Stolberg; Helmut Conrads wird 70 Jahre alt

Helmut Conrads : Unternehmer mit Weitsicht wird 70 Jahre

Zwischen „all den schönen Dingen“, die er so mag, und einer gehörigen Prise Geschäftsleben, das er nicht minder mag obwohl er schon seit Jahren bemüht ist, sich aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen, dreht sich der Alltag des Breinigers.

Er hat im Laufe seines Lebens entscheidend beigetragen, ein kleines Imperium zu schaffen, in dem sich die Mitarbeiter geborgen wie in einer Familie fühlen können, und das nicht nur Stolberger zu schätzen wissen.

Schon länger als ein Jahrzehnt hat sein 43 Jahre alter Sohn Frank als Geschäftsführer die aktive Leitung der Firmen übernommen. Aber ohne einen Menschen wie Helmut Conrads gäbe es heute wohl kaum eine Euregiobahn, die immer weitere Kreise zieht und als Eckpfeiler klimafreundlicher Mobilität gefördert und geliebt wird.

Dabei sind die drei Buchstaben EVS – für die Euregio Verkehrsschienennetz GmbH, auf deren Gleise die Regionalbahn rollt – ebenso wie BSR, VSW und in jüngerer Zeit AMS Markenzeichen einer expandierenden Firmengruppe, die in Stolberg mit weitaus mehr als Gewerbesteuer und Arbeitsplätzen in Verbindung gebracht wird.

Einige Etappen

Am 31. Oktober 1948 wird Helmut, den alle Freunde „Coco“ rufen, als Sohn des Baustoffhändlers Josef und Cornelia Conrads geboren. Er besuchte die Volksschule in Breinig, machte im Kloster Kornelimünster den Realschulabschluss, absolvierte bis 1969 eine Lehre als Autoschlosser und begann ein Ingenieurstudium im Maschinenbau. Als nach drei Semestern die Hochschule bestreikt wurde und der Lehrbetrieb brach lag, ergriff Helmut Conrads die Initiative: „Dann bin ich erst einmal beim meinem Vater Lkw gefahren.“

Die Freude ab Oldtimern erfasste ihn schon als Youngster: Helmut Conrads am Steuer seines Mercedes Cabrio im Mai 2006. Foto: Jürgen Lange

1974 kaufte er seinen ersten eigenen, 1976 den zweiten und 1978 den dritten Lastwagen. Das erste Unternehmen war entstanden. 1979 stieg er gemeinsam mit Ewald Schmitz in das Schottergeschäft ein. 1981 wurde die BSR Naturstein gegründet, 1984 die Leitung des Steinbruchs Vygen übernommen, der seit 1996 komplett zum Unternehmen gehört.

Als die Deutsche Bahn Ende der 90er Jahre mit ihren Stilllegungsplänen von Nebenstrecken auch den Gleisanschluss des Firmensitzes in der Rüst zur Disposition stellen wollte, wurde dies für Helmut Conrads zu einem weiteren Punkt des Handelns, aus dem für die Region ein europaweites Vorzeigeprojekt werden sollte. Gemeinsam mit den Geschäftspartnern Ewald Schmitz und Helmut Emden wurde die EVS gegründet und unter Beteiligung des damaligen Geschäftsführer des Aachener Verkehrsverbundes, Hans-Joachim Sistenich, die Idee zur Euregiobahn geboren. Die EVS kaufte die Nebengleise – mittlerweile sind es rund 100 Kilometer Strecke –, auf denen im Auftrag des AVV die DB mit den Talent-Triebzügen die Regionalbahn betreibt. Im Juni 2001 rollte der erste Zug von Stolberg Altstadt aus los in Richtung Heerlen. Weisweiler, Langerwehe und Alsdorf waren weitere Stationen.

Aktuell erfolgt der Ausbau nach Breinig, und eine Fortführung des Angebotes in Richtung Eupen, Baesweiler und via Würselen in die Aachener Innenstadt wird vorbereitet. Mit dem Ausbau des Schienennetz lebte der Güterverkehr auf der Schiene neu auf, der mit dem in Stolberg visionierten Euregio-Railport eine neue Dimension annehmen soll. Ohne das Engagement von Schmitz und Conrads hätte der Bahnverkehr in der Region ein solches Comeback nicht feiern können. „Ich liebe das Risiko, und ich habe immer Glück gehabt“, sagt Helmut Conrads dazu.

Ganz aktuell mit Ehefrau Hannerlore bei einem gemütlichen Abend. Foto: Frank Conrads

Dabei hat er sich natürlich nicht immer nur Freunde gemacht. Viel beschäftigt haben ihn stets persönliche Angriffe, als es beispielsweise um die Erweiterung des Steinbruches im Breiniger Heimatort ging. Helmut Conrads bevorzugt den konstruktiven Streit in der Sache und versucht über Grenzen hinaus in die Zukunft zu blicken.

So waren viele seiner Entscheidungen von Erfolg gekrönt. Mit seinen Vereinigten Schotterwerken als Gesellschafterin übernahm Conrads gemeinsam mit der Eurovia GmbH in der Rüst das vor darbende Asphaltwerk und baute es zur expandierenden Asphaltmischwerk Stolberg GmbH aus. Und auch die BSR Natursteine ziehen weitere Kreise. Die Steinbrüche Hoven bei Dorff und Blees in Kornelimünster wurden mittlerweile ebenso übernommen wie der Vertrieb der Kalkwerke in Hastenrath. Zwei berufliche Ziele, die er bei seinem Geburtstag vor zehn Jahren formulierte, hat Helmut Conrads bis dato nicht erreicht: Die Erweiterung des Steinbruchs Gressenich und die des Breiniger Abbruchgebietes über die Landesstraße 12 hinaus – was sicherlich nicht jeder bedauert.

Aber damals wie heute gilt, dass Conrads Unternehmensgruppe zu den größten Unterstützern des gesellschaftlichen Lebens in Stolberg zählt. Davon profitieren Vereine ebenso wie große Sportveranstaltungen und wohl alle namhaften kulturellen Events in der Kupferstadt. Die Verbundenheit mit den Menschen in seiner Heimat war und ist Helmut Conrads stets eine Herzensangelegenheit. Dazu zählen aber auch die schönen Dinge des Lebens, das er seit 1973 mit seiner Ehefrau Hannelore teilt.

Der Frühaufsteher liebt heute noch das Golfspiel und seine Oldtimer, während er früher auch gerne selbst am Steuerknüppel eines Flugzeuges saß. Bei all den Möglichkeiten, die das Leben Helmut Conrads bietet, so ist er doch stets auch der „Jong“ von nebenan geblieben, der sich gerne am Tresen beim Plaudern mit Freunden und Bekannten ein Feierabendgetränk gönnt.

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