Stolberg: Stolberger geben immer weniger Geld in ihrer Stadt aus

Stolberg: Stolberger geben immer weniger Geld in ihrer Stadt aus

Die Stolberger geben immer weniger Geld aus in ihrer Stadt. Überdurchschnittliche Umsatzeinbußen verzeichnen die Einzelhändler in der Kupferstadt bezogen auf die Kaufkraft ihrer Bewohner.

Bei einem Umsatzrückgang pro Kopf von heute 8,4 Prozent im Vergleich zu 2001 liegt Stolberg deutlich über dem Bundesdurchschnitt mit einem Minus von 18,4 Prozent.

Dies geht aus einer Auswertung der Industrie- und Handelskammer Aachen hervor, die auf Erhebungen und Befragungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) basiert. Laut GfK verfügten die Stolberger im Jahr 2001 über eine Kaufkraft von insgesamt 317,3 Millionen Euro, dies bedeutet, dass jeder Stolberger statistisch gesehen über eine Kaufkraft von 5416 Euro im Jahr verfügte. Aus dieser Summe schöpfte der Einzelhandel vor Ort einen Umsatz von insgesamt 201,4 Millionen Euro bzw. 3438 Euro pro Kopf.

Die Zahlen für das laufende Jahr verzeichnen einen deutlichen Rückgang an finanziellem Potenzial. Die IHK gibt für 2010 die Kaufkraft mit 293,7 Millionen Euro an, was pro Kopf 5058 Euro und einen Rückgang von 6,6 Prozent bedeutet. Damit entspricht die Kaufkraft jedes Stolbergers dem deutschen Durchschnitt, jedoch sank diese bundesweit um 6,3 Prozent von 5433 (insg. 446 Milliarden) auf 5088 (insg. 417 Milliarden) Euro.

Allerdings lässt der Bundesbürger deutlich mehr Geld in seiner Heimatstadt als ein Stolberger in diesem Jahr: Insgesamt 388 Milliarden Euro oder pro Kopf 4733 Euro, was einem Minus von lediglich 8,4 Prozent im Vergleich zu 2001 entspricht, als noch 424 Milliarden bzw. 5165 Euro vor Ort im Einzelhandel ausgegeben wurden.

In der Kupferstadt ist die Entwicklung deutlich zurückhaltender: Machten die Stolberger noch 2001 einen Umsatz von 201,4 Millionen Euro, was pro Kopf 3488 Euro entspricht, verbleiben in diesem Jahr nur 2807 oder stadtweit 163 Millionen Euro.

Ursachen hat die IHK nicht ermittelt. Allerdings verweist Fachreferent Nils Jagnow auf eine zunehmende Konkurrenz für den Einzelhandel durch Internet- und Versandhandel, rückläufige Einkommen sowie die Sparquote. Erkenntnisse oder Zahlen, in wie weit diese Alternativen die Umsatzentwicklung im Stolberger Einzelhandel betreffen, liegen aktuell jedoch nicht vor.

In dem Gutachten zum Einzelhandelskonzept, das die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) im Auftrag der Stadt im Vorfeld der Ansiedlung von Kaufland und Burg-Center in Auftrag gab, wird im Jahr 2004 ein Umsatz von 170,9 Millionen Euro und eine Kaufkraft von 289,8 Millionen Euro für Stolberg angegeben. Die von der GMA ermittelten Zahlen basierten in erste Linie auf Befragungen. Die GMA ermittelte für 2004 eine Kaufkraftbindung von rund 59 Prozent.

44 Prozent Kaufkraftabfluss

Basierend auf den IHK-Zahlen ergibt sich für 2001 eine Kaufkraftbindung von etwa 63,5 Prozent, sowie für dieses Jahr von knapp 56 Prozent. Das bedeutet, dass der Abfluss von Kaufkraft aus der Kupferstadt weiter zugenommen hat und aktuell bei 44 Prozent liegt. Dass „ein Flächenwachstum nicht zu mehr Umsatz führt”, so IHK-Handelsexperte Reinhard Bey, wird auch durch die Zahlen in Stolberg bestätigt. Trotz des zunehmenden Leerstands von Ladenlokalen nicht nur in der Innenstadt stieg die Verkaufsfläche in den letzten Jahren an. Bey: „Der Konkurrenzkampf im Einzelhandel hat sich in den letzten Jahren weiter verschärft”.

2005 registrierte die IHK basierend auf Zahlen der Städteregion 326 Betriebe mit 56427m2 Verkaufsfläche. Für 2009 sind 66182m2 in 333 Betrieben gelistet. Das Plus von 9755m2 ist im Wesentlichen auf die Ansiedlung von Kaufland und Burg-Center zurückzuführen. Von der Gesamtfläche entfielen 3300m2 Verkaufsfläche auf 45 Betriebe in Gressenich, 6680m2 auf 43 Einzelhändler in Breinig, 230m2 auf fünf Geschäfte in Zweifall sowie 27047m2 auf 90 Betriebe im übrigen Stadtgebiet.