Stolberg: Peltzer-Werke schließen

Peltzer-Werke : Das Ende einer sehr langen Geschichte

Sie sind enttäuscht, fühlen sich im Stich gelassen und unfair behandelt. Die Mitarbeiter der Peltzer-Werke verlieren alle ihren Job, für den Großteil ist es heute der letzte Arbeitstag.

Wenn das Gericht das Insolvenzverfahren wie erwartet bestätigt, wird den Mitarbeitern in den nächsten Tagen gekündigt, erklärt Insolvenzverwalter Dr. Dirk Wegener. Einige sollen dann  freigestellt werden, wenige andere könnten noch beim Ausproduzieren letzter Aufträge mitwirken. Spätestens Mitte Dezember soll Schluss sein. „Der Betrieb kann auf keinen Fall langfristig fortgeführt werden“, so Wegener. Denn die Lage ist eindeutig: „Die Aufträge reichen nicht aus, um die Kosten des Betriebes zu decken.“

Vor drei Wochen kündigte der Insolvenzverwalter den Verfahrensbeginn an, und in dieser Zeit meldete sich kein Interessent für den Aufkauf des Unternehmens. Das sei nicht wunderlich: „Der Betrieb befindet sich mittlerweile in einer derartig schlechten Verfassung. Da findet sich keiner.“ Es gebe nichts zu verkaufen, weder Anlagevermögen, noch gute Kundenbeziehungen oder andere besondere Alleinstellungsmerkmale. Mit nur noch 35 Mitarbeitern und 120.000 Euro Umsatz pro Monat seien die Peltzer-Werke außerdem zu klein, um Interesse zu wecken.

 „Die Firma ist platt“, sagt Thomas Eschfeld, Mitglied des Betriebsrates. „Sie wurde systematisch heruntergewirtschaftet.“ Das werfen einige Mitarbeiter der Peltzer-Werke ihrem Chef Hans-Josef Mertes vor. Wegen Umsatzeinbußen, Personalabbaus und nicht gezahlter Löhne und Gehälter gerieten die Peltzer-Werke in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik. Auch nachdem, der Betrieb den Weg aus der vergangenen Insolvenz im Dezember 2017 schaffte.

Um das Unternehmen zu retten, verzichtete die gesamte Belegschaft im Oktober 2017 auf 60 Prozent ihres Nettogehaltes, sagt Jannis Panou, Betriebsratsvorsitzender. „Es hat geheißen, das Unternehmen zahlt uns das Geld zurück, wenn es wieder gut läuft.“ Stattdessen habe Mertes nichts dafür getan, habe sich nur darum gekümmert, die Schulden zu beseitigen, aber nicht um den Betrieb nach vorne zu bringen. Er habe weder in Material noch in Maschinen investiert. Im Gegenteil: Wichtige Maschinen, die für das Kerngeschäft notwendig seien, wurden verkauft.

Seit 47 Jahren arbeitet Panou in dem Unternehmen, das Blechmetallwaren verarbeitet. Er hat die besten und schlechtesten Zeiten der Peltzer-Werke miterlebt und bis zum Ende gehofft, dass es doch noch weitergehen könnte: „Wenn man Arbeit hat, hat man Hoffnung. Jetzt haben wir beides nicht mehr.“

Mertes selbst hat eine andere Sichtweise auf die Dinge. Dass Material fehlt, bestreitet er zwar nicht, aber das liege nicht daran, dass keines gekauft würde. Für die Fertigung eines Teiles werde auch Material benötigt, das die Firma selbst herstelle. Wenn eine Maschine kaputt ist, könne dadurch schon mal Material fehlen. Maschinen wiederum seien verkauft worden, weil sie sich wie in einem Fall zu alt und damit gefährlich oder wie in einem anderen Fall als unrentabel erwiesen.

Auf die Frage, woran die Peltzer-Werke in den vergangenen Monaten gescheitert sind, möchte der Geschäftsführer keine Antwort geben. Er betont: „Peltzer ist eine besondere Substanz. Der Weg, den wir jetzt gehen, ist der richtige.“

Viel passiert nicht mehr in den Werkhallen des Unternehmens. Noch ein paar Maschinen laufen, etwas Material liegt noch in den Regalen. Von den 35 Mitarbeitern kommen nur noch ein paar zur Arbeit, der Rest ist krankgeschrieben.

Etwa 80 Mitarbeiter hatte das Unternehmen noch im Dezember 2017 nach Abschluss des ersten Insolvenzverfahrens. Nachdem aber schon Anfang des Jahres deutlich wurde, dass die alten Schwierigkeiten der Werke sich weiter fortsetzen, dass Löhne weiterhin nicht gezahlt werden und der Gewinn ausbleibt, kündigten einige Mitarbeiter. „Wir haben jedem, der die Möglichkeit hatte, die Peltzer-Werke zu verlassen, geraten, zu gehen“, sagt Martin Peters von der IG Metall Stolberg.

„Keine langfristige Strategie“

Manch einen Mitarbeiter brachte Geschäftsführer Hans-Josef Mertes in einem Betrieb im Kreis Düren unter. „Wohl eher aus wirtschaftlichen Erwägungen. Nicht aus Verantwortungsgefühl gegenüber seinen Mitarbeitern“, kritisiert Peters. „Das wäre ein anderer Herr Mertes als der, den ich kennengelernt habe.“ Der Geschäftsführer habe nichts dafür getan, das Unternehmen wieder gesund aufzustellen, so Peters. „Ganz offensichtlich gab es keinen konkreten Plan und keine langfristige Strategie, um das Unternehmen wieder ertragskräftig zu machen. Man hätte investieren müssen, statt beim Produzieren an einer Methodik fest gehalten, die den vergangenen Jahrzehnten angehört.“ Auch Insolvenzverwalter Dirk Wegener sagt: „Die Probleme wurden nicht wirklich angegangen. Es reicht nicht, nur die Schulden wegzunehmen, wenn es strukturelle Schwachstellen gibt.“

Wie es für die 35 verbliebenen Mitarbeiter weitergeht, ist noch unklar. Manch einer habe bereits eine neue Stelle gefunden, die Mehrheit aber nicht, erklärt Peters.

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