Stolberg: Sport-Gutschein: „Wir warten seit Monaten auf das Geld”

Stolberg: Sport-Gutschein: „Wir warten seit Monaten auf das Geld”

„Sport für alle” ist eines der Ziele des Bildungspaketes. Auch Kindern und Jugendlichen von Hartz-IV-Empfängern (SGB 2-Leistungen) oder Empfängern von Sozialhilfe, Kinderzuschlag oder Wohngeld (SGB 12) sollen sich im Verein anmelden können. 10 Euro pro Monat gibt es dafür aus dem Bildungspaket für den Mitgliedsbeitrag. Eine gute Idee.

Das findet auch Heinz Wolff. Der 75-Jährige ist seit fast 30 Jahren der Vorsitzende des TSV Vicht.

Und er steht seit Einführung des Bildungspaketes vor einem Problem: Kinder beziehungsweise deren Eltern haben bei der Stadt Stolberg, zuständig für SGB-12-Empfänger, und beim Jobcenter, zuständig für SGB-2-Empfänger, einen Antrag auf den Sport-Gutschein gestellt. „Bei so manchem warten wir nun schon seit Monaten auf das Geld”, sagt Wolff. Die Folgen: Da der Verein kein Kind ausschließen möchte, dürfen die Mädchen und Jungen mitmachen. Doch sind sie nicht wirklich Mitglied, da der Beitrag nicht gezahlt wird. So muss für den Fall, dass sich die Kinder verletzen, die Gruppenversicherung einspringen.

Das tut sie auch in den meisten Fällen. Hinzu kommt die Unsicherheit für den Sportverein. Jeder Verein muss Übungsleiter oder Hallennutzungsgebühr bezahlen. „Wenn wir bei 250 Kindern auf den Mitgliedsbeitrag von 50 Kindern warten müssen, haben wir keine Planungssicherheit”, sagt Wolff.

Auf seinem Schreibtisch türmen sich die Unterlagen. Denn auch der bürokratische Aufwand, den die Ehrenamtler in den Vereinen betreiben müssen, ist immens hoch. „Die Menschen kommen mit den Anträgen vom Jobcenter an, die wir ausfüllen müssen. Damit kennen wir uns aber gar nicht aus. Und einen Ansprechpartner gibt es für uns auch nicht”, beklagt Wolff.

Der Stadtsportverband Stolberg hat mit dem Regiosportbund Aachen ein vereinfachtes Formular entworfen, das die Vereine den Eltern zum Ausfüllen mitgeben können. Den Vordruck bekommt der Verein zurück, fügt seine Daten hinzu, macht eine Kopie des Formulars und verschickt das Original an die Behörde. „Nur so hat der Verein den Überblick, dass die Anträge gestellt sind”, empfiehlt Bert Kloubert, Vorsitzender des Stadtsportverbandes Stolberg. Auch er kennt aus vielen Gesprächen den Unmut der Vereine bezüglich des Teilhabepakets. „Das Gesetz ist an sich gut gemeint, aber in der Praxis ist es ein Rohrkrepierer, ein wirklicher Bürokratietiger. Und die Vereine werden im Regen stehengelassen”, schimpft Kloubert. „Falls sich nichts ändert, empfehle ich den Vereinen, ihre Ansprüche an den Nutzungsgebühren für Hallenstunden auf der Rechnung der Stadt abzuziehen.”

Ein Stolperstein des Bildungspaketes: Jede Leistung - Sport, Musik oder Lernförderung - muss einzeln beantragt werden. Allein das Sozialamt hatte 2011 rund 1973 Anträge für 621 Kinder und Jugendliche vorliegen. „70 Prozent davon konnten bearbeitet werden”, sagt Katharina Oebel vom Amt für Kinder, Jugendliche, Familie, Soziales und Wohnen.

Bei vielen müssen die Sachbearbeiter nachfragen, weil Angaben fehlen oder Formulare nicht richtig ausgefüllt sind. „Deshalb versuchen wir, die Menschen so gut wie möglich zu informieren, auch über die Verteilung von Flyern”, sagt Oebel. 60 000 Euro hat die Stadt Stolberg 2011 für Leistungen aus dem Bildungspaket ausgegeben. „Kostenträger ist die Städteregion. Wir rechnen das ab, was wir auch ausgeben”, betont Oebel. Ähnlich viele Anträge, 946 genau, lagen bis Ende Januar 2012 beim Jobcenter vor. „Wir bearbeiten schnellstmöglich”, sagt Christian Neuß, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Jobcenters Städteregion Aachen.

Für Heinz Wolff nur ein schwacher Trost: „Wir sind die Laien, die das ausführen müssen, was der Gesetztgeber bestimmt hat, ohne dass wir uns auf diesem Gebiet wirklich auskennen.”