Stolberg: Stadt will den Hausbesitzern Sorge nehmen

Stolberg: Stadt will den Hausbesitzern Sorge nehmen

Wie viele es sind, weiß keiner so genau, aber es dürften Tausende sein: Drainagen an Privathäusern, die an den Mischwasserkanal angeschlossen sind. Rechtlich dürfen diese schon seit 20 Jahren nicht sein, und auch praktisch bringen sie ein Problem mit. Das Fremdwasser, das über die Drainagen eingeführt wird, behindert die Reinigung in den Kläranlage, führt zu Verschleiß und erhöht die Kosten.



Unter den Teppich gekehrt werden kann das Problem nicht, da mit den Kanaldichtheitsprüfungen, die je nach Stadtgebiet schon in Kürze anstehen, diese Drainageanschlüsse in allen geprüften Gebieten dokumentiert werden.

Und die Bezirksregierung hat bereits durchklingen lassen, dass der vorgegebene Richtwert für Fremdwasseranteile im Abwasser auf jeden Fall eingehalten werden müsse.

Die Sorgen sind groß, dass nun Bürger ihre Drainagen kappen und unter enormem Kostenaufwand Ersatzmöglichkeiten schaffen müssten, um ihre Häuser trocken zu halten. Sorgen, die der zuständige Fachbereichsleiter der Stadt, Josef Braun, den Bürgern nehmen will.

Das sagte er in der Sitzung der eigens eingerichteten, von Bürgermeister Ferdi Gatzweiler spontan vorgeschlagenen Fremdwasser-AG im Rathaus, an der auch Vertreter von SPD, CDU und Grünen teilnahmen.

„Die reine Lehre ist: Die Drainagen sind zu schließen”, wies Braun zwar gleich zu Beginn der Sitzung auf die eindeutige Rechtslage hin. Doch entscheidend sei der Anteil des Fremdwassers am Schmutzwasser, und den habe die Stadt in den vergangenen Jahren durch eigene Maßnahmen bereits um rund zwei Millionen Liter verringern können.

Um den vorgegebenen Fremdwasser-Richtwert nicht zu überschreiten, will die Stadt auch weiterhin „systematisch nach Fremdwasserquellen suchen”, sagt Braun. „Wir haben noch ein paar Stellen im Stadtgebiet im Auge”, erklärt der Fachbereichsleiter.

Und Jörg Veltrup, im Tiefbauamt für die Abwasserplanung zuständig, ergänzt: „Wir werden erstmal die großen Einleitstellen im öffentlichen Raum anpacken.” Das können zum Beispiel Wegeseitengräben sein, die an den Mischwasserkanal angeschlossen sind. „Erst wenn nichts mehr hilft, werden wir uns die Hausanschlüsse angucken müssen.”

Dennoch stehen für viele Eigentümer, deren Häuser per Drainage mit dem Mischwasserkanal verbunden sind, Umbauten an. Eine allgemein gültige Handlungsempfehlung kann Braun nicht geben, wohl aber Hilfe durch die Verwaltung in Aussicht stellen. „Was zu tun ist hängt von jedem einzelnen Haus ab”, sagt Braun.

Problematisch sei es immer, wenn die Drainage eines Hauses an das Mischwassernetz angeschlossen sei. Ein Umbau sei auch im Interesse des Hauseigentümers, denn bei hohen Wassermengen könne schließlich auch Wasser aus dem Netz in die Drainage rückgestaut werden. „Ein solcher Rückstau bringt dann auch Schmutzwasser in die Drainage”, so Braun.

Möglichkeiten, solchen Rückstaus vorzubeugen, bestehen zum Einen im Einbau einer Rückstauklappe, zum Anderen könne die Leitung getrennt und das Drainagewasser über die Rückstauebene gehoben werden. Lösungen könnten jedoch nur individuell gefunden werden, so Braun: „Jedes Haus ist anders.”


Die Stadt stellt extra für die Problematik der Dichtheitsprüfungen und Drainagen einen Berater ein und wird die betroffenen Anlieger zu mehreren Infoveranstaltungen einladen.

Darüber hinaus können sich Hausbesitzer - wenn das Ergebnis ihrer Dichtheitsprüfung vorliegt - individuell beraten lassen. „Unsere Beratung setzt früh an und läuft während des gesamten Verfahrens”, sagt Braun.