Serie „Stolberger Stadtteile“: Wie familienfreundlich ist Stolberg?

Serie „Stolberger Stadtteile“, Teil 1 : Junge Einwohner und hohe Arbeitslosigkeit in Atsch

Stolberg ist eine familiengerechte Kommune. Ende September 2017 erhielt die Verwaltung die offizielle Zertifizierung. Ein Grund sich in den Ortsteilen einmal genauer umzuschauen und die Frage zu beantworten: Wie familienfreundlich ist Stolberg wirklich?

Anhand verschiedener Kriterien waren wir zwischen Atsch und Zweifall unterwegs. Wie sieht es mit der gesundheitlichen Versorgung in den einzelnen Ortsteilen aus? Wo sind die Grundstückspreise besonders niedrig? Und wie ist es um die Themen Bildung und Freizeit bestellt? In unserer neuen Serie sollen nicht nur diese Fragen geklärt werden.

Im ersten Teil unserer Serie steht der Ortsteil Atsch im Fokus. Bevor wir allerdings einen Blick auf die Bereiche Verkehr, Gesundheit, Wohnumfeld, Freizeit und Bildung werfen, gibt es zunächst einmal einen Überblick über die Bewohner des Ortsteils – basierend auf dem statistischen Jahresbericht. Insgesamt 4083 Menschen wohnen in der Atsch.

Der Anteil der ausländischen Bevölkerung beträgt 13,53 Prozent. Davon stammen die meisten aus der Türkei, gefolgt von Polen und Spanien. Der Ortsteil Atsch wurde übrigens im Jahr 1935 von Eilendorf nach Stolberg eingemeindet und ist ein besonders junger Stadtteil in Stolberg. Der Anteil der Bevölkerung unter 25 Jahren beträgt nämlich 25,04 Prozent – also rund ein Viertel der Bewohner sind unter 25 Jahre alt. Insgesamt 20,03 Prozent der Menschen in der Atsch sind älter als 65 Jahre.

Der öffentlich geförderte Wohnraum beträgt 5,39 Prozent, die Arbeitslosenquote ist mit 9,8 Prozent allerdings höher als der städtische Durchschnittswert (9,5 Prozent). In den vergangenen zwölf Jahren ist die Atsch einwohnermäßig übrigens leicht gewachsen. Lebten dort im Jahr 2006 noch 4006 Menschen, so waren es 4029 im Jahr 2016. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl dann noch weiter an, und zwar auf 4083 Menschen.

Verkehr: Der Stadtteil im Nordwesten Stolbergs zeichnet sich durch eine gute Anbindung aus. Schließlich ist dort nicht nur der Stolberger Hauptbahnhof angesiedelt. Auch eine weitere Haltestelle der Euregiobahn (Schneidmühle) gibt es in der Atsch. Hinzu kommen zwei Landesstraßen, die die Verbindung nach Eschweiler und Eilendorf (L236/221) sowie nach Verlautenheide und Würselen (L23) beschleunigen sollen. Unfalltechnisch ist die Atsch seit Ende des vergangenen Jahres allerdings in der gesamten Region – und darüber hinaus – bekannt geworden. Kurz vor Weihnachten fand auf der Würselener Straße nämlich ein tragischer Unfall statt, bei dem fünf Menschen ihr Leben lassen mussten.

Gesundheit: Zwei Allgemeinmediziner und zwei Zahnärzte haben sich in der Atsch niedergelassen. Der Großteil ist in der Sebastianusstraße zu finden. Damit ist Atsch in Sachen gesundheitliche Versorgung eigentlich gut aufgestellt, wenn man bedenkt, dass in etlichen Stolberger Stadtteilen gar keine niedergelassenen Ärzte vorhanden sind. Das Bethlehem-Gesundheitszentrum ist rund zehn Minuten mit dem Auto entfernt.

