Serie „Stolberger Stadtteile“: Wie familienfreundlich ist Stolberg?

Serie „Stolberger Stadtteile“, Teil 12 : Rat und Hilfe gibt es an fast jeder Ecke

Wie familienfreundlich ist Stolberg? Diese Frage wollen wir beantworten. Im zwölften Teil unserer Serie steht der Unterstolberg im Fokus. Rund 5777 Menschen leben hier, der Anteil der jungen Bevölkerung ist besonders hoch. Was zeichnet Unterstolberg aus?

Stolberg ist eine familiengerechte Kommune: Das ist Fakt. Ende September 2017 erhielt die Verwaltung die offizielle Zertifizierung und gehört damit zu insgesamt neun Kommunen in ganz Deutschland, die das Auditierungsverfahren erfolgreich durchlaufen haben. Ein Grund, sich in den einzelnen Ortsteilen einmal genauer umzuschauen und die Frage zu beantworten: Wie familienfreundlich ist Stolberg wirklich?

Als Grundlage dafür dienen Zahlen aus dem Statistischen Jahresbericht und dem Sozialbericht der Stadt Stolberg. Sie dienen beispielsweise als Quelle dafür, wie viele Einwohner in den einzelnen Ortsteilen leben, welche Bildungseinrichtungen dort vorhanden sind und wie hoch die Preise für Grundstücke sind.

Anhand verschiedener Kriterien waren wir zwischen Atsch und Zweifall unterwegs und haben folgende Fragen gestellt:

  • Wie sieht es mit der gesundheitlichen Versorgung in den einzelnen Ortsteilen aus?
  • Wo sind die Grundstückspreise besonders niedrig?
  • Und wie sieht es mit den Themen Bildung und Freizeit aus?

Im Rahmen unserer neuen Serie sollen allerdings nicht nur diese Fragen geklärt werden – auch Ihre Meinung zu den einzelnen Ortsteilen ist gefragt.

Im zwölften Teil unserer Serie steht Unterstolberg im Fokus. Rund 5777 Menschen leben in Unterstolberg. Der Anteil der jungen Bevölkerung ist dort besonders hoch. Stolze 33,69 Prozent sind unter 25 Jahren alt. Der Anteil der Menschen über 65 Jahren liegt bei 13,83 Prozent. Ebenfalls sehr hoch ist der öffentlich geförderte Wohnraum. Dieser liegt in Unterstolberg bei 13,87 Prozent – das macht den höchsten Schnitt im gesamten Stolberger Stadtgebiet. Was Unterstolberg auszeichnet? Der Stadtteil ist multikulturell aufgestellt. Das wird nicht zuletzt auf der Mühle deutlich. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung liegt bei 33 Prozent. Davon stammen die meisten Menschen aus der Türkei, gefolgt von Rumänien.

Verkehr: In Sachen Verkehr ist der Stadtteil wirklich gut aufgestellt. Dort liegt beispielsweise ein Euregiobahn-Haltepunkt (Mühlener Bahnhof) mit Bushaltestelle, an der alle Stolberg berührenden Linien erreichbar sind. Daran gibt es nichts auszusetzen.

Gesundheit: Ärzte sind in Unterstolberg vorhanden und auch das Bethlehem-Gesundheitszentrum ist quasi um die Ecke. Selbstverständlich ist das keineswegs. Diesbezüglich sind nämlich etliche Stolberger Stadtteile deutlich schlechter aufgestellt – sieben davon haben noch nicht einmal einen eigenen Hausarzt. Zum Thema Gesundheit kann man auch die zahlreichen Angebote rund um Beratung und Hilfe hinzurechnen. In Unterstolberg ist beispielsweise nicht nur die Stolberger Tafel angesiedelt – um nur mal ein Beispiel zu nennen. Anlaufstellen gibt es dort auch von der Wabe. Das Sozialkaufhaus, das mittlerweile sogar drei Standorte hat, erfreut sich großer Beliebtheit.

Wohnumfeld: Eins muss man sagen: Der Eingang zu Stolbergs Innenstadt ist nicht gerade an allen Ecken schön. Allerdings kann man dem Viertel einen Vorwurf nicht machen: Leben ist beispielsweise auf der Mühle definitiv vorhanden – und das in vielerlei Hinsicht. Das zeigt auch ein Blick auf die Leerstände, über die wir erst vor wenigen Monaten in unserer Zeitung berichteten. Während Eisenbahnstraße (3 Geschäfte und 2 Leerstände), Eschweilerstraße (7 Geschäfte und 8 Leerstände) und Mühlener Markt (4 Geschäfte und 7 Leerstände) diesbezüglich alles andere als gut abschneidet, findet man entlang der Salmstraße zwar 15 Leerstände, dafür allerdings 37 Geschäfte. Zieht man Shisha-Bars und Spielhallen einmal ab, bleibt dennoch eine große Vielfalt erhalten – auch an Einzelhändlern. Einige davon findet man schon seit vielen Jahrzehnten dort.

