Tour in die Partnerstadt: Stolberger Delegation reisen nach Stolberg im Harz

Tour in die Partnerstadt : Stolberger Delegation reisen nach Stolberg im Harz

Schon 1990 wurde zum ersten Mal mit einer großen Stolberger Delegation die gleichnamige Partnerstadt im Harz angesteuert. So hatten sich auch diesmal wieder 140 Rheinländer unter der Leitung des „Freundeskreises Stolberg-Harz" auf den Weg gemacht, um in der Harzer Partnerstadt den Tag der Deutschen Einheit zu begehen.

Das umfangreiche Programm, das neben einem Festakt auch aus einer Pflanzaktion, mehreren Konzerten sowie einer Tagesfahrt nach Goslar bestand, hatten die Sprecher des Freundeskreises Hubert Meeßen und Willi Engels vorbereitet.

Wie bereits berichtet hatte der Auftakt der Reise aus einem Festakt in der dortigen Martini-Kirche bestanden. Bemerkenswert waren die Redebeiträge von Stolbergs stellvertretender Bürgermeisterin, Karina Wahlen, und dem Innenminister des Landes Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht. Ohne sich abgesprochen zu haben, hatten Stahlknecht und Wahlen die derzeitige gesellschaftspolitische Situation in den Mittelpunkt ihrer Ansprachen gerückt. So betonte Wahlen, dass mit den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen sowie den Vorfällen in Chemnitz „etwas aus dem Ruder“ gelaufen sei und die „Hinwendung zum rechten Spektrum“ keine Lösung bedeute.

Auf die Verhältnisse in der ehemaligen DDR kam Stahlknecht zu sprechen. Er versicherte, dass die Freiheit in Ostdeutschland schon am 30. Januar 1933 verloren gegangen sei. Schließlich sei damals durch die Übergabe der Macht an Adolf Hitler die erste Demokratie auf deutschen Boden (Weimarer Republik) zerstört worden. Für die Ostdeutschen habe das rund 56 Jahre in Unfreiheit bedeutet.

Anschließend überreichte Stahlknecht dem 92-jährigen Stolberg-Harzer Gästeführer Reinhold Siebold die Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt. Die „Martini-Kirche“ wurde im 12. Jahrhundert errichtet. Ihre Anfänge gehen auf einen romanischen Bau zurück, der im späten 15. Jahrhundert gotisch umgestaltet wurde. Danach sorgte der Stolberger Musikzug unter der Leitung von Karl Schäfer, der bereits die Feier in dem alten Gotteshaus musikalisch mitgestaltet hatte, für ein abwechslungsreiches Konzert im Saal des Hotels Kanzler. Unterstützt wurde der Musikzug dabei vom Gemischten Chor und dem Folkloreensemble der Harzer Partnerstadt. Sie brachten begleitet vom Musikzug die Stolberger Traditionslieder „Stolberg, mein Stolberg“ sowie „Der Hammerschmied“ zu Gehör. Der dreistöckige Fachwerkbau „Zum Kanzler“ ist vermutlich im frühen 18. Jahrhundert entstanden. Als Hotel Kanzel wird er nach einem Umbau im Jahre 1852 geführt. Bevor am nächsten Tag der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr abermals per Konzert sein musikalisches Können präsentierte, fand im „Harzgarten“ eine Pflanzaktion statt. Ganz im Sinne des Klimaschutzes wurden im Harzgarten rund 50 neue Bäumchen gepflanzt. Die aus Eschen, Ahorn, Eichen und Buchen bestehenden heimischen Setzlinge wurden unter der fachkundigen Anleitung von Förster Michael Kienzl in den Boden gebracht. Dabei nahmen auch die hiesigen Stolberger Hacke und Schaufel zur Hand, um in den Waldboden Löcher zur Aufnahme der Setzlinge zu graben und die Bäumchen anschließend mit der Gießkanne zu bewässern.

Der Harzgarten ist Mitte der 1930er Jahre entstanden. Ein am Stolberger Fürstenhof angestellter Gärtner hatte auf Gemeindegrund in einem Hanggelände ein parkähnliches Terrain angelegt, das er damals mit harztypischen Pflanzen und Bäumen ausstattete. Abschluss dieses Tages war eine Vorführung des „Anders-Welt-Theaters“ aus Stolberg-Harz. Das Duo Christiane und Mario Jantosch boten dem begeisterten Publikum unter anderem Anekdoten und Liedern von Heinz Erhardt, Reinhard Mey und den Puhdys sowie gaben Alltagsgeschichten und politische Gegebenheiten aus der ehemaligen DDR zum Besten.

Durch die Harzlandschaft ging es am nächsten Tag mit dem Bus nach Goslar, wo beispielsweise ein Besuch in der dortigen Kaiserpfalz anstand. Abschluss der mehrtägigen Reise war die Tour zum Großen Auerberg mit seinem Aussichtsturm „Josephs-Kreuz“. Dort hatte der Gastronom vom „Bergstübl“ für Erbsensuppe und Grillwürstchen gesorgt. Musikalisch untermalt mit aktuellen Songs und rheinischen Karnevalsliedern wurde das gemütliche Beisammensein von DJ Lutz. Die Programmleitung und Moderation hatte während des gesamten Aufenthaltes Ortsbürgermeister Ulrich Franke übernommen. Die Stolberger von „hüben und drüben“ bedankten sich bei Franke mit einem lang anhaltenden Applaus. Leider hatten die Harztage unter der ungünstigen Witterung gelitten. Die Folge war, dass man mit Ausnahme des Aufenthaltes auf dem Auerberg und der Tour nach Goslar, sämtliche Veranstaltungen in den trockenen und wärmeren Innenbereich verlegen musste.

(dö)
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