der Atsch etwas zu tun. Ihre Ideen haben die Mütter bereits an das Stolberger Jugendamt weitergeleitet. Dort sei man sehr freundlich und kooperativ. „Man hat uns dort gesagt, dass es wichtig wäre, dass die Kinder sich auf den Spielplätzen wohlfühlen. Vielleicht kann man ja doch noch den einen oder anderen Wunsch erfüllen. Das wäre toll“, so Williams.

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