Städteregion Aachen baut ab 2019 neues Sirenenwarnsystem auf

3,5 Millionen Euro werden investiert : 150 Sirenenanlagen für den Ernstfall im Altkreis Aachen

Nach einer dreijährigen Vorbereitungsphase beginnt die Städteregion 2019 mit dem Aufbau eines neuen Sirenenwarnsystems im Altkreis Aachen. Insgesamt sollen 3,5 Millionen Euro für Anlagen an 150 Standorten investiert werden.

Um Punkt 10 Uhr war es mit der Ruhe vorbei: Als am Morgen des 6. Septembers der erste landesweite Probealarm ausgerufen wurde, fühlten sich viele Menschen älteren Jahrgangs an vergangene Zeiten erinnert. Schon lange hatten in Nordrhein-Westfalen die Sirenen nicht mehr geheult. Schließlich war der Kalte Krieg Anfang der 1990er Jahre für beendet erklärt worden. Seitdem hatten die Sirenen, die einst als „Luftschutzsirenen“ installiert worden waren, um die Bevölkerung vor den „Gefahren eines Verteidigungsfalles“ zu warnen, ausgedient. Und vielerorts wurden sie deshalb folgerichtig abgebaut.

Im ehemaligen Kreis Aachen, in dem die heutige Städteregion für das Rettungswesen und den Katastrophenschutz zuständig ist, war das beinahe überall der Fall. Lediglich in Monschau, Simmerath Roetgen und Baesweiler gibt es noch einige funktionstüchtige Anlagen, die auch noch zum Einsatz kommen – allerdings nur für den örtlichen Brandschutz. Ansonsten herrscht Ruhe im Altkreis. Das war auch am 6. September der Fall. Denn am landesweiten Probealarm hat sich die Städteregion nicht beteiligt, weil ihr die dafür erforderlichen Sirenen fehlen.

In Zukunft wird das wieder anders werden. Schon seit 2015 laufen die Vorbereitungen für den Aufbau eines neuen, flächendeckenden Sirenenwarnsystems. Mittlerweile ist die Planungsphase abgeschlossen worden. Anfang 2019 soll es nun endlich losgehen: In mehreren Schritten werden dann bis voraussichtlich Ende 2022 insgesamt 150 Sirenen installiert. Rund 3,5 Millionen Euro, die aus Düsseldorf kommen, stehen dafür in der Summe zur Verfügung.

Der Anfang wird in Eschweiler und Würselen gemacht, für 2020 ist der Ausbau in Stolberg und Alsdorf geplant. 2021 folgen Herzogenrath und Monschau, 2022 Baesweiler und Simmerath. Die Standorte in Roetgen sollen nach Aussage von Gregor Jansen über die Jahre verteilt abgearbeitet werden. „Die Reihenfolge des Ausbaus ergibt sich aus der Anzahl der jeweils benötigten Sirenen“, erklärt der Dezernent für Sicherheit und Ordnung. „Diese wurden möglichst gleichmäßig auf die vier Projektjahre verteilt, damit die die finanziellen Mittel entsprechend abgerufen werden können.“

Seit 2015 bereitet die Städteregion – unser Bild zeigt Amtsleiterin Marlis Cremer und Detlef Funken, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, ein neues Sirenenwarnsystem für den Altkreis Aachen vor. Foto: ZVA/Michael Grobusch

In gut 30 Fällen kann die Städteregion auf Standorte zurückgreifen, an denen schon einmal Sirenen installiert waren und sogar noch existieren. Dort wie auch an den öffentlichen Gebäuden, die in das Gesamtkonzept integriert sind, gab es Sicht von Marlis Cremer mit keinerlei Akzeptanzproblemen zu kämpfen. Schwieriger habe sich die Standortsuche mitunter dort gestaltet, wo private Gebäude zur lückenlosen Abdeckung benötigt werden, berichtet die Leiterin des städteregionalen Amtes für Rettungswesen und Bevölkerungsschutz.

„Gestattungsverträge“

Mittlerweile aber steht das Konzept für alle 150 Anlagen, und die sogenannten Gestattungsverträge, die die Städteregion mit den Eigentümern von privaten Standorten abschließen wird, sind vorbereitet. Dass am Ende der Planungen 30 Sirenen mehr ausgewiesen werden als ursprünglich veranschlagt, hat nach Angaben der Verwaltung einen guten Grund: Mit 120 Sirenen wäre eine Flächendeckung nicht möglich gewesen. Das hatte die Untersuchung eines externen Ingenieurbüros ergeben. „In manchen Gebieten wird die Reichweite durch die topografischen Gegebenheiten so sehr eingeschränkt, dass zusätzliche Sirenen erforderlich sind“, erklärt Gregor Jansen.

Während nun in wenigen Wochen mit dem Neuaufbau eines Sirenenwarnsystems begonnen werden kann, steckt die Städteregion bei einem anderen Projekt noch in der Vorbereitung: Der zukünftige Einsatz der Sirenen soll mit einer Öffentlichkeitskampagne vorbereitet werden. Schließlich müssen die ausgesendeten Signale von der Bevölkerung auch verstanden werden, damit diese sich der jeweiligen Gefahrensituation entsprechend verhalten kann. Die Liste der möglichen „Ereignisse“ ist lang und reicht von Sturm und Hochwasser, über Großbrand und Stromausfall, wie es ihn zuletzt Mitte August in Alsdorf mit über 7000 betroffenen Haushalten gegeben hatte, bis hin zu Schadstoffbelastungen, Pandemien, Erdbeben und einem Atomunfall.

Ein Stück weit können die Informationen über Internet, Apps und Soziale Medien verbreitet werden. Doch auch in Zeiten moderner Kommunikationsmittel führt offenbar kein Weg an der guten alten Sirene vorbei. Denn zum einen kann die Technik versagen oder ausfallen. „Und zum anderen müssen die Menschen zunächst einmal wach sein und über das generelle Vorliegen einer Bedrohungslage informiert sein“, gibt Marlis Cremer zu bedenken.

Damit die Bevölkerung ein solch denkbarer Fall nicht unverhofft trifft, wird sich die Städteregion in Zukunft auch am Probealarm beteiligen. Im nächsten Jahr wird das noch nicht klappen. Aber spätestens Ende 2022 wird es zwischen Baesweiler und Monschau vorbei sein mit der Ruhe, wenn landesweit geübt wird.

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