Stadtrat Stolberg: Ferdi Gatzweiler legt Ratsmandat nieder

Vorzeitiger Abschied : Ferdi Gatzweiler legt Ratsmandat nieder

Es sind 25 Grad auf Gran Canaria. Der Swimmingpool ist in Sichtweite. Beim Telefonat mit unserer Zeitung überzeugt Ferdi Gatzweiler auch mit Handybildern. „Vielleicht versteht ihr mich jetzt“, sagt der 63-Jährige.

Von 2004 bis 2014 leitete der Sozialdemokrat als Bürgermeister die Geschicke Stolbergs. Als er gegen Nachfolger Tim Grüttemeier den Kürzeren zieht, rückt Ferdi Gatzweiler über den Reservenlistenplatz 1 der SPD in den Stadtrat – sowie in den Kinder- und Jugendausschuss – ein. Eher selten nimmt er seine Mandate wahr, weil er zu Sitzungsterminen oft unterwegs ist. Diese Zeiten sind vorbei. Ferdi Gatzweiler ist nunmehr auch politischer Pensionär.

Zum 31. Dezember legt der Sozialdemokrat sein Mandat nieder – vorzeitig. „Alles hat seine Zeit“, sagt Ferdi Gatzweiler. Für ihn ist die Zeit gekommen, sich aus der aktiven Ratsarbeit zurückzuziehen. „Wir sind viel auf Reisen unterwegs“, sagt er. Wir, das sind in erster Linie seine Ehefrau Brigitte, aber auch Enkelkind Valentin darf gelegentlich von der gewonnenen Freiheit des Reisens seiner Großeltern profitieren. Die Zeit der Kommunalpolitik ist für Ferdi Gatzweiler zu Ende.

Mit einer Ausnahme: „Ich unterstütze aus vollem Herzen den Bürgermeisterkandidaten unserer Partei“, betont Gatzweiler. „Ich habe ihm meine Mithilfe im Wahlkampf angeboten.“ Es werde genau die richtige Person sein, ist Gatzweiler überzeugt. Das Votum der Parteigremien am Donnerstagabend wird aus Sicht des alt gestandenen Sozialdemokraten klar und eindeutig sein.

Er selbst wird nicht dabei sein, auch nicht bei den Vorberatungen am Montag, und nicht mehr bei der Stadtratssitzung am kommenden Dienstag. „Man muss einen Punkt zum Aufhören finden“, sagt Ferdi Gatzweiler – auch mit Blick auf die angeschlagene Gesundheit so mancher politischer Weggenossen. Er selbst fühlt sich fit, möchte mit Ehefrau, Familie und Freunden noch etwas vom Leben genießen und fremde Länder sehen. Und wird sicherlich gerne in seiner Heimatstadt Station machen.

Hier besucht er Grüntalschule und Goethe-Gymnasium, beginnt 1973 eine Verwaltungslehre bei der Kupferstadt, bildet sich zum Diplom-Verwaltungswirt weiter, ist Jugendamtsleiter bei seiner erstmaligen Kandidatur als Bürgermeister und ehrenamtlich als Vorstand engagiert bei der Wohnungsgenossenschaft. Bei all seinen Reisen wird die Altstadt stets Ferdi Gatzweilers Heimat sein.

Und was sagt man bei der Stolberger SPD zu Gatzweilers Entscheidung? Partei- und Fraktionsvorsitzender Patrick Haas wünscht ihm alles Gute. Für ihn soll nun Rolf Engels in den Stadtrat nachrücken. Anfang der Woche habe Haas mit Engels gesprochen und dieser habe bereits seine Bereitschaft signalisiert. Sein Nachrücken sei natürlich kein Zeichen dafür, dass man jünger werde. Aber in Sachen Innovation sei Engels ganz vorne dabei und habe stets gute Ideen. So beispielsweise in Sachen Klimaschutz und Stadtentwicklung. Als engagierten Menschen beschreibt Haas den Nachrücker. „Ich bin froh, dass seine Arbeit wertgeschätzt wird und er im Rat sein wird.“

Bevor es allerdings so weit ist, muss Gatzweiler sein Ratsmandat schriftlich und vor einem Wahlleiter niederlegen – das soll in der kommenden Woche geschehen. Er und Bürgermeister Tim Grüttemeier müssen dieses Schreiben dann unterzeichnen. Erst dann geht auch eine entsprechende Anfrage an Rolf Engels heraus. Er widerum kann wählen, ob er das Mandat annimmt, oder nicht.

Auch Mathias Prußeit hat sein Mandat zum 31. Dezember niedergelegt. Für ihn könnte Anita Jilk nachrücken. Eine Rückmeldung habe es bisher allerdings noch nicht gegeben, erklärt Tim Grüttemeier. In der Ratssitzung am 22. Januar würden die beiden neuen Stadtratsmitglieder dann vereidigt.