Stolberg: Stolberg: Ein Geflecht aus vielen Herrschaftsbereichen

Stolberg : Stolberg: Ein Geflecht aus vielen Herrschaftsbereichen

„Schwere Kost“ hatte Christian Altena kürzlich im Kulturzentrum Frankental den Besuchern des Vortrages „Territorien, Stadtteile, Grenzen“ serviert. Schwere Kost deswegen, weil das heutige Stadtgebiet aus einem Geflecht unterschiedlicher Herrschaftsbereiche bestanden hat, die bisher in Literatur und Vorträgen nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben und demnach auch für historisch Interessierte nur schwer fassbar und nachvollziehbar sind.

Doch der 37-jährige Historiker, der mit seinem Vortrag die vom Stadtarchiv und der Volkshochschule initiierte Reihe anlässlich des 900-jährigen Jubiläums der Kupferstadt Stolberg fortsetzte, wurde dieser Herausforderung vollauf gerecht.

Von Forschern für Forscher

Er präsentierte ein umfangreiches Karten- und Bildmaterial, das den Besuchern einen Überblick über die früheren herrschaftlichen Verhältnisse ermöglichte und somit eine Einordnung leicht machte. Schließlich sollte bei den Besuchern das Verständnis für die Bedeutung und Rolle der einzelnen Stadtteile geweckt und die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt gefördert werden.

Somit stand nicht Ortsgeschichte von Forschern für Forscher im Vordergrund, sondern Populärwissenschaft im besten Sinne, die gerade im historischen Kontext des 900. Geburtstags nicht zu kurz kommen sollte. Ihm gelang es, den Besuchern einen historischen Unterbau zu präsentieren, der ansonsten zu kurz kommend, laut dem Experten aber wichtig und wesentlich ist, um die historische Entwicklung der Kupferstadt Stolberg verstehen zu können. Um das Thema anschaulich zu gestalten, verzichtete Altena dabei überwiegend auf die Überfrachtung mit Jahreszahlen, Ursachen, Gründen und Persönlichkeiten. Diese sind zwar wesentlich, wie Altena erklärte, aber zu viel für einen Vortrag.

Gleiche Historie: Kornelimünster

Neben der Stolberger Innenstadt, die weitgehend mit der im späten 18. Jahrhundert aufgelösten Unterherrschaft Stolberg identisch ist, widmete sich der Historiker den 1935 und 1972 eingemeindeten Stolberger Stadtteilen: Sie lagen zu großen Teil im „Münsterländchen“ genannten Territorium der ehemaligen Reichsabtei Kornelimünster, beziehungsweise hatten ihre Standorte in den als Ämtern bezeichneten Verwaltungsbezirken des Herzogtums Jülich.

Dabei wurde den Besuchern des Vortrages deutlich, dass mit Atsch, Büsbach, Breinig, Dorff, Gressenich, Mausbach, Münsterbusch und Venwegen weite Teile des heutigen Stadtgebietes im ehemaligen Münsterländchen liegen und dass das Gebiet der Abtei Kornelimünster für Stolbergs Entwicklung eine hohe, nicht zu unterschätzende Bedeutung und Stellung hat. „Somit ist die Geschichte von Kornelimünster auch gleichzeitig die Geschichte von Stolberg“, versicherte Altena, der dazu anregte, diese Thematik zu vertiefen und in Zukunft mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Vertieft wurde die Thematik auch dadurch, dass der Historiker das Kartenmaterial nutzte, um Grenzverläufe darzustellen und ihnen Informationen zu entnehmen, die dazu beitrugen, sich der beutenden Rolle der ehemaligen Gemeinden, wozu beispielsweise Büsbach und Gressenich gehören, bewusst zu werden. Unterstrichen wurde die hervorgehobene Stellung der früheren Gemeinden auch dadurch, dass Altena anhand von Fotos und Zeichnungen, Gebäude präsentierte, die einst in den Stadtteilen Standorte von Ritterlehen und Verwaltungssitzen sowie Forst- und Amtseinheiten waren.

Nicht vernachlässigt wurde dabei auch die Geschichte und Entwicklung des Herzogtums Jülich, das ebenfalls weite Teile des heutigen Stolbergs umfasste. Schließlich gehörte nicht nur die Unter- und Grundherrschaft Stolberg - die Innenstadt — zum Herzogtum Jülich, sondern auch Donnerberg, Schevenhütte und Zweifall. Diese Entwicklung stellte Altena dar, indem er mit Nideggen, Jülich und Düsseldorf die ehemaligen Residenzen des Herzogtums vorstellte sowie anhand von Kartenmaterial den Besuchern deutlich machte, dass das Herzogtum Jülich im 18. Jahrhundert sogar ein Teil von Bayern war.

Abtauchen in eine andere Epoche

Abgerundet hatte Altena den Vortrag dadurch, dass er auf die französische und preußische Zeit einging sowie die Gründung der Gemeinden Büsbach, Stolberg, Gressenich und Zweifall um 1802 aufzeigte. Auszüge aus dem Ablauf des Friedens- und Vereinigungsfestes anlässlich der Eingliederung Stolbergs ins Französische Kaiserreich vor zweihundert Jahren versetzten die Besucher zurück. Und bildlich wurde man sich der alten Grenzen und Territorien bewusst, als Altena die Lage zweier historischer Grenzsteine am Rande der Altstadt zeigte.

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