Sertac Mutlu gastiert im Rittersaal der Stolberger Burg

Comedy in der Burg : Er nimmt sich auch selbst auf die Schippe

Ob im Supermarkt oder in der JVA (Justizvollzugsanstalt), auf Comedy-Bühnen im ganzen Bundesgebiet, auf dem Straßenfest oder, wie am Donnerstagabend, auf der Bühne im Rittersaal der Stolberger Burg. Für den jungen Kölner Stand-Up-Comedian Sertac Mutlu ganz egal.

Hauptsache er kann „wundervolle Menschen zum Lachen bringen“. Wie sehr ihm das am Herzen liegt, konnte dann auch jeder im Publikum vom ersten Augenblick an spüren.

Mit seiner lebhaften Mimik, seiner ausdrucksstarken Gestik und nicht zuletzt mit seinen frechen Wortspielen führte er seine Zuhörer mit seiner aktuellen Show „Passiert das nur mir?“ durch die Welt, wie er sie erlebt und sieht. Den kraftstrotzenden Fitnessstudiobesitzer, dessen piepsige Stimme seinem frechen Telefonpartner ein ganz anderes Bild von sich vermittelt, nahm er dabei genauso auf die Schippe wie das Risiko des Knopfverlustes an Slim-Fit-Hemden bei Herren mit Bauchansatz oder die Schwierigkeiten beim „Dönermann“ das Essen zu bekommen, das man auch tatsächlich haben möchte.

Die lebhaften Reaktionen der Besucher spiegelten dabei wieder, wie treffend er agierte. Bei aller Freude in die verschiedensten Figuren zu schlüpfen, bediente er sich aber keineswegs irgendwelcher platten Klischees und machte mit seinen Gags auch vor seiner eigenen Person nicht Halt.

Daher bekam man einen amüsanten Einblick in die Renovierungskünste des, wie ihn sein iranischer Nachbar beschreibt, „mopsigen – was soviel bedeutet wie kleinen, süßen und dicken“ Sertac Mutlu oder seine Bemühungen, die Frau fürs Leben zu finden.

Verpackt in coolen Sprüchen und witzigen Ideen, ließ Mutlu jedoch auch eine gewisse Ernsthaftigkeit nicht vermissen und vermittelte nachdrücklich wie wichtig es sei „auf sich selber zu hören und auch einmal einen Ratschlag, sei er noch so gut gemeint, zu ignorieren“, miteinander zu reden und Zivilcourage zu zeigen.

Dass er selber bereit ist vorzuleben, was er sagt, zeigte er nach der Veranstaltungs-Pause, als er eine Zuschauerin, mit Unterstützung des Veranstalters, des Saales verwies. Sie hatte sich zu Beginn der Vorstellung, beim „Warm-up“ durch Mutlus Freund und Kollegen, Samed Warug, diesem gegenüber sehr respektlos gezeigt und konnte oder wollte dies auch in einer kurzen Diskussion mit dem Gastgeber nicht einsehen. So blieb ihm konsequenterweise nur die Bitte an die Dame, die Veranstaltung zu verlassen, der sie widerstrebend folgte.

Bei den übrigen Anwesenden fand der Künstler wohlwollende Zustimmung und die Show, zu der auch Gäste aus Hamburg und Dortmund in die Kupferstadt gereist waren, konnte in guter Atmosphäre fortgesetzt werden.

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