Stolberg: Kettlebell-EM mit 300 Athleten

Kettlebell im Goethe-Gymnasium : Stolberg stemmt EM mit 300 Athleten aus 23 Nationen

23 Nationen bei Kettlebell-EM in Stolberg

An der offenen Kettlebell-Europameisterschaft in der Sporthalle des Goethe-Gymnasiums nahmen fast 300 kräftige Frauen und Männer teil. Unter den Siegern des Kraftsport-Wettbewerbs waren auch Stolberger.

Wie am Fließband ging es am Wochenende in der Sporthalle des Goethe-Gymnasiums zu. Stück für Stück riefen die Wertungsrichter die Athleten aus 23 Nationen auf ihre Plätze, und dann ging es los: In zehn Minuten galt es so oft wie möglich die Hanteln zu stoßen oder zu reißen, die der hier ausgetragenen Sportart ihre Namen geben: Die Kettlebells.

Zur offenen Europameisterschaft in der Disziplin, die besonders in Osteuropa eine große Tradition hat, trafen sich fast 300 sportliche Frauen und Männer, um ihre Fähigkeiten in den vielen Alters- und Gewichtskategorien unter Beweis zu stellen. Für ein Mitglied der Stolberger Turngemeinde war die gut besuchte Veranstaltung ein besonderes Highlight: Vadim Sichwardt, der im vergangenen Jahr Weltmeister in Lettland wurde, war das ganze Wochenende im Einsatz.

Er organisierte mit den vielen Helfern, warf als Juror ein Auge auf die Wettbewerbe, motivierte und half mit seinen Russischkenntnissen den vielen osteuropäischen Athleten – aus Russland kam immerhin die größte Fraktion unter den Sportlern. „Vor ungefähr drei Jahren mussten wir hier noch erklären, was überhaupt eine Kettlebell bedeutet“, freute sich Sichwardt über die positive Entwicklung, denn mittlerweile sind über 20 Sportler in der Kettlebell-Abteilung der Stolberger TG aktiv, von denen vier an der EM teilnahmen, dabei auch zwei Para-Lifter.

Zwar habe es das Training mit Kugelhanteln bereits im frühen 20. Jahrhundert in Deutschland gegeben, eine große Popularität als Wettkampfsport erreichte sie jedoch nicht. Grund genug, nun kräftig die Werbetrommel zu rühren: „Bei dieser Sportart können alle mitmachen“, so der Weltmeister. Die Gewichte können jederzeit entsprechend angepasst werden, „zudem werden alle Muskeln im Körper dabei trainiert“. So nahm sogar ein 82-Jähriger an der Europameisterschaft teil, der so manchen Jungspund zum Staunen brachte.

Tausendfaches Reißen und Stoßen in der Sporthalle des Göthe-Gymnasiums: Bei der Kettlebell-EM absolvierten die Athleten ihre Wettkämpfe unter den strengen Blicken der Juroren. Foto: ZVA/Christian Ebener

Von den Aufbauten am Donnerstag bis zum Schluss am Sonntagnachmittag war auch Ralph Peter Bernhard dabei. Der Vorsitzende der Stolberger Turngemeinschaft, die mit dem Bundesverband deutscher Kettlebell Sportler (BVDKS) zusammenarbeitet, ist mächtig stolz auf das, was in der Halle passierte. Bereits zur Eröffnung konnten bekannte Persönlichkeiten aus Stolberg, wie Städteregionsrat Tim Grüttemeier und die stellvertretende Bürgermeisterin Karina Wahlen, begrüßt werden, zudem sorgten die Abordnungen aus den vielen Nationen für ein buntes Bild. „Wir haben mit zahlreichen Helfern Donnerstag direkt nach Schulschluss angefangen zu arbeiten“, so Bernhard, der ein größeres Ziel bereits im Kopf hat.

Gemeinsam mit dem deutschen Verband soll Werbung bei allen teilnehmenden Nationen gemacht werden, um die Sportart bei den nationalen olympischen Komitees ins Gespräch zu bringen – verbunden mit der Hoffnung, irgendwann ins Internationale Olympische Komitee aufgenommen zu werden. Dafür nehme jeder, der für Kettlebell brenne, viel Anstrengung in Kauf. Das gilt nicht nur bei der Sportausübung, sondern ebenso in der Organisation. „Das ist natürlich viel Arbeit mit der Unterbringung und der Abstimmung. Besonders für die Iren und die osteuropäischen Nationen, die mit vielen Sportlern angereist sind“, so Bernhard.

Und die waren in der Halle gut zu hören: Wenn Athleten von der grünen Insel antraten, formierte sich sofort eine große Gruppe in knallgrün, die ordentlich anfeuerte. Richtig laut wurde es selbstverständlich, als Roger Fabeck von der Stolberger Turngemeinschaft am Freitag an die Kugelhanteln ging. Stück für Stück stemmte er die Gewichte in die Höhe, am Ende war er unter den Teilnehmern der „Last Man Standing“, auch wenn er seinen persönlichen Rekord von 81 Wiederholungen knapp verfehlte. „Das hier vor meinen Freunden und Familie zu machen, das ist einfach gigantisch“, war Fabeck total begeistert von der Atmosphäre rund um seinen Sieg.

Es sollte nicht der einzige bleiben: Auch mit der deutschen Staffel, bei der die Ergebnisse kombiniert wurden, wurde ein Sieg eingefahren, und der 53-jährige Waldemar Grinjuk beeindruckte in seiner Altersklasse mit einem weiteren Erfolg für die Stolberger. Ein Highlight war auch der Auftritt von Sichwardt, der seit 1995 in der Sportart aktiv ist. Und auch er machte eine richtig gute Figur: Ein erster Platz im Reißen und ein zweiter Platz im Stoßen bedeuteten Platz Zwei im Biathlon und viel Applaus von den Rängen.

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