Stolberg: Sternenklarer Abend lockt in die Kupferstadt

Stolberg: Sternenklarer Abend lockt in die Kupferstadt

Es sind die kleinen und großen Zeichen, die schon früh am Abend das vermuten lassen, was zu späterer Stunde Gewissheit wird. „Ich glaube, es ist so gut wie noch nie”, frohlockt Sebastian Wenzler, Museumsdirektor des Zinkhütter Hofs, der strahlend im unteren Burghof flaniert.

Kurz vor 21 Uhr ist es zu diesem Zeitpunkt erst, die Museumsnacht ist gerade einmal zwei Stunden alt, doch an Wenzlers Worten gibt es bereits jetzt kaum noch Zweifel.

„Restlos ausverkauft”, heißt es etwa schon im Rittersaal der Burg, vielleicht ist es gar ein Rekordbesuch, der hier beim Auftritt der Tanzschule „Not just dancing” zu vermelden ist. Selbst aus dem Türrahmen versuchen die Zuschauer noch Blicke auf das poppige Spektakel zu erhaschen. Im Innenraum ist kurz nach Beginn des Auftritts kein freier Fleck mehr zu finden - und die Begeisterung ist überwältigend.

„Die Vielfalt ist wirklich atemberaubend, die Museumsnacht ist eine wahrhaft wunderschöne Veranstaltung”, befindet Besucher Ferdinand Wehren. Auch in seinem Gesicht entdeckt man bei diesen Worten unschwer das Strahlen, das so typisch ist für diese achte Stolberger Novembernacht. „Wir haben jetzt schon allerhand erlebt”, betont er zufrieden.

Nun sind der Stolberger und seine drei Begleiter im Museum Torburg angekommen. Bei einem Stück leckeren Kuchen und einem wohlriechenden Burgkaffee wird hier in urgemütlicher Atmosphäre erste Zwischenbilanz gezogen, eine, die positiver wohl kaum ausfallen könnte und die gleichzeitig Lust auf mehr macht. „Gleich geht es natürlich weiter”, berichtet Wehren, es gebe ja schließlich noch so unglaublich viel zu entdecken.

Bereits im Nebenraum warten dabei weitere Stationen auf der Reise durch das nächtliche Stolberg. Bei der Schieferbearbeitung kann sich jeder selbst versuchen und die neue Ausstellung „Stolberg in römischer Zeit” lockt die Besucher. Der Glasraum wird bei Harfenmusik und Erzählungen von Fritz Holtz zu einem Ort des Lauschens, der Ruhe und des Innehaltens auf der Museumsroute.

Wieder zurück in sternenklarer Nacht führt der Weg auf den oberen Burghof. Aus den Fenstern des Rittersaals dringen schwungvolle Klänge der Ritzefeld Big Band „Crack Field Stompers”, während die beleuchtete Burg zum Träumen einlädt. Im Hof wartet das Lager der Stolberger Burgritter und der Aachener Templer Komthurey, das die Gäste in der Gegenwart abholt und unvermittelt in die mittelalterliche Kupferstadt entführt.

Eine Zeitreise zurück ins Hier und Jetzt und zur nächsten Station ermöglicht dann der Shuttleservice. Vier Kleinbusse pendeln an diesem Abend ohne Unterbrechung zwischen den Ausstellungsorten Zinkhütter Hof, Burg und Kupferhof Rosental, oft sind sie bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Busse sind aber nicht bloß Transportmittel, sondern bieten Raum für angeregte Gespräche zwischen den „Museumsreisenden”, es geht trotz der Vielzahl an Menschen, die an diesem Abend unterwegs sind, beinahe familiär zu.

Hier werden heiße Tipps ausgetauscht und hier erzählt man seine eigenen Erlebnisse eines vielfältigen Abends. Gesprächsstoff gibt es dabei immer und eines haben (fast) alle Unterhaltungen gemeinsam: Sie enden in Schwärmereien über eine ganz besondere Nacht. „Das Ambiente ist auch einfach traumhaft”, staunt etwa eine hellauf begeisterte Monika Gerads.

Damit weiß auch der Kupferhof Rosental zu überzeugen, der bereits bei der Einfahrt durch den beleuchteten Torbogen zum Eingangsportal staunende Blicke und verträumte Seufzer hervorruft. Wer zu vorgerückter Stunde hier eintrifft, wird bereits beim Ausstieg von jazzigen Tönen begrüßt, die aus dem großen weißen Zelt im Park hinter dem Kupferhof hinüberwehen. Die „Klangfahrer” aus Aachen sind hier zu Gast. Ein wahres Erlebnis ist der Auftritt - das mitreißende Jazzquartett trifft den Nerv aller Besucher - so wie zuvor bereits das Stolberger Ensamble „In love with musicals”.

In den Räumlichkeiten des Kupferhofs zeigen zahlreiche Aussteller ihre Kunst, die optimal mit dem Kupferhof mit seinen hohen Stuckdecken und Leuchtern harmoniert. „Während woanders vielleicht mehr Action ist, haben wir es hier ein bisschen ruhiger”, betont Ausstellerin Birgit Engelen. Das gerade sei aber die Vielfalt, die für sie die Museumsnacht zu einer so gelungenen mache. „Ich kann nur für mich sprechen: Ich fühle mich hier momentan echt sauwohl”, sagt sie und auch bei ihr ist das allgegenwärtige Strahlen unverkennbar.

Spät am Abend geht es dann für viele Besucher in den Zinkhütter Hof. Es ist etwas wie eine After-Show-Party. Mit Jazz, der Aachener a-cappella-Gruppe „Mit ohne Alles” und Folk vom Duo „Bardic” war man hier in den Abend gestartet, im Forum gab es vielfältige Aktionen für Kinder und in den Räumlichkeiten des Industriemuseums fanden zahlreiche Aussteller Platz.

„Ein absolutes Highlight”

Gut ist hier gegen 23 Uhr also die Stimmung bereits, als die Kult-Band „Rufus Zuphall” mit Jupp Ebert die Bühne betritt und zu einem grandiosen Abschluss einer begeisternden Nacht aufspielt. Mittendrin, statt nur dabei, sind auch Museumsdirektor Sebastian Wenzler und die Organisatorin der Nacht, Petra Grüttemeier. Allen Grund zum Feiern haben die Beiden, denn dass auch die 8. Museumsnacht ein voller Erfolg ist, daran zweifelt zu diesem Zeitpunkt niemand mehr.

„Es ist göttlich”, befindet Grüttemeier und bewirbt sich eindrucksvoll um das breiteste Strahlen des Abends. Wie erlöst wirkt sie, jetzt, da die Anspannung abfällt und ausgelassener Freude weicht. „Alles ist optimal gelaufen, es war viel, viel mehr los, als wir uns erträumt haben. Das ist unheimlich umwerfend”, jubelt sie.

Auch vor der Verkündigung der offiziellen Zahlen am Montag steht fest, dass der Zuspruch auch im Vergleich zum Vorjahr, wo bereits fast 1200 Menschen unterwegs waren, eine neue Dimension erreicht hat. „Auf der Burg waren die Eintrittskarten zwischenzeitlich sogar ausverkauft”, weiß Wenzler. Für ihn gibt es vor allem zwei Gründe für den bahnbrechenden Erfolg.

„Zum einen ist die Qualität über die Jahre kontinuierlich gestiegen, das ist für Stolberg ein absolutes Highlight”, betont er. Und dann ist da ja noch der zweite Faktor: Das grandiose Wetter und ein sternenklarer Himmel, der viele Menschen auf eine zauberhafte Route lockt.