Stolberg: Stolberg hat die höchste Arbeitslosenquote in der Städteregion

Stolberg : Stolberg hat die höchste Arbeitslosenquote in der Städteregion

„Wir blicken auf ein Jahr mit mehr Licht als Schatten zurück. Es war ein erfolgreiches Jahr“, sagt Stefan Graaf, Geschäftsführer des Jobcenters der Städteregion Aachen. Er und sein Kollege Marcus Alt, der die Geschäftsstelle in Stolberg leitet, sind mit der Bilanz des vergangenen Jahres zufrieden. Die Wirtschaft boome und die Nachfrage nach Arbeitskräften steige — auch in Stolberg.

Dennoch gebe es für Graaf, Alt und ihre Kollegen in diesem Jahr noch einiges zu tun. Schließlich erhalten 12,1 Prozent der Menschen in der Kupferstadt existenzsichernde Leistungen, die Arbeitslosenquote liegt bei insgesamt 8,8 Prozent und ist damit die Höchste in der gesamten Städteregion. „Die Anzahl an Menschen, die wir betreuen, ist schon eine Hausnummer“, sagt Graaf.

Höchster Stand seit Jahren

In Zahlen ausgedrückt bedeutet das Folgendes: Ende 2016 gab es 14040 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Stolberg. „Das ist der höchste Stand, den wir seit vielen Jahren in Stolberg hatten“, sagt Marcus Alt. Ende 2015 waren es 13659. Im Jahr 2012 waren es insgesamt 13818. 3426 SGB-II-Bedarfsgemeinschaften — also Familien, die vom Jobcenter betreut werden — gab es im September des vergangenen Jahres in Stolberg.

Aktuellere Zahlen dazu gibt es derzeit nicht. 1700 Menschen davon leben alleine, 636 sind alleinerziehend, 410 sind Paare ohne Kinder, zudem gibt es 595 Familien. Insgesamt wurden 7012 Menschen zwischen 0 und 65 Jahren betreut. Es sei eine besonders wichtige Aufgabe, die Leistungen geräuschlos und professionell an die Familien weiterzuvermitteln. Würde das Geld nicht pünktlich auf das Konto der Kunden überwiesen, wäre das für zahlreiche Familien eine Katastrophe, sagt Stefan Graaf.

Und wie sieht es mit der Entwicklung der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten aus? Im September 2017 fielen darunter 4786 Menschen. Arbeitslose erwerbsfähige Leistungsberechtigte gab es 2034. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren — im September 2016 waren es 2039 Mensch und im September 2015 waren es 2135 Menschen — gab es eine leicht rückläufige Tendenz.

Konstant hält sich hingegen die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Stolberg, stellen Graaf und Alt fest. Lebten im September 2015 1094 Langzeitarbeitslose in Stolberg, so waren es im September 2016 insgesamt 1087 und im September 2017 wiederum 1096 Menschen. Dazu gehören allerdings nicht nur ältere oder gesundheitlich beeinträchtigte Menschen.

Oft sei es allerdings schwierig, Langzeitarbeitslose wieder für einen Beruf zu aktivieren. „Wir sprechen da beispielsweise von dem Schaffen einer Tagesstruktur, zu der unter anderem auch gehört, dass man pünktlich ist“, schildert Alt das Problem.

Arbeit finanzieren

Aus diesem Grund habe man sich für das Jahr 2018 die Reduzierung von Langzeitarbeitslosigkeit des Langzeitleistungsbezugs und der generationenübergreifenden Arbeitslosigkeit als Ziel gesetzt. Nicht selten beobachten Graaf und Alt, dass ganze Familien von staatlichen Leistungen leben. Doch so weit soll es erst gar nicht kommen. „Es ist besser in die Arbeit, anstatt in die Arbeitslosigkeit zu finanzieren“, sagt Graaf und fügt hinzu: „Dauerhaft arbeitslos zu sein macht krank und vererbt sich. Unser Ziel ist es, dagegen zu steuern.“

Voraussichtlich im April dieses Jahres soll ein Förderzentrum entstehen, in dem die Kunden des Jobcenters herausfinden können, wo ihre Stärken liegen und in welchen Berufen sie diese einsetzen können. „Wir wollen auch mehr auf die Arbeitgeber zugehen. Mittlerweile probieren wir schon Coaching-Ansätze aus und sprechen zum Beispiel in Gruppen an, was eine gute Bewerbung ausmacht. Das klappt gut“, meint Alt.

Auch Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung sollen von dem Förderzentrum profitieren. „Wir wollen innovativ über den Tellerrand schauen“, sagt Graaf. Ob dieses Förderzentrum in Eschweiler oder Stolberg entstehen soll, stehe derzeit allerdings noch nicht fest.

Fest steht allerdings, dass es im September 2017 in Stolberg 557 Arbeitslose ohne abgeschlossene Schulausbildung gab. Das macht insgesamt 27,5 Prozent. Zudem wurden 1425 SGB-II-Arbeitslose — also 70,3 Prozent — ohne abgeschlossene Berufsausbildung registriert. Dennoch konnten im vergangenen Jahr rund 1000 Menschen aus dem Jobcenter heraus in eine Arbeit vermittelt werden. Dazu zählen nicht diejenigen, die sich selbstständig gemacht oder einen Minijob erhalten haben. „Darauf sind wir stolz und danken auch den Unternehmen, die die Menschen von der Ersatzbank auf das Spielfeld holen“, sagt Graaf.

Das heiße allerdings nicht, dass diese Menschen auch das Jobcenter als Kunden verlassen. Gerade bei mehrköpfigen Familien reiche das Geld oft nicht aus. Selbst dann nicht, wenn beide Elternteile arbeiten gehen. „Die Leistung des Jobcenters ist dann das Zubrot, um die Existenz dieser Menschen zu sichern“, sagt Alt.

Ein weiteres Ziel: die berufsbezogene Sprachförderung von geflüchteten Menschen. Flüchtlinge bekämen keine Sonderbehandlung, sondern würden genauso behandelt wie alle anderen Kunden auch. Bei ihnen stehe allerdings das Lernen der Sprache und der deutschen Kultur an erster Stelle. Der sogenannte Integration Point in Eschweiler wurde mittlerweile aufgelöst.

Nun bearbeitet man die Fälle im Jobcenter vor Ort. „So können wir individuell und fachkompetent auf die Bedürfnisse eingehen“, sagt Alt. Dazu gehört auch eine Dolmetscher-Hotline, die oft genutzt werde und den Arbeitsalltag erleichtere, so Alt weiter.

Hohe Motivation

In Stolberg konnten im vergangenen Jahr 71 Menschen aus den Asylherkunftsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien in eine Arbeit vermittelt werden. Das macht einen Schnitt von 18,8 Prozent. „Der überwiegende Teil ist ungelernt. Wir stellen in diesem Personenkreis aber eine sehr hohe Motivation fest“, sagt Alt.

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