Seit 100 Jahren in Atsch auf Torejagd

Seltenes Jubiläum : Seit 100 Jahren in Atsch auf Torejagd

Der Startschuss fiel in der Gaststätte Güldenberg in Atsch-Dreieck, wo an einem Märzsonntag des Jahres 1919 mehr als 20 Herren zusammenkamen, um einen Fußballverein aus der Taufe zu heben.

Der ursprüngliche Name lautete Spielverein Atsch, die Vereinsfarben waren Schwarz und Weiß und die erste Spielstätte war der Sportplatz „Op de Höwele“ an der Sebastianusstraße. Bald schlossen sich auch Spieler der Betriebssportgemeinschaft der Aktienspinnerei Aachen (ASA) dem Verein an und der SV ASA Atsch war geboren.

In den folgenden Jahrzehnten änderten sich nicht nur die Vereinsfarben und mehrfach die Spielstätte, auch sportlich setzte der Verein zu mancher Berg- und Talfahrt an. „Doch unabhängig von der Spielklasse der Ersten Mannschaft wurden die soziale Komponente und das Gemeinschaftsgefühl innerhalb des Vereins groß geschrieben“, betont Michael Peters, der seit September 2016 das Amt des 1. Vorsitzenden inne hat. In diesen Tag blickten die Verantwortlichen des Vereins nun auf 100 Jahre ASA Atsch zurück und feierten dieses außergewöhnliche Jubiläum an Christi Himmelfahrt mit einem großen Vatertagsfest auf dem Kirchplatz der Atsch, bevor es am Wochenende am Sportplatz Hammstraße auf und neben dem Fußballfeld gebührend weiterging.

Wundersamer Siegeszug

Sportliche Höhenflüge des kleinen Vereins im Nordwesten Stolbergs gab es im Verlauf des zurückliegenden Jahrhunderts einige zu vermelden: So stieg der SV ASA in der Spielzeit 1935/36 nicht nur in die Bezirksklasse auf, sondern startete einen beinahe wundersamen Siegeszug in den Pokalwettbewerben auf Kreis- und Mittelrheinebene. Erfolge über Alemannia Mariadorf, Baesweiler sowie die Kölner Vereine Rhenania und Union 05 ließen die Stoberger bis in das Achtelfinale des landesweiten Pokals vordringen. Dort wartete Rot-Weiß Oberhausen mit dem damaligen Nationaltorhüter Willy Jürissen auf die Schwarz-Gelben, die dem hochkarätigen Gegner tapfer Gegenwehr leisteten, am Ende jedoch mit 3:7 unterlagen. 

Absturz in 2. Kreisklasse

Dem erneuten Aufstieg in die Bezirksklasse in der Saison 1950/51 folgte ein sportliches Auf- und Ab, das den SV ASA zwischenzeitlich bis in die 2. Kreisklasse abstürzen ließ. 1966 sollte dann wieder ein ganz besonderes Jahr in der Historie des Vereins werden: Dem Aufstieg in die 1. Kreisklasse ließ die Erste Mannschaft den Triumph bei der erstmals ausgetragenen Stolberger Stadtmeisterschaft folgen.

Der Aufstieg in die Kreisliga A unter Trainer Helmut Ahn ließ Ende der 80er Jahre ein weiteres Mal Euphorie aufkommen. Der Sprung in die Bezirksliga wurde zu Beginn der 90er Jahre mehrmals knapp verpasst. Dennoch wanderten Pokale in die Trophäensammlung: Sowohl 1990 als auch 1995 hieß der Sieger bei der Stolberger Hallenfußball-Stadtmeisterschaft SV ASA Atsch.

Durchmarsch

In den Jahren 2003 und 2004 gelang der Durchmarsch von der Kreisliga C in die Kreisliga A, dem sich jedoch postwendend auch wieder der Absturz in die C-Liga anschloss. Unglücklich endete die Spielzeit 2007/2008, als der SV ASA als Meister der Kreisliga C den Aufstieg verpasste, diesen jedoch ein Jahr später, erneut als Meister, nachholte. Sechs Spielzeiten in der Kreisliga B folgten, bevor in den Jahren 2014/2015 und 2015/2016 der bittere Weg in die Kreisliga D angetreten werden musste.

„Die Zeiten sind durchaus schwierig“, sagt Antonio Pena, der 2. Vorsitzende im Jubiläumsjahr. Den Verantwortlichen ist klar, dass der Aschenplatz auf der räumlich großzügigen Anlage an der Hammstraße nicht wie ein Magnet wirkt. „Doch ein Kunstrasenplatz scheitert einfach an den finanziellen Möglichkeiten des Vereins“, unterstreicht Michael Peters. Der Gedanke an eine Fusion sei vorhanden gewesen, Gespräche hätten auch stattgefunden, doch letztlich hätte es nicht gepasst, erklärt der Vorsitzende, der jedoch keinesfalls an Aufgabe denkt. „Der geschäftsführende Vorstand wird weitermachen“, betonen Michael Peters und Antonio Pena einmütig. Rund 80 Mitglieder zählt der Verein zum 100-jährigen Bestehen. Neben den Senioren jagen in der nun bald zu Ende gehenden Saison auch F-, E- und D-Junioren in schwarz-gelben Trikots dem Ball hinterher. In der kommenden Spielzeit werden die jetzigen D-Jugendlichen in die C-Jugend aufrücken und dort eine Spielgemeinschaft mit dem FC Stolberg bilden.

Der Zusammenhalt innerhalb des Vereins und im Umfeld sei bestens. „Wir sind fester Bestandteil der Interessengemeinschaft Atscher Vereine“, berichtet Michael Peters, der ausdrücklich allen Ehrenamtlern des SV ASA für ihr Engagement dankt. Positiv wirke sich auch die Kooperation mit den Dartern des „DC Alemannen“ aus, die eine sportliche Heimat im Vereinsheim auf dem Sportplatz Hammstraße gefunden haben und im Gegenzug den SV ASA bei Veranstaltungen organisatorisch unterstützen. Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten sei das Vatertagsfest auf dem Kirchplatz mit Live-Musik ein voller Erfolg gewesen.

„Alt-Stars“ am Ball

Und auch am Samstag fanden sich zahlreiche Zuschauer auf dem Sportplatz ein, als zunächst die Nachwuchsspieler des FC Stolberg, von Adler Büsbach sowie der Gastgeber ihr Können zeigten, bevor am Nachmittag die „Alt-Stars“ des SV ASA, einer Stolberger Stadtauswahl, des FC Adler Büsbach sowie des VfB 08 Aachen/Schwarz-Rot Aachen unter Beweis stellten, dass sie am Ball (fast) nichts verlernt haben. Am ersten Januarwochende steht dann eine weitere Auflage der Jugendhallenfußballturniere um den „Atscher Wintercup“ auf dem Programm.

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