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Stolberg: Sinnliche Werke am Steinweg

Stolberg : Sinnliche Werke am Steinweg

Erotik in der Kunst ist so alt wie die Kunst selbst. Maler und Bildhauer einer jeden Stilepoche beschäftigten sich mit der Darstellung des nackten menschlichen Körpers und der Spannung, die ein mehr oder weniger spärliches Kleidungsstück hervorrufen kann. Jeder Künstler suchte nach seinem Idealbild, seinem zeitgemäßen Ausdruck.

Bei Antonio Máro, Rafael Ramirez Máro, Alejandro Decinti und Georg Viktor, die am morgigen Sonntag in der Steinweg-Galerie ihre Ölbilder und Skulpturen präsentieren, steht die Frau mit ihrer Schönheit und Sinnlichkeit im Mittelpunkt ihrer Werke und das unter dem Motto „Ausbruch der Leidenschaft”.

Alejandro Decinti, 1973 in Chile geboren, aber jetzt in Madrid wohnend, gilt als Meister des zeitgenössischen Realismus in Spanien. In seinen Ölgemälden stellt er immer wieder Frau und Kinder aus dem familiären Umfeld oder Freundeskreis realistisch dar: Ihre Gesichter, Teile des Körpers, halbnackt, sitzend oder stehend, vielfach im Bett liegend, träumend oder schlafend. Andere Bildpartien weisen abstrahierende und freie Farbkompositionen auf, die den Raum öffnen und eine Atmosphäre von Wärme und Vertrautheit schaffen.

Georg Viktor lässt meist die Köpfe weg. Als Künstler besitzt er die Sensibilität, Kraft und Fähigkeit, aus einem Marmorblock einen Körper entstehen zu lassen. Er braucht viel Geduld für seine sinnlichen Frauenkörper. Wenn er auch nach Modellen aus Ton oder Gips arbeitet, so gibt es doch manchmal nicht vorhersehbare Überraschungen wegen Einschlüssen, verdeckten Rissen oder Adern im Innern der Marmorblöcke. Durch die verschiedenen Bearbeitungen der Oberflächen wird die Illusion von Haut und Stoff erzeugt. Seine Liebe zum Detail, seine Kenntnisse von menschlicher Anatomie, die Fähigkeit und Phantasie, eine Absicht ins Dreidimensionale zu übertragen, lässt eine ideal-realistische Skulptur entstehen und zwingt den Betrachter zum eigenständigen, phantasievollen Weiterdenken.

Aber nicht nur sinnlich-erotische Skulpturen aus Marmor und schwarzem Stein hat der im mediterranen Pietrasanta lebende Künstler nach Stolberg mitgebracht, auch einige Bronzeplastiken wie die Polizistin und Nike, die römische Siegesgöttin, die er mit blau patinierter Farbe überzogen hat, sind in der Steinweg-Galerie bis zum Jahrensende zu bestaunen.

Während Decintis und Viktors verführerische Gestalten mehr dem Realismus zugewandt sind, entstehen bei Antonio Máro abstrakte Bilder. Nicht der sexuelle Akt oder die Geschlechtsteile einer Frau sind ihm wichtig, es reicht ein kleiner Teil wie die Schulter, der Busen oder die Hüfte seiner Frau, um Leidenschaft und sexuelle Wünsche auszudrücken. Durch ihre lebendigen Verschichtungen sind die Bilder alles gleichzeitig. Sie sind eine Anhäufung von Regungen, die der Mensch in sich selbst erlebt.

Antonio Máro hat eine ganz eigenwillige Interpretation von Eros und Libido, wobei der Phantasie des Betrachters keine Grenzen gesetzt sind. Manchmal erkennt man nur eine Winzigkeit, durch einen Duft, der vorüberweht oder die leichte Berührung einer geliebten Person.

Die Spannbreite seines Sohnes Sohn Rafael Ramirez reicht von der klassischen Malerei bis hin zum abstrakten Expressionismus. Beides fasziniert ihn, beides ist lebendig und aktuell. Den Menschen in seiner unverhüllten Tiefe zu zeigen ist sein thematisches, formales und farbliches Anliegen. Seine Modelle stammen wie bei Decinti aus dem Familien- und Freundeskreis. So ist seine Nichte, mittlerweile eine bekannte Komponistin in Amerika, sein Modell für die Flamencotänzerin.