Wohnumfeld: Die Atsch ist seit jeher ein Industrieort und ein Siedlungsgebiet. Auch heute noch sind kleine und mittelständische Unternehmen angesiedelt. Zwischen Atsch und Kohlbusch liegt der Gewerbepark Hamm-Mühle, an der Rhenania- und Hasencleverstraße gibt es ebenfalls einige Betriebe. Im Norden des Stadtteils gibt es ein weiteres Gewerbegebiet – das Camp Astrid. Dieses umfasst insgesamt 60 Hektar. 37 Hektar davon sind Waldfläche. Die Gewerbeflächen machen – laut dem statistischen Jahresbericht der Stadt Stolberg – insgesamt 23 Hektar aus. Im vergangenen Jahr wurden dort vier Flächen veräußert. Wohnbauflächen liegen im Gebiet zwischen Würselener Straße, Sebastianusstraße und Hammstraße übrigens bei 145 Euro pro Quadratmeter. Damit gehört die Atsch zu den günstigen Ortsteilen im Stadtgebiet. Das Gebiet ist jedoch nicht nur von Industrie geprägt. Supermärkte, ein Drogerie-Markt und zwei Filialen größerer Einzelhandelsketten sind dort zu finden. Allerdings geht es in Sachen Nahversorgung erst seit einigen Jahren wieder bergauf. Die beiden Metzgereien, die es einmal gab, sind schon seit etlichen Jahren geschlossen. Und auch die Natur kommt nicht zu kurz. Neben dem Naturschutzgebiet Münsterbachtal und dem Würselener Wald – einem beliebten Spaziergebiet – führt die Steinbachstraße ins Naturschutzgebiet Saubach in der Nähe des Guts Steinbachshochwald. Zudem gibt es den Berthold-Wolff-Park.

Freizeit: Wie können sich Klein und Groß die Zeit vertreiben? Insgesamt drei Spielplätze gibt es im Ortsteil. Zwei davon befinden sich in der Sebastianusstraße (an den Sandgruben und der Kirche) sowie an der Straße „Im Hirschfeld“. Sport- und Kulturveranstaltungen finden in der Atscher Mehrzweckhalle statt, die umgebaut werden soll. Ein Sportplatz findet sich in der Hammstraße. Neben der katholischen Pfarrkirche St. Sebastianus gibt es zudem ein Jugendheim. Auch Vereine sind in dem Ortsteil angesiedelt: Dazu gehören der allgemeine Turnverein Stolberg-Atsch (ATV) und der Fußballverein SV ASA Atsch, die IG Atscher Vereine, die Siedlergemeinschaft Atsch, die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Stolberg-Atsch, die KG Lustigen Atschinesen, die Freiwillige Feuerwehr LG Atsch und die KfD Atsch-Mühle. Für Kulturbegeisterte sind die Baudenkmäler der Glutöfen der Atscher Kupfermühle im Berthold-Wolff-Park interessant. Interessant ist zudem die frühere Atscher Steinkohlengrube „Et Küllche“ an der Ecke Sebastianusstraße und Würselener Straße. Neben der katholischen Kirchengemeinde St. Sebastianus ist auch die Moschee des Integrations- und Bildungsvereins im Ortsteil angesiedelt – in der Schneidmühle. Es gab in der Vergangenheit sogar zwei Diskotheken.

Bildung: Zwei Kindergärten sowie die katholische Grundschule (Würselener Straße) sind vorhanden. In der städtischen Kita in der Mozartstraße ist Platz für 45 Kinder. Etwas andere Dimensionen weist die katholische Einrichtung in der Sebastianusstraße auf. Dort können insgesamt 95 Kinder einen Platz finden. In der Spinnereistraße entsteht zudem eine neue Einrichtung.

Fazit: Industrie ist vorhanden, die Arbeitslosigkeit ist trotzdem hoch. Dennoch scheint Atsch ein Stadtteil mit Zukunft zu sein. Schließlich wächst der Ortsteil, der sich durch eine gute Lage und günstige Mieten auszeichnet. Das Vereinsleben kann sich sehen lassen.