Die Mühle hat gerade im vergangenen Jahrzehnt allerdings auch viel Wandel erlebt. Zahlreiche Geschäfte eröffneten und schlossen wieder – die meisten davon waren Imbisse, Kioske und auch Friseure.

Aber einen Leerstand in dem Ausmaß, wie ihn der Steinweg in Oberstolberg in dieser Dekade erlebt, hat es in dem Viertel nie gegeben – auch, wenn es dort die meisten alteingesessenen Einzelhändler längst nicht mehr gibt. Und in dem Quartier pulsiert das Leben, wenn auch anders, als alte Stolberger das in Erinnerung haben. Allerdings gibt es auch einige Ecken, die wirklich nicht schön sind. Vor allem die Leerstände an der Eschweiler Straße sind wirklich so gar nicht schön und werfen kein gutes Licht auf den Stadtteil.

Freizeit: Wie können kleine und große Stolberger in Unterstolberg ihre Zeit verbringen? Spielplätze sind vorhanden. Und damit nicht genug. Denn: Das Kulturzentrum ist in dem Stadtteil beheimatet. Dort ist die Volkshochschule angesiedelt und auch die Stadtbücherei kann besucht werden. Gegenüber – im ökumenischen Gemeindezentrum – finden regelmäßig etliche Veranstaltungen statt. An Jugendliche wurde ebenfalls gedacht. Der städtische Jugendtreff Westside befindet sich nämlich auch in Unterstolberg und bietet etliche Aktionen für die jungen Erwachsenen an.

Vergessen darf man auch die religiösen Einrichtungen nicht. Kirche und Moschee befinden sich in dem Stadtteil. Im vergangenen Jahr geriet die Kirche St. Mariä Himmelfahrt allerdings in die Schlagzeilen. Schüsse auf das Kirchenfenster sorgten für Angst und Bange. Polizei, Ordnungsamt und Feuerwehr sind vor allem auf der Mühle regelmäßig unterwegs. Immer wieder werden dort nämlich Hanfplantagen ausgehoben und auch Shisha-Bars und Spielhalle kontrolliert.

Bildung: Auch das Thema Bildung spielt in Unterstolberg eine wichtige Rolle. Es gibt das Familienzentrum an der Franziskusstraße. Dort werden von montags bis freitags zwischen 7 und 16.15 Uhr insgesamt 120 Kinder betreut. Zudem gibt es die Grundschule an der Hermannstraße. Diese war übrigens die erste Schule in Stolberg, die sich mit dem Thema Medienkonzept auseinandersetzte – noch bevor dies für die Einrichtungen verpflichtend war.

Fazit: Was lässt sich also für Unterstolberg für ein Fazit ziehen? Was man nicht unbedingt meinen sollte: Der Ortsteil überzeugt mit etlichen Pluspunkten. Verkehrstechnisch und auch in Sachen Gesundheit, Beratung und Hilfe ist Unterstolberg wirklich gut aufgestellt. Das muss es allerdings auch sein. Man sollte nämlich nicht vergessen: Gerade in diesem Teil Stolbergs leben etliche Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Nicht umsonst sind gerade dort Institutionen wie das Sozialkaufhaus oder auch die Tafel angesiedelt. Das sorgt wahrscheinlich nicht gerade dafür, dass Unterstolberg ein Stadtteil ist, in dem man unbedingt mit seiner Familie wohnen möchte. Allerdings sollte man auch nicht den Fehler machen und Unterstolberg nur auf die Mühle, die durchaus auch ihre positiven Seiten hat, reduzieren. Geschäfte und Kultur sind ebenfalls vorhanden.

Was allerdings ein wenig schade ist: Bei der Stadtparty wird die Mühle mittlerweile nicht mehr bespielt. Das war in der Vergangenheit einmal anders, änderte sich dann allerdings im vergangenen Jahr. Dies hatten wir zum Anlass genommen, um eine Umfrage zu starten. Die Frage lautete: Sollte es bei der Stadtparty im kommenden Jahr auch wieder ein Programm auf der Mühle geben? 68 Leser stimmten ab. Für die Antwortmöglichkeit „Ja. Der Stadtteil gehört einfach zur Innenstadt dazu“ stimmten 38 Prozent. 40 Prozent wählten die Antwort „Nein. Da ist sowieso kaum etwas los“ aus.

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