Stolberg: Stolberger Schulen sollen ein Medienkonzept entwickeln

Stolberg : Stolberger Schulen sollen ein Medienkonzept entwickeln

Von seinem Notebook aus aktiviert Sebastian Strauch den Beamer. In Windeseile erscheint auf dem weißen Tafel-Hintergrund ein buntes Sommerbild. Abwechselnd kommen die Schüler nach vorne und markieren auf dem Touchscreen, welche Aktivitäten darauf zu sehen sind. Haben sie eine Tätigkeit gefunden, konjugieren sie das entsprechende Verb.

Was klingt, wie Unterricht der Zukunft, ist in der Grundschule an der Hermannstraße längst Alltag geworden. In einem Medienkonzept haben Schulleitung und eine Fachgruppe, bestehend aus einigen Lehrern, festgehalten, wie moderne Medien in den Unterricht integriert werden können und wie Kinder den richtigen Umgang mit ihnen erlernen.

Diesem Vorbild sollen nun alle Stolberger Schulen folgen. Neben der Grundschule Hermannstraße haben mittlerweile auch das Ritzefeld- und Goethe-Gymnasium sowie die Kupferstädter Gesamtschule und die Städtische Gesamtschule Auf der Liester ihre Konzepte bei der Stolberger Verwaltung eingereicht. Bis zu den Sommerferien sollen die weiteren Schulen folgen, sagte Stolbergs Schuldezernent Robert Voigtsberger am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung.

Dass dies keine einfache Aufgabe ist, weiß Renate Krickel. Obwohl sich die Schulleiterin der Hermannschule und ihre Kollegen bereits vor drei Jahren in Sachen Medienentwicklungskonzept auf den Weg gemacht haben, meint Krickel: „Wir stehen noch ganz am Anfang.“

Noch bevor das Wort Medienkonzept in aller Munde war, setzte sich Krickel mit dem Thema auseinander. Bereits als Referendarin wickelte sie in den 1990er Jahren die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts auf dem Computer ab. „Der Komplex Schule war für mich immer mit dem Arbeit am PC verbunden“, sagt Krickel. Sie weiß allerdings auch, dass das Thema nicht bei allen Kollegen auf große Zustimmung stößt. Doch der Alltag zeige, dass das Thema Medienkompetenz auch bei Grundschülern eine wichtige Rolle spiele. „Wir müssen uns öffnen und uns dem stellen, was auf uns zukommt. Es kann nicht sein, dass Grundschüler uns im Umgang mit Medien überholen. Es ist also die Frage, ob wir das hinnehmen oder es für den Unterricht nutzen wollen“, sagt Krickel. Sie und ihre Kollegen legten allerdings von Beginn an viel Wert darauf, dass ihre Schüler auch lernen, wie man mit Computern, Tablets & Co. richtig umgeht. „Die Kinder können zwar Filme auf ihrem Smartphone drehen. Wenn es aber an das Speichern und Wiederfinden von Texten ging, sah das schon anders aus“, so die Schulleiterin.

Interaktive Tafeln

2008 wurde an der Grundschule ein Computerraum eingerichtet. Dieser haber sich allerdings nicht bewährt, meint Krickel. „In der Grundschule braucht man keinen Fachraum. Unser Computerraum wird nur im Kurs-Prinzip künstlich genutzt“, sagt Krickel. Mittlerweile verfüge jede Klasse über drei gebrauchte Notebooks, vier Klassenräume sind zudem mit interaktiven Tafeln und Beamern ausgestattet. Eine fünfte soll folgen.

Ein Problem gebe es allerdings. Die zweite Etage des Gebäudes ist bisher noch nicht mit WLAN ausgerüstet. „Unsere digitale Infrastruktur reicht nur bis zur ersten Etage. Wir sind auf einem guten Weg, aber kommen im Moment nicht weiter“, sagt Krickel. In Sachen Technik würde sich die Schulleiterin mehr Unterstützung von Seiten der Stadt wünschen. Sie schlägt vor das Thema digitale Infrastruktur für alle Schulen zu bündeln. Gäbe es eine Person, die sich an allen Einrichtungen um die Umsetzung kümmern würde, hätte man den Schulen damit viel Arbeit abgenommen, sagt Krickel.

Unterstützt wurden die Lehrer der Hermannschule bei der Entwicklung ihres Konzepts übrigens vom Euregionalen Medienzentrum Aachen, das von Lara Langfort-Riepe geleitet wird. Ein wichtiger Schwerpunkt, den die Pädagogen dort unter anderem lernten: die Anwendung im Unterricht. „Wenn ein Medienkonzept nicht im normalen Unterricht mitschwingt, ist es Quatsch“, bringt Krickel es auf den Punkt.

Das Konzept der Hermannschule besteht momentan aus neun Bausteinen und ist in einer Präsentation zusammengefasst. Doch auch wenn Renate Krickel und ihre Mitstreiter den ersten Schritt bereits gemacht haben, bedeutet das nicht, dass sie ihr Konzept in Zukunft nicht weiter ausarbeiten werden. „Es muss sich noch viel entwickeln und wir arbeiten weiterhin gezielt daran“, sagt Krickel.

Dass die Grundschule Hermannsstarße mit ihrem Konzept auf dem richtigen Weg ist, zeigt folgende Entwicklung: Am Freitag, 8. Juni, fällt der offizielle Startschuss für die Bildungspartnerschaft zwischen der Grundschule und dem Euregionalen Medienzentrum Aachen, verriet Renate Krickel.

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