Stolberg: Erzählcafé Treff für Patienten

Senioren : Erzählcafé Treff für Patienten

Das Angebot des Bethlehem-Krankenhauses bringt verletzte Alte schneller wieder auf die Beine. Kaum nach Einführung des Programms ist das mentale Training bei Kaffee und Kuchen schon bestens besucht.

Geschickt balanciert Geriater Dr. Klaus Nagelschmidt ein Stück Käsekuchen mit dem Tortenheber auf einen Teller. „Wer hat noch nicht?“, fragt er in die Runde und als Antwort strecken sich ihm weitere Teller entgegen. Es ist kein Platz mehr an der großen Kaffeetafel im Raum „Vergissmeinnicht“ des Bethlehem-Krankenhauses, denn an diesem Nachmittag hat die Altersmedizin zum Erzählcafé eingeladen.

Dicht an dicht sitzen Patienten und Angehörige, umringt von den Teammitgliedern der Altersmedizin, beisammen. Es wird probiert und das Fazit fällt einstimmig aus: Der Kuchen von Barbara Kiel, die in der Altersmedizin erfolgreich behandelt wurde, ist ein Träumchen. Aber auch die Cupe Cakes, die die Patienten, die aktuell behandelt werden, gebacken haben, finden reißenden Absatz.

Das Erzählcafé gibt es erst seit kurzem und bereits jetzt sind die Treffen so gut besucht, dass der Raum eigentlich schon zu klein ist. „Wir haben ein Luxusproblem“, flachst Dr. Klaus Nagelschmidt, der sich riesig über die Resonanz freut. Gemeinsam mit dem Physiotherapeuten Stefan Göttel und weiteren engagierten Mitarbeiterinnen seines interdisziplinären Teams hat er das Projekt realisiert. Das Erzählcafé ist weit mehr als „nur“ ein Treffpunkt für Patienten in der Altersmedizin, deren Angehörige oder auch bereits entlassene Patienten. Basis ist eine Therapie namens „Activities of daily living“. Übersetzt heißt das so viel wie „Aktivierung der Alltagsfertigkeiten“, kurz ADL. „Mit dieser Behandlung werden die motorischen und kognitiven Fähigkeiten, die für die Bewältigung des Alltags nötig sind, trainiert“, erklärt Nagelschmidt.

Denn es sind diese Fähigkeiten, die darüber entscheiden, ob ein älterer Mensch selbstbestimmend sein Leben gestalten kann. Häufig sind bei älteren Menschen ein Sturz, ein Infekt oder ein eigentlich unproblematischer Eingriff Auslöser für eine Abwärtsspirale. Dann greift im „Bethlehem“ das Konzept der Altersmedizin: Geriater, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten, Psychologen, Pfleger, Sozialarbeiter und Seelsorger setzen als Team alles daran, diese Entwicklung zu stoppen und den Prozess umzukehren.

Durch eine gezielte Behandlung soll der Patient wieder in der Lage sein, Handlungsabläufe zu planen und strukturiert abzuarbeiten. Auch Bewegungsabläufe müssen wieder verinnerlicht werden. Das gemeinsame Kuchenbacken mit Ergotherapeutin Janine Fürle ist bestens dafür geeignet, hier anzuknüpfen. Ein großer Pluspunkt des Erzählcafés sei auch das Gemeinschaftserlebnis, so Psychologin Elena Jank. Die Patienten backen in Teamarbeit. „Es ist ein Erleben mit den Sinnen: anfassen, riechen, schmecken“, beschreibt es Göttel. „Obendrein wird man am Ende des Tages mit einem Ergebnis belohnt - und das ist ein duftender und leckerer Kuchen, von dem auch Familie und Freunde etwas haben“, so der 36-Jährige. Der soziale Aspekt bei diesem Projekt reicht noch weiter: „Viele alte Menschen sind einsam“, bedauert der Geriater.“ Bärbel Kiel ist eine ehemalige Patientin. Sie ist keineswegs einsam, aber sie lernt gerne neue Menschen kennen. Unter den Besuchern sind auch Theo Heck und Doris Kaever. „Wir begleiten meine Mutter, die in der Altersmedizin behandelt wird“, sagt die Stolbergerin. „Das Zubereiten, Backen und das anschließende Zusammensein sind für meine Mutter ein Stück Normalität im Krankenhausalltag. Sie hat sich so auf diesen Nachmittag gefreut.“Vom Kuchen ist kaum mehr etwas übrig. einnicht auf der zweiten Etage findet an jedem ersten und dritten Donnerstag im Monat von 14 bis 15 Uhr statt. Eingeladen zu Kaffee und Kuchen sind auch Angehörige sowie ehemalige Patienten aus der Altersmedizin.

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