Stolberg: Schweres Unwetter: „Es hätte schlimmer kommen können”

Stolberg: Schweres Unwetter: „Es hätte schlimmer kommen können”

Als sich gegen 19 Uhr der Himmel in Windeseile verdunkelte und bedrohlich über die Region wachte, da rechneten sie auch an der Kesselschmiede mit dem Schlimmsten. Gegen 20 Uhr war es in Stolberg bereits stockduster, heftiger Hagelschauer machten den Anfang und dann kam der große Regen.

Eine gute halbe Stunde später rückte die Feuerwehr endgültig aus: „Land unter” hieß es auf der Eschweilerstraße, genauer zwischen der Münsterbachstraße und Velauer Berg. „Da kam niemand mehr durch. Weder in die eine, noch in die andere Richtung”, rekapitulierte Karl Wenn.

Bis zu einem halben Meter stand die Eschweilerstraße in diesem Bereich bereits unter Wasser, als Einsatzleiter Wenn und seine Mannen keine andere Chance sahen, als den Bereich komplett zu sperren. Zahlreiche Autofahrer blieben einfach liegen, es war ein skurriles Bild. „Es hätte aber schlimmer kommen können”, sagte Wenn am Tag „danach”, als er in der Einsatzzentrale Bilanz zog.

Im Gegensatz zu manch einer Nachbarkommune - insbesondere in Aachen und im Nordkreis spielten sich unglaubliche Szenen ab -wurde Stolberg vom Unwetter, das im belgischen Hasselt mindestens fünf Menschen das Leben kosten sollte, größtenteils verschont, auch wenn insbesondere auf der Eisenbahnstraße von „Fahren” keine Rede sein konnte. Manch ein Jugendlicher erkundete die Straßen per Fahrrad.

Insgesamt acht Mal wurde die Feuerwehr am späten Donnerstagabend gerufen, mehrere Bäume an der Kreuzung Nachtigällchen knickten um, einzelne Kanaldeckel entlang der Finkensiefstraße und Eschweilerstraße wurden ausgehoben. Mehr passierte - zum Glück - nicht, Personen wurden nicht verletzt, auch Unfälle oder größere Sachschäden wurden nicht ins Einsatzprotokoll der Feuerwehr eingetragen. Ein Notruf wegen einer angeblich überfluteten Tiefgarage bestätigte sich nicht, sagte Karl Wenn. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.”

Ähnlich wie die Feuerwehr waren auch die „gelben Engel” vom ADAC am Unwetterabend verstärkt unterwegs: In Stolberg und der Region wurden rund 30 Prozent mehr Pannen als Folge der starken Regenfälle verzeichnet. „Die meisten”, sagt ADAC-Pressesprecherin Jaqueline Grünewald, „hatten sich tatsächlich in einer Pfütze festgefahren. Bei anderen funktionierte die Zündanlage nicht mehr oder das Auto war gleich überflutet.”

Wie auch die Polizei und der Rettungsdienst ist auch der Wetterinformationsdienst angeschlossen und hatte bereits tagsüber reagiert und, wie Grünewald es ausdrückt, „sämtliche verfügbaren Kollegen in Alarmbereitschaft versetzt”. Natürlich habe es am Donnerstagabend auch in Stolberg längere Wartezeiten gegeben, „aber das war alles noch im Rahmen.”

Die Eschweilerