Stolberg: Burgritterlager mit Schwertkämpfen und historischem Handwerk

Burgritterlager lockt viele Besucher : Schweißtreibende „Zeit der Schwerter“ im Schatten der Stolberger Burg

Das Burgritter-Lager an der Stolberger Burg lockt mit Turnierkämpfen, historischem Handwerk, Musik und einem mittelalterlichem Markt viele Besucher an. Bei allen Wettkämpfen ist es aber vor allem ein Treffen von Freunden.

Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes gut gerüstet und gewappnet. Grundsätzlich sind sie in Frieden gekommen, aber jetzt kreuzen sie in aktionsreichen Scharmützeln die Klingen, denn es ist die „Zeit der Schwerter“ für die Ritter, die an der Stolberger Burg lagern. In Duellen treten die Kämpfer gegeneinander an und bestreiten zur Freude des Publikums ein spektakuläres Turnier. Gekämpft wird mit einem Ehrenkodex und nach dem Reglement der „Zeit der Schwerter“. Drei Punktrichter beobachten akribisch die Duelle und werten Treffer.

Ahndenmüssen sie keinen der mittelalterlichen Schwertkämpfer, denn es geht überaus fair zu; die Turnierteilnehmer kennen sich und sind auch im Wettstreit freundschaftlich verbunden. Im vorletzten Duell des Turniers erleidet ein Kämpfer eine leichte Verletzung und wird sogleich umsorgt – vor allem von seinem Gegner.

Nach wenigen Minuten aber steht der verletzte Ritter wieder fest auf den Beinen, und der Kampf wird fortgesetzt. „Glücklicherweise passiert so etwas sehr selten“, sagt Ralf Herff von den Stolberger Burgrittern, die zu dem Lager eingeladen haben. „Die Verletzungsgefahr beim mittelalterlichen Schwertkampf ist deutlich geringer als zum Beispiel beim Fußballspielen“, erklärt Herff, der selbst die Klinge bei dem Turnier schwingt.

Einerseits sind die Schwerter weder scharf, noch spitz, andererseits tragen die Kämpfer Helm und Schutzkleidung. Bei dem strahlenden Sonnenschein und den hohen Temperaturen eine schweißtreibende Angelegenheit, weiß Björn Meyer alias „Lucius Huttrop“ zu berichten. Er geht als Sieger aus dem Turnier hervor, hat fünf Kämpfe absolviert und dabei in voller Montur unzählige Male das circa ein Kilogramm schwere Schwert geschwungen. „Gut eineinhalb Liter Flüssigkeit habe ich bestimmt ausgeschwitzt“, beschreibt Meyer und verrät einen entscheidenden Trick: „Wir legen die Schutzkleidung schon lange vor den Kämpfen an, um uns an die Wärme zu gewöhnen. Wenn das Turnier dann beginnt, sind wir weitgehend akklimatisiert.“

Anders als im Mittelalter hat bei den heutigen Hobbyisten übrigens längst die Emanzipation Einzug gehalten, was zwei weibliche Schwertkämpferinnen bei dem Turnier eindrucksvoll beweisen. Die „Zeit der Schwerter“ ist sicherlich ein Höhepunkt beim inzwischen bereits 17. Burgritter-Lager und doch nur ein Bestandteil der mittelalterlich anmutenden Szenerie. Ein kleiner, aber feiner Mittelaltermarkt zählt ebenso dazu wie die authentische Musik der „Formatio Saitentanz“ und die Präsentationen historischer Handwerkskunst. In der Sarwürkerei werden Kettenhemden hergestellt, es wird gedrechselt, an einem anderen Stand entsteht Seife, und eine Seilerei kann bestaunt werden.

Zu den Handwerkern gesellen sich Ritter, Burgfräulein, Knechte, Mägde, Bauern, Landstreicher, Mönche, Söldner, Tagelöhner und der schaurige Aussätzige „Ede der Bettler“. Taverne, die Lagerstätten, Schwertmeister-Turnier, Markt, Musik und Handwerk mögen das Burgritter-Lager für die Besucher ausmachen – für die Gastgeber sei es vor allem aber ein „Freundschaftstreffen“, meint Ralf Herff: „Befreundete Gruppen treffen sich und zeigen ihr Hobby in der Öffentlichkeit. Wir Stolberger Burgritter freuen uns dabei darüber, dass viele Teilnehmer uns seit Jahren die Treue halten.“

Allen voran die Delegation der Gruppe „Viatoris“ aus dem Raum Krefeld, die seit dem ersten Burgritter-Lager 2003 mit von der Partie ist. Das „Bruchenbanner“ ist ebenso vertreten wie die „Koufliute von Veußel“ aus Troisdorf, die Freunde der „Streitberger“ und die irisch-normannischen Söldner vom Clan Reothadh Frogana. „Les Loups d'Opale“ aus Faches-Thumesnil, einer der beiden französischen Partnerstädte Stolbergs, fühlen sich naturgemäß wohl auf dem Faches-Thumesnil-Platz an der Burg und sind ebenfalls treue Gäste beim Burgritter-Lager. „Der Teilnehmer mit der weitesten Anreise kommt aber aus Kempten im Allgäu und hat rund 600 Kilometer zurückgelegt, um in Stolberg dabei zu sein“, berichtet Ralf Herff.