Stolberg: Stolberger Marketing-Unternehmen wird 20 Jahre alt

Stolberg: Stolberger Marketing-Unternehmen wird 20 Jahre alt

Im Grunde wäre jetzt die Zeit gekommen, sich ein wenig zurück zu lehnen und die vergangenen 20 Jahre einmal Revue passieren zu lassen, doch Ria Bosserhoff hat andere Dinge im Kopf, als über alte Zeiten zu plaudern: „Ich beschäftige mich nicht mit Rückblicken, sondern schaue nach vorne.”

Nun ist das mit dem Nach-Vorne-Schauen so eine Sache, denn wenn Ende des Monats das Stolberger Marketing-Unternehmen Wibo seinen 20. Geburtstag feiert, dann stellt sich fast zwangsläufig die Frage: Wie haben die sich eigentlich so lange gehalten? Bosserhoff, die Leiterin des an der Von-Werner-Straße beheimateten Unternehmens, findet auf diese Frage eine ganz eigene Antwort: „Wir freuen uns, dass wir immer noch wissen, wo vorne ist und wir uns in den vergangenen 20 Jahren nicht selbst überholt haben.” Aha.

Veränderung in der Branche

Was Bosserhoff meint: Es gibt nicht allzu viele Branchen, die sich innerhalb von zwei Jahrzehnten so rasant entwickelt, ja von Grund auf geändert, haben wie die Werbebranche. Wibo ist spezialisiert auf mittelständische Technologie-Unternehmen.

Bosserhoff sagt, dass eine Werbeagentur aus den 90ern heute im Grunde schon als „alt” gelte. Wibo aber habe sich dem Trend der Zeit angepasst: „Früher wurde ein bestimmtes Produkt beworben und das war es dann. Mit allgemeiner Werbung können wir jetzt niemanden mehr erreichen. Die Kunden unserer Kunden erwarten Antworten auf konkrete Fragen.”

Wibo sieht sich selbst als „Zwitter zwischen Werbeagentur und Unternehmensberatung”, sagt die 48-jährige Leiterin. Bosserhoff sammelte Anfang der 90er Jahre in einem Aachener Maschinenbaubetrieb erste Erfahrungen im Marketingbereich und im Vertrieb. „Eigentlich wollte ich immer Pressesprecher werden.” Was sie aber stattdessen tat, war 1992 Wibo ins Leben zu rufen. „Ich hatte die Wahl”, blickt sie zurück. „Ich hätte dort bleiben können, aber bei einem mittelständischen Unternehmen bist du mit der Kreativität irgendwann am Ende. Du kannst das Rad nicht immer neu erfinden. Also habe ich beschlossen, selbst Unternehmen beratend zur Seite zu stehen.”

Und genau das hat in den vergangenen 20 Jahren anscheinend ausgesprochen gut geklappt. Wibo verfügt heute über einen Stamm von neun festen Mitarbeitern, worunter fast jeder sein eigenes Spezialgebiet hat, Grafikdesigner, sogenannte Art Direktoren und Internet-Spezialisten, an der Von-Werner-Straße laufen alle Fäden zusammen. Deutschlandweit verfügt Wibo über einen ansehnlichen Kundenpool von mittelständischen Unternehmen, „die meisten begleiten wir schon seit Jahren”, sagt Ria Bosserhoff. Vor Ort, von Stolberg aus, „im multimedialen Zeitalter muss man ja nicht ständig im Unternehmen vorstellig werden.”

Doch was heißt eigentlich Marketingstrategien für Unternehmen entwerfen? „Das Ganze ist ein Prozess, der nicht innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen ist”, mahnt die Wibo-Leiterin zur langfristigen Planung und zur Geduld. „Zunächst steht die Analyse des Ist-Zustandes eines Betriebs an, wir schauen uns Prozesse in Unternehmen an, um welches Produkt es geht. Wir reden mit deren Kunden - und erst dann kann ein theoretisches Markenprofil und später die Umsetzung in Angriff genommen werden.”

Wenn Unternehmen mit Sprüchen wie „Qualität durch Kompetenz” oder „Tradition und Innovation” werben, dann kann Bosserhoff nur müde lächeln. „Das ist nicht differenziert genug, nicht wirklich mit Inhalt gefüllt. Der Vorsprung mit einem bestimmten Produkt muss woanders herkommen - und dafür sind wir da.”

Und dann sagt die Frau, die sich 1993 in Sichtweite zum Rathaus niederließ, noch etwas: „Wir setzen uns nur für den Nutzen der Kunden ein, es geht nicht um Kreativität um ihrer selbst willen.”

Ausstellung und Feier zum runden Geburtstag

Seinen runden Geburtstag feiert Wibo am Donnerstag, 28. Juni, ab 15 Uhr im Museum Zinkhütter Hof an der Cockerillstraße. Neben einigen Vorträgen prägt vor allem die Ausstellung „Wandel in der Technologiekommunikation” den Mittelpunkt der Feierlichkeiten.

Erste Handys, Smartphones, Laptops werden ebenso gezeigt wie Digitalkamers aus den 90er Jahren und frühe Fachliteratur. Der Eintritt ist frei.

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