Stolberg: Seit 30 Jahren effektive Starthilfe für Jugendliche

Stolberg : Seit 30 Jahren effektive Starthilfe für Jugendliche

Seit über 30 Jahren gibt die Jugendberufshilfe Stolberg jungen Erwachsenen neue Perspektiven. Mit dem Beratungsangebot „Jugend in Arbeit plus“ und der Jugendwerkstatt kümmert man sich um die unterschiedlichsten Fälle.

Mangelnde Ausbildung, fehlende Orientierung im Berufsleben oder körperliche und geistige Behinderung — in vielen Fällen können Erfolge erzielt werden, und das machte den ehrenamtlichen Vorstand auch bei der aktuellen Jahreshauptversammlung einmal mehr stolz.

Einen Rückschlag musste man jedoch hinnehmen, wie Vorsitzender Manfred Hansen bekanntgab: „Trotz sehr guten Erfahrungen wird ‚Jugend in Arbeit plus‘ durch die neue Landesregierung eingestellt.“ Seit sieben Jahren organisierte die Jugendberufshilfe als Träger eine individuelle Beratung und kümmerte sich um die Vermittlung der Teilnehmer an die Wirtschaftskammern. Allein 2017 konnte Beraterin Katja Knospe von 94 Jugendlichen 22 in Arbeitsstellen vermitteln, es wurden sechs Ausbildungen angefangen, zudem konnten vielfach Teilnehmer in weiter qualifizierende Maßnahmen vermittelt werden. Lediglich viermal musste ein Ausschluss aus dem Programm vollzogen werden, trotz der schwierigen sozialen Lage vieler Jugendlicher.

Umso größer war die Enttäuschung, dass dieses Projekt ein Ende findet. Knospe wird in Zukunft die Aufgabe von Gertrud Smets als Leiterin der Werkeinrichtung übernehmen und weiterhin ihre guten Kontakte in die Wirtschaft nutzen.

Die Jugendwerkstatt, die das „zweite Standbein“ des Vereins bildet, bietet Platz für Jungen und Mädchen im Alter von 14 bis 20 Jahren und richtet sich an besondere „Härtefälle“. Nach einem persönlichen Beratungsgespräch werden die Jugendlichen aufgenommen und werden im Rahmen der verschiedenen Angebote auf das spätere Berufsleben vorbereitet, Defizite sollen aufgearbeitet werden. Mit werkpädagogischen Projekten in Holz, Textil, Kochen und Garten können Talente herausgearbeitet werden und Spaß am Arbeiten entwickelt werden, wie Smets betonte. Individuelle Förderplanung, Bildungs- und Freizeitaktionen und Lernförderung werden mit vier Vollzeitstellen betreut, die durch Gelder des Landschaftsverbands Rheinland, dem europäischen Sozialfonds, dem Land NRW, der Stadt Stolberg, dem Bistum Aachen und der Kulturstiftung der Sparkasse Aachen ermöglicht werden.

„Jugend in Arbeit plus“

Auch hier konnte abermals eine Erfolgsbilanz gezogen werden. Fast alle Abgänger konnten in schulische Programme vermittelt werden, weitere fünf fanden direkt eine Anstellung. „Die Zusammenarbeit mit den Institutionen läuft hervorragend“, stellte Smets fest. Bisher liegt das Durchschnittsalter hier bei 16,4 Jahren — mit dem Ende von „Jugend in Arbeit plus“ steht jedoch die Überlegung im Raum, auch ältere Jugendliche zu betreuen.

Die Vorstand blickte zum Ende der Jahreshauptversammlung bereits in die Zukunft. Mit dem Projekt „NRW hält zusammen“ hofft man, die Finanzierung weiterhin sichern zu können, eine positive Reaktion aus der Landesebene erhielt man bereits und wartet jetzt darauf, dass die Mittel verfügbar werden. Im Rahmen des Leitbildprozesses „Soziale Kupferstadt 2030“ will man weiterhin eine entscheidende Rolle spielen, um in Stolberg denen zu helfen, die sonst oft „durch das Raster fallen“.

Das Schulprojekt für schulaversive Jugendliche, das man 2007 aufgenommen hat, soll wieder Fahrt aufnehmen, nachdem man es vorerst beenden musste. Mit Schulen und Jugendamt wird nach geeigneten Lösungen gesucht, um die Bereitstellung einer Lehrerstelle und der benötigten Räumlichkeiten zu ermöglichen.

(cheb)
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