Christian Altena erklärt den Umbau der Burg : Selbst Moritz Kraus hätte gestaunt

Wäre Moritz Kraus bei dem Vortrag im Saal des Kulturzentrums Frankental dabei gewesen, er hätte nur noch gestaunt über die Darstellung seines Lebenswerkes, dem Umbau der Burg im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Denn Christian Altena wurde der Krausschen Mission vollauf gerecht, indem er nicht nur auf die von Kraus erstellten Bauteile und deren Hintergründe einging, sondern Bilder zeigte, die Vergleiche mit ähnlichen Bauformen des damaligen Burgen- und Schlossbaues in Deutschland ermöglichten.

Ergänzt hatte der 38-jährige Bauhistoriker, der seit knapp drei Jahren das Stadtarchiv leitet, sein Bildmaterial durch zahlreiche selbst erstellte Rekonstruktionen und Zeichnungen, die die rund 50 interessierten Besucher beispielsweise mit der Burg des frühen 16. Jahrhunderts, den Umbauarbeiten durch Kraus sowie mit der Lage und Ausrichtung der Stollen vertraut machte.

Zwei Stunden lang referierte Altena über sein Hauptforschungsgebiet, das im Rahmen der vom Stadtarchiv und der Volkshochschule initiierten Vortragsreihe anlässlich des 900. Stadtjubiläums präsentiert wurde. Und man hätte ohne weiteres noch zwei Stunden zugehört, denn es war keine Minute langweilig.

Dabei ging der studierte Historiker auf vielfältige Details des Krausschen Bauprogramms ein, die ansonsten keine Berücksichtigung in der örtlichen Literatur und Vortragsveranstaltungen finden. So stellte Altena unter anderem die Innenausstattung des Festsaales vor, den der Stifter und Erneuerer der Burg im großen Turm geplant hatte. Das in Düsseldorf ansässige Archiv des Künstlervereines „Malkasten" hatte Altena die Reproduktion einer Zeichnung zur Verfügung gestellt, die die geplante Ausstattung des nicht verwirklichten Festsaales zeigte.

Die dem Historismus zuzuordnende mehrfarbige Zeichnung ist deshalb in Düsseldorf archiviert, weil der aus Stolberg stammende Burgarchitekt Carl Wilhelm Schleicher sein damaliges Büro in der heutigen NRW-Landeshauptstadt hatte.

Zudem hatte der Referent die historischen Musterbücher der ehemaligen Zinkornamentikfabrik Kraus, Walchenbach & Peltzer „durchforstet“, um seinen Gästen die floralen und figürlichen Schmuckformen des in dem Stolberger Unternehmen hergestellten Firstkammes zu zeigen, mit der Moritz Kraus das Burgdach ausgestattet hatte. Schließlich war der aus Langerwehe stammende Industrielle Mitinhaber dieser Firma und konnte über die dort hergestellten Materialen verfügen. Sie sind überwiegend in den zeitgenössischen Musterbüchern dargestellt, wie die Gäste des Vortrages feststellten konnten.

Altena präsentierte historische Pläne und Zeichnungen, die zum Beispiel die Gestaltung von Treppenaufgängen und Bauteilen des privaten Wohnschlosses des Farbikanten zeigten. So war unter anderem die geplante Gestaltung des Umfeldes des in der Vorburg liegenden „Gartenhauses“ zu sehen, das heute Vereinssitz und Unterkunft der KG Fidele Zunfthäre ist.

Kraus war es, der der Kernburg eine umfangreiche und ausgedehnte Vorburg hinzugefügt hatte. Altena zeigte zwei von mehreren Varianten, mit der der dem Historismus zugeneigte Architekt Schleicher die Bauform des großen Turm ausstatten wollte. So hatte Schleicher in einem Entwurf das Rudiment des einstigen Geschützturmes mit drei kleinen abschließenden Türmen ausstatten wollen. Verwirklicht wurde aber die zweite Variante, die eine Aufstockung des früheren Geschützturmes auf die heutige Höhe vorsah.

Überhaupt präsentierte Christian Altena den Gästen zahlreiche historische Fotos, die er dazu nutzte, um die Vortragsbesucher mit den Baustilen vertraut zu machen, mit der der damalige Bauherr seine Burg ausgestattet hatte. Kraus hatte sich sowohl neobarocker wie neoromanischer und neogotischer Bauformen beim Umbau der Stolberger Burg bedient. Denn der Industrielle war gleichsam wie sein Architekt dem damals modernen Baustil des Historismus verhaftet, der von späteren Zeitgenossen – weil nicht verstanden oder nur oberflächlich betrachtet – oftmals belächelt und verspottet wurde. Um seinen Gästen diese Geisteshaltung des späten 19. Jahrhunderts zu erklären, die eine Wiederbelebung und Ergänzung antiker, mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Bauformen zum Ziel hatte, nutzte Altena sein umfangreiches Wissen. Der spannende Vortrag enthielt für die Besucher viele Informationen, die sie mit den Baumaßnahmen in der Zeit von 1888 bis 1909 vertraut machten.

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