Stolberg: Steinweg-Quartier: Pilotobjekt soll Sanierung Schwung geben

Stolberg: Steinweg-Quartier: Pilotobjekt soll Sanierung Schwung geben

Geplant, untersucht und überlegt wurde schon seit mehr als sechs Jahren zuvor. Aber als Regierungspräsident Dr. Franz-Josef Antwerpes am 16. Juli 1981 den Grundstein für die Restaurierung des sechs städtische Gebäude umfassenden Pilotobjektes an der Ecke von Eselsgasse Luciaweg und Burgstraße legte, war der Startschuss zu Stolbergs erfolgreichstem Sanierungsprojekt gegeben.

Es sollte zum Vorbild für zahlreiche Eigentümer werden, die marode und zerfallende Bausubstanz der alten Kernstadt in ein Ensemble mit europäischer Bedeutung zu verwandeln.

„Kurfürstlich“: Der Kölner Regierungspräsident Dr. Franz-Josef Antwerpes legte am 16. Juli 1981 den Grundstein für das Pilotobjekt in der Altstadt.

Und damit ist das Pilotobjekt auch ein Vorbild für Rolf Engels (SPD) und Paul M. Kirch (CDU), die mit ihrem jüngsten Vorschlag in die Fußstapfen von Wolfgang Hennig (CDU) treten, der einige Jahre zuvor die Anregung gab, dass die Stadt als Vorbild auftreten solle, um Bewegung in die Sanierung zu bringen.

Schmucke Jugendstilfassaden hinter denen oft die Zeit stehen geblieben ist bietet der Steinweg ebenso wie zeitgemäß sanierte Objekte. Die Stadt soll als Vorbild einer weiteren Sanierung nun eigene Impulse geben.

Genau dies soll nun ebenfalls in der Fußgängerzone der Innenstadt geschehen. „Mit einem eigenen Pilotobjekt soll die Stadt die Weiterentwicklung des Steinwegs anstoßen und beispielhaft für private Investoren sein“, formulieren die beiden planungspolitischen Sprecher der Großen Koalition in ihrem Antrag an den Bürgermeister. Die Verwaltung soll dem Stadtrat zügig konkrete Vorschläge dazu unterbreiten und die notwendigen Beschlüsse herbeiführen.

Mit gutem Beispiel voran gehen

SPD und CDU werden den Entwurf des Bürgermeisters für den Haushalt 2014 ändern und bereits Mittel für eine Anschubfinanzierung im kommenden Jahr einstellen, ohne dabei mit neuen Schulden die Kriterien des Stärkungspaktes zu verletzen, kündigten die Sprecher an. Dabei wird die Verwaltung auch beauftragt, die Möglichkeit einer Förderung durch Land, Bund und EU zu sondieren.

Inwieweit Zuschüsse angesichts der derzeitigen Niedrig-Zinsphase ein Zugpferd sein könnten, bleibe zwar abzuwarten, aber wichtiger sei ein Startschuss. „Man muss endlich sehen können, dass sich etwas bewegt“, sagt Engels, und Kirch betont, dass „die Stadt als gutes Beispiel vorangehen muss, um weitere Eigentümer motivieren zu können“.

„Kölner Kurfürst“

Damit setzt die Große Koalition auf ein Rezept, das bereits vor drei Jahrzehnten erfolgreich funktioniert hat. Allerdings brachte damals der „Kölner Kurfürst“ zur Grundsteinlegung einen dicken Scheck mit in die Kupferstadt.

Denn mit einem Volumen von über 30 Millionen Deutschen Mark war das Stolberger Sanierungsgebiet während der Hoch-Zinsphase das größte Projekt im Land. Das trug denn auch einen großen Teil der Kosten mit: bis zu 80 Prozent Zuschüsse gab es für die Infrastruktur; und Finanzierungslücken bei herausragenden Denkmalsanierungen wurden zu 70 Prozent vom Land und 30 Prozent von der Stadt gedeckt. Als Treuhänder fungierte die Landesentwicklungsgesellschaft.

Ursprünglich hatten die Stadtväter das Umfeld sogar noch größer abgespeckt und Gesamtkosten von mehr als 60 Millionen DM auf der Rechnung stehen. Das hatte aber Antwerpes mit Verweis auf fehlende Landesmittel abgelehnt. Bereits 1975 war das Sanierungsgebiet Burg- / Vogelsangstraße definiert worden, aus dem sich das Konzept für die Altstadt ableitete.

Und auch damit sind die Vorzeichen heute vergleichbar mit den Schritten in der Historie. Seit Anfang 2009 hat Stolberg ein Konzept für die Innenstadt erarbeitet, das für jeden Bereich bestimmte Entwicklungsschwerpunkte definiert. „Wir müssen jetzt Zeichen setzen und diese mit Leben füllen“, verweist Rolf Engels beispielhaft auf die laufende Probephase zur Umgestaltung von Rathaus- und Salmstraße, neben der insbesondere eine Aufwertung des Bastinsweihers in den Focus rückt.

Dem Test soll im kommenden Jahr die Detailplanung und ab 2015 die Umsetzung folgen. Vergleichbares schwebt den Koalitionären für den Steinweg vor, wo hinter teils schmucken Fassaden ein wenig im Verborgenen die Vicht plätschert.

Baubeginn in 2015 geplant

Im kommenden Jahr soll das Konzept geschnürt und 2015 mit der Umgestaltung des dann definierten Pilotobjektes begonnen werden, markiert Paul Kirch die zeitlichen Eckpunkte des Vorstoßes der Großen Koalition, die „die Entwicklung anstoßen“ und „Hemmschwellen beseitigen“ will.

Wenig Aufmerksamkeit erregte bislang die bereits erfolgte Weichenstellung für das zukünftige Sanierungsquartier. Die Änderung der Bauleitplanung ist angelassen, im oberen Steinweg werden als „besonderes Wohngebiet“ zukünftig Wohnen und Gewerbe gleichberechtigt genehmigt werden können.

Bei der Aufstellung hat der Stadtrat bereits darauf geachtet, dass mögliche Überschneidungen im Bereich der Vicht bzw. ihrer Überbauung durch die Festsetzungen des früheren Altstadt-Sanierungsgebietes vermieden und beseitigt werden.

„Ausgezeichnete Perspektiven“ sieht Engels für das neue Steinweg-Quartier, sobald die Stadt es mit ihrem Pilotobjekt wachgeküsst hat. Angestrebt wird „ein zeitgemäßer, barrierefreier und auch Generationen-übergreifender Wohnraum“, sagt Kirch und verweist auf die Renaissance des Wohnens in den Innenstädten.

Der Steinweg biete mit seiner nah erreichbaren Infrastruktur sowie Verkehrsanbindung „ideale Voraussetzungen, auf die Erfolgsspur“ der Altstadt-Sanierung einzubiegen, ist die Große Koalition überzeugt.