Die Linke : Mathias Prußeit zieht sich aus der Politik zurück

Er wollte viel bewegen, vor allem für die Menschen, denen es nicht so gut geht. Aber mittlerweile geht es Mathias Prußeit selbst so schlecht, dass er für andere nicht mehr kämpfen kann. Aus gesundheitlichen Gründen muss sich der 62-Jährige aus der Politik zurückziehen.

Dabei hat der Fraktionsvorsitzende der Linken durchaus Geschichte geschrieben in der Kupferstadt. Im Sommer 2008 ist es der bisherige Sozialdemokrat, der zur Gründung eines Stolberger Ortsverbandes der Linkspartei aufruft. Die damit gleich auch einen Sitz im Stadtrat für sich reklamieren kann. Im April hatte der Atscher aus Enttäuschung der SPD den Rücken gekehrt, für die er als stellvertretender Fraktions- und als Ortsvereinsvorsitzender bis dahin eloquent Position bezogen hatte.

Im Stadtmarketing engagiert

Rockmusik und die damals noch junge Computertechnik faszinierten Mathias Prußeit schon früh. Als er mit einem eigenen Unternehmen ins Stolberger Dienstleistungszentrum einzog, engagierte er sich um die Jahrtausendwende bei der quirligen Gesellschaft für Stadtmarketing Stolberg (SMS) inbesondere im Bereich der Koopertionen von Schulen und Wirtschaft. Schnell wurden die Stolberegr Sozialdemokraten auf den eloquenten Unternehmer aufmerksam und konnten ihn für die Stadtratsarbeit begeistern, wo die Stadtentwicklung ein besonderes Augenmerk von Prußeit war. Er machte zügig Karriere in der Stolberger SPD, wurde zeitweise gar als Landtagskandidat gehandelt – bis die Politik im Bund und an der Basis einen Keil trieb zwischen Mathias Prußeit und die Sozialdemokratie.

Der Austritt führte 2008 zur Gründung der Stolberger Linken, für die er im folgenden Jahr gleich zählbare Positionen einfuhr. Zwar blieben seine 675 Stimmen (2,84 %) als Bürgermeisterkandidat nicht mehr als ein Achtungserfolg, aber die 847 Stimmen (3,58 %) bei der Stadtratswahl führten zu zwei Mandaten für die Linken. Gemeinsam mit der Atscherin Gastronomin Anita Jilk bildete er die erste linke Ratsfraktion der Kupferstadt.

Anita Jilk kann wieder in den Stadtrat nachrücken. Die 64-Jährige gehörte ihm als Ratsdame bereits von 2009 bis 2014 an,. Foto: Jürgen Lange

Prußeits sachorientierte Arbeit während der Legislaturperiode sollte sich bei den Kommunalwahlen fünf Jahre später auszahlen. Mit 823 Stimmen (3,64 Prozent) erzielte er bei diesem Machtkampf zwischen Tim Grüttemeier und Ferdi Gatzweiler nach dem parteilosen Unternehmer Alex Kaldenbach das vierbeste Ergebnis der Bürgermeisterwahl. Und die 922 Stimmen (4,11 Prozent) sorgten unter zehn kandidierenden Parteien hinter CDU, SPD und Grünen ebenfalls für das viertbeste Ergebnis der Ratswahl und sicherten die beiden Ratssitze deutlich.

„Auf einem guten Weg“

An Prußeits Seite rückte nun mit Gabi Halili eine Linke mit einem gänzlich anderen, konträren Politikstil. Für die Linkspartei begann eine Legislaturperiode, die von internen Reibereien geprägt war und im vergangenen Frühjahr zum offenen Eklat beim Machtkampf um den Fraktionsvorsitz führte. Letztlich rauften sich die Beiden zwar wieder zusammen, aber Mathias Prußeit war bereits seit längerem so von seiner Erkrankung in Mitleidenschaft gezogen, dass er kaum noch das Rathaus aufsuchen konnte.

Seine letzte große Rede im Stadtrat hielt er im vergangenen Dezember zum Haushalt – und sorgte für eine neuerliche Premiere: Erstmals stimmte die Linke in Stolberg dem Budget zu. Zwar monierte Prußeit Details, wie noch nicht ausreichende Anstrengungen im sozialen Wohnungsbau, aber letztlich kam sogar die linke Fraktion zu der Einsicht: „Unser Haushalt kann sich sehen lassen. Wir sind auf einem guten Weg“, formulierte Mathias Prußeit, der sich fortan aber persönlich auf einem gesundheitlich schlechteren Weg befand. Er führte jetzt zu seiner Entscheidung, sich ganz aus dem politischen Leben zurückzuziehen, was er am Mittwoch dem Bürgermeister mitteilte.

Von der Reserveliste der Linken kann nun von Platz 3 Anita Jilk in den Stadrat nachrücken: Dort engagiert sich die 64-Jährige derzeit  als sachkundige Bürgerin im Beschwerde- sowie im Bau- und Vergabeausschuss.