Stolberg: Stolberger Feuerwehr will Personalmangel löschen

Stolberg: Stolberger Feuerwehr will Personalmangel löschen

Die Stimmung ist eher gedämpft im Gerätehaus an der Leuwstraße, denn die Löschgruppe Vicht hatte zu einem Informationsabend eingeladen, um bestenfalls auch neue Mitglieder zu gewinnen. Doch niemand kommt der Einladung nach. „Wir bestehen nur noch aus acht Aktiven, von denen keiner jünger als 30 Jahre ist”, sorgt sich Löschgruppenführer Michael Küther um die Zukunft.

„Wir retten Leben und Sachwerte, daher bringt die Freiwillige Feuerwehr uns allen Sicherheit.” Die Vichter genießen „aber auch eine schöne Kameradschaft”. Wanderungen, Radtouren, Grill- und Fußballabende sowie die aktive Teilnahme am Dorfgeschehen prägen den geselligen Teil.

18 Freiwillige zählte die Gruppe einst, jetzt sind es acht mit rückläufiger Tendenz, und Küther fürchtet, dass sich das Ende der Wehrpflicht nun erst recht negativ auswirken werde: „Für das ehrenamtliche Engagement bei der Feuerwehr gibt es einen Anreiz weniger, denn der Ersatzdienst als Alternative zu Bundeswehr und Zivildienst wird nicht mehr benötigt”, glaubt Küther, dass diese Entwicklung die Wehren hart treffen wird.

Nicht ganz so skeptisch ist Stadtbrandinspektor Toni Sturz: „Von den 230 freiwilligen Feuerwehrleuten Stolbergs waren maximal 60 von der Wehrpflicht freigestellt.

50 von ihnen waren jedoch schon seit Jahren in der Jugendfeuerwehr aktiv und währen wahrscheinlich ohnehin in den Erwachsenenbereich übergewechselt”, sagt Sturz und sieht in Stolberg den Brandschutz derzeit gewährleistet; ob dies auf Dauer so bleibt, sei aber nur schwer zu prognostizieren.

Innerhalb der Löschgruppen kommt es immer wieder zu personellen Schwankungen. Die auf acht Mitglieder geschrumpfte Löschgruppe Mitte zählt heute wieder 19 Aktive.

Weniger die Anzahl der Aktiven bereitet dem Stadtbrandinspektor Sorgen als ihre Verfügbarkeit: „Viele Feuerwehrleute arbeiten nicht mehr in der Nähe ihres Wohnorts”, analysiert Sturz: „Und wenn, haben sie oft Skrupel, für einen Einsatz ihren Arbeitsplatz zu verlassen.”

Arbeitgeber seien zwar gesetzlich verpflichtet, dies zu ermöglichen, und auch der Lohnausfall wird erstattet, doch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sorgten sich viele Freiwilligen um einen sicheren Arbeitsplatz.

Sturz appelliert an die Arbeitgeber, die Einsatzbereitschaft der freiwilligen Helfer zu unterstützen. „Schließlich kann es auch in der eigenen Firma einmal brennen. Dann ist jeder Chef froh, einen Feuerwehrmann im Betrieb zu haben, der sofort weiß, was zu tun ist.”

Alarmiert werden die Freiwilligen ohnehin nur dann, wenn ihre Einsatzstärke benötigt werde und auch die Anzahl der Fehlalarme habe sich enorm verringert, beschreibt Sturz: „Wenn heute ein Freiwilliger seinen Arbeitsplatz verlässt, um zu einem Einsatz zu fahren, dann brennt es auch wirklich.”

Wären vor zwei Jahrzehnten schnell gut 100 freiwillige Feuerwehrleute abkömmlich gewesen, so stehen in Stolberg derzeit tagsüber vielleicht 15 zur Verfügung, bedauert Sturz: „Das ist auch der Grund, warum bei verhältnismäßig kleinen Einsätzen manchmal sechs Einsatzfahrzeuge in einer Straße stehen”.

Wenn Löschgruppen mit nur zwei oder drei Aktiven anrücken, müssen vier Gruppen alarmiert werden, um die erforderliche Einsatzstärke zu erlangen.

Dieser Problematik will Toni Sturz durch eine Vergrößerung der Freiwilligen Feuerwehr in Stolberg entgegenwirken: „Wir brauchen die Kollegen nicht nur bei Großeinsätzen, sondern sie sind in Außenbezirken wie Gressenich, Schevenhütte und Venwegen viel schneller vor Ort”, als es die Kräfte von der Hauptwache sein können, wo 50 hauptamtliche Feuerwehrleute Schichtdienst leisten.

Eine Basis für die Zukunft bildet bereits die Jugendfeuerwehr mit heute etwa 80 Mitgliedern im Alter von 10 bis 18 Jahren, rund ein Drittel davon ist weiblich.