Stolberg-Atsch: Stolberg-Atsch: Ende der Verkehrsbelastung nicht absehbar

Stolberg-Atsch: Stolberg-Atsch: Ende der Verkehrsbelastung nicht absehbar

„Die Anwohner von Würselener- und Sebastianusstraße haben in jedem Fall das Nachsehen”, bilanzierten die Atscher zu den Auswirkungen der zukünftigen Verkehrsentwicklung.

Diese wurden bei einer Bürgerversammlung in der Grundschule von Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt sowie Silvia Schwarz vom untersuchenden Planungsbüro IVV vorgestellt.

Der Appell der Bewohner des nördlichsten Stolberger Stadtteils war ebenso eindeutig wie ihre Feststellung: Die Stadt möge sich mit allen Mitteln dafür einsetzen, dass Verbesserungen in den Verkehrsbeziehungen erzielt werden, die die Atsch entlasten.

Doch in dieser Beziehung konnte ihnen Andreas Pickhardt wenig Mut machen. „Seitdem wir in den 1990er Jahren mit der Planung des Gewerbegebietes Camp Astrid begonnen haben, wiederholen wir gebetsmühlenartig die Forderung nach einem direkten Anschluss an die A4 über die Raststätte Aachener Land.” Bislang ebenso vergeblich, wie alle Versuche, Landtags- und Bundestagsabgeordnete, Regierungspräsidenten und sogar den Bundesverkehrsminister für die Belange einzuspannen.

Wobei Pickhardt nicht verhehlte, dass sich bislang die Stadt Eschweiler von den Stolberger Vorstellungen wenig begeistert zeigte. In der Nachbarstadt mit einer Vielzahl von Autobahnanschlüssen sorgt man sich vor allem um den Protest der Bewohner in Röhe.

Zu unrecht, wie die Verkehrsuntersuchung jetzt zutage förderte. Denn ausgerechnet Röhe profitiere von einer Anbindung des Camps an die Autobahn. Die Ortslage werde von Verkehr entlastet. Ebenso wie der noch in der Planfeststellungsphase befindliche dritte Ausbauabschnitt der L238n von der Phönixstraße durch die Indeaue auf Stolberger Stadtgebiet.

Nur die Atsch, die profitiert gar nicht von einem Autobahnanschluss im Camp, auf dem allerdings im Tagesschnitt über 8200 Fahrzeuge abgewickelt würden - in der Ost-West-Richtung, wovon letztlich auch der geplante Ausbau des großen interregionalen Gewerbegebiets Merzbrück und Broichweiden profitieren würden.

Atsch dagegen werde durch die Verkehrsströme auf der Nord-Süd-Achse auf den beiden Landesstraße 236 und 23 belastet. Da könne nur die nördliche Ortsumgehung durch den Wald von der Eschweiler- über die Würselener- bis zur Sebastianusstraße behilflich sein.

Und in der Tat belegen die Zahlen der IVV einen deutlichen Rückgang der Belastung auf beiden Trassen im Ortskern auf 3000 beziehungsweise 5400 Fahrzeuge täglich. Im Grunde ist eine solche Nordtangente auf Landesebene bereits besser platziert als die von der Stadt ebenfalls gewünschte Osttangente zwischen Gressenich/Mausbach und dem Donnerberg, vielleicht sogar bis ins Tal zur L 238.

Während diese erhoffte Straße mit überörtlicher Bedeutung noch auf keinerlei Bedarfsplänen auftaucht, ist die nördliche Ortsumgehung für Atsch immerhin schon im Landesstraßenbedarfsplan vertreten: Unter ferner liefen als Stufe zwei, für die noch nicht einmal Planungsleistungen erbracht werden dürfen - Realisierungszeitraum ungewiss.

Eine Novellierung des Landesstraßenbedarfsplan steht erst 2015 an. Und mit Blick auf die Kapazitäten des Landesbetriebs Straßenbau machte Pickhardt auch wenig Hoffnungen auf Aktivitäten in erlebbaren Dimensionen - sowohl für eine Nordtangente wie für einen Autobahnanschluss oder gar einen ebenso von den Bürgern geforderten Umbau des Atscher Dreieck in einen Kreisverkehr. Bis 2015 steht dort das Aachener Autobahnkreuz an erster Stelle, gefolgt vom A4-Abschnitt zwischen Düren und Kerpen bis 2017.

Das wiederum veranlasste den früheren Ratsherrn und ehemaligen Vorsitzenden der Stolberger CDU-Mittelstandsvereinigung, die Unfähigkeit der Stolberger Politik, sich für die Interessen der Heimatstadt erfolgreich einzusetzen, zu beklagen.

Horst Zimmermann rief gar zum „demokratischen Widerstand” auf gegen den geplanten Autobahnanschluss bei Eilendorf, der zwar zu einer zusätzlichen Belastung von Sebastianus- und Cockerillstraße führt, den aber Stolberger Mittelständler und Industrielle sehnsüchtig erwarten: „Zumindest solange müssen wir uns dagegen wehren, bis Verbesserungen für die Verkehrsbelastung von Atsch erreicht sind”, sagte Zimmermann.

Denn anderenfalls würden immer nur Bürger in anderen Städten und Ortsteilen profitieren, nur die Atscher hätten halt immer schlechte Karten. Und damit hätten sich die Verantwortlichen in Stolberg und anderenorts längst abgefunden.

Hoffnungen machen können sich die Atscher lediglich auf den Ausbau des Radweges entlang der Sebastianusstraße. Im Rahmen der bereits laufenden Detailplanung soll es auch Verbesserungen für die Verkehrssicherheit in der Ortsdurchfahrt geben.