Stolberg hat einen neuen Prinzen: Ecki I. begeistert in der Burg

Proklamation : Prinz Ecki I. hält die Tradition hoch

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt musste er im wahrsten Sinne des Wortes Federn lassen – was allerdings nicht weiter tragisch war, sondern vielmehr von der energiegeladenen Leidenschaft zeugte, mit der Ecki I. das Narrenvolk ab jetzt begeistert.

Es geschah nur kurz nach der Proklamation, dass der frisch inthronisierte Stolberger Karnevalsprinz Ecki I. mit seinem Hofstaat im Rittersaal eine derart mitreißende Show auf die Bühne brachte, dass es der Tollität die Prinzenmütze vom Kopf riss – samt eingangs erwähnter Federn.

Doch blitzschnell waren zahlreiche helfende Hände vom Prinzenadjutanten Reiner Hewing und aus den Reihen des Hofstaats zur Stelle, um Seiner Tollität die Mütze mit Federn und damit die Zeichen der Würde und der Ehre wieder aufzusetzen. Mit seinem Prinzenlied „Mer ston jetzt zosamme“ sorgten Ecki I. und seine Mannen für beste Stimmung im Rittersaal, zumal dem Präsidenten der Ersten Großen KG, Michael Bartz, in den Funktionen als Komponist, Textdichter und Produzent des Songs einmal mehr ein echter Kupferstädter Karnevals-Hit gelungen ist. Was auch für das Medley des Prinzen gilt, in dem wechselweise traditionelle Melodien und aktuelle Lieder die Jecken beim Proklamationsball in Wallung brachten.

Gute zweieinhalb Stunden zuvor hatte der nun amtierende närrische Regent noch als ehrbarer Bürger Eckhard Braun das Wahrzeichen der Stadt betreten und wurde in der Burg-Galerie nach altem Brauch vor geladenen Gästen bei der 83. Proklamation eines Stolberger Prinzen würdevoll inthronisiert. Tragende Rollen spielten dabei auch Ex-Tollitäten. Silberprinz Dieter III. (Lavalle) wünschte Ecki eine glückliche Session und erntete viele Lacher für seine Rede. Etwa als Dieter III. meinte: „Ecki, die Zeiten ändern sich, aber manches bleibt bestehen. Wie bei mir vor 25 Jahren sitzen wir heute bei der Prinzenproklamation – mit trockenen Kehlen.“

Das traditionell gegen null tendierende Vorkommen jedweder Getränke bei der Zeremonie wurde von mehreren Rednern thematisiert und zog sich wie ein roter Faden durch die „trockene Baustelle“. Jenen Faden griff auch der Prinzenvater, die scheidende Tollität Patrick I. (Haas) auf. Ihm bescheinigte Erste-Große-Präsident Bartz: „Mit deinem dynamischen Hofstaat, deinem Frohsinn und deiner Ausstrahlung hast du alle Jecken auf deine Seite gezogen.“ Patrick I. erklärte, den Stolberger Karneval würden seine Vielfalt sowie Heimat, Herz und Humor prägen. Er dankte allen Jecken, die ihn herzlich „durch die Säle getragen haben“, seiner Frau Anna, die ihm seine tolle Session ermöglicht habe, seinem Hofstaat, seinem Adjutanten Reiner Hewing und der Prinzengarde der Ersten Großen.

Soviel zu Heimat und Herz. Zum dritten „H“ der ex-prinzlichen Alliteration sagte Patrick I.: „Bei der Proklamation in der Burg-Galerie ist ja eher trockener Humor angesagt.“ Den neuen Prinzen Ecki I. stattete Patrick I. mit der Prinzenmütze als Zeichen der Würde aus und wünschte ihm eine ebenso großartige Regentschaft, wie er sie selbst habe genießen dürfen. Mit dem Zepter als Zeichen der jecken Macht versah die stellvertretende Bürgermeisterin Karina Wahlen Ecki I. und erinnerte daran, dass vor 20 Jahren nicht nur Getränke, sondern auch Frauen bei der Stolberger Prinzenproklamation durch Abwesenheit zu glänzen hatten.

Als die Federn an Eckis Prinzenmütze gesteckt wurden, kam es zu einer Premiere: Michael Bartz wurde von einer weiteren „Ex-Tollität“ unterstützt: Der ehemalige Stolberger Bürgermeister Tim Grüttemeier, der auch dem närrischen Kupferstädter Verwaltungs-Trifolium vorstand und jetzt die Städteregion leitet, half dabei, Ecki I. mit den Zeichen der Ehre zu schmücken – als erster Städteregionsrat überhaupt bei einer Kupferstädter Prinzenproklamation. Anschließend waltete Protocolarius Holger Schulz, Ex-Prinz Holli I., Oberehrenhut und „Stadtheld“, seines Amtes und trug die kabarettistisch anmutende Proklamationsurkunde vor.

Nach durstig überstandenen Regularien verkündete Prinz Ecki I. sein Motto „Wir halten hoch die Tradition“ und vermisste zugleich ein oder zwei Bier in der Burg-Galerie. Ecki rief das Jahr 2013 in Erinnerung, als er selbst im Lindenstraßen-Dreigestirn ein „Prinzen-Praktikum“ absolviert hat, und gleichzeitig den heutigen Stadtkommandanten Daniel Heinrichs bewunderte, der als Prinz Daniel I. die Narren der Kupferstadt regierte. Für das Stolberger Karnevalskomitee ergriff Manfred Essmajor das Wort, lobte ausdrücklich die Regentschaft von Patrick I. und wünschte Ecki „völl Pläsier“ und ein starkes Immunsystem für die Session.

„Es wird immer krasser, ich trink' schon Michaels Wasser“, scherzte Essmajor, verteidigte aber zugleich die traditionelle Form der trockenen Proklamation: „Dieses Brauchtum ist ein Stück Heimat, und wir sollten daran festhalten.“ Weitere Glückwünsche nahm Ecki I. unter anderem von Hans-Josef Bülles, Präsident des Verbands der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise VKAG, und Norbert Weiland, Präsident des Eschweiler Karnevalskomitees, entgegen, der „aus der schönsten Nachbarstadt, die man sich vorstellen kann,“ grüßte. Dann rief der neue Stolberger Prinz seinen Hofstaat in die Burg-Galerie und schmetterte dort zum ersten Mal seinen Ohrwurm „Mer ston jetzt zosamme“ – was wesentlich besser bei den Gästen ankam als der vorherige Auftritt des Kölner Duos „Herrschmitz“.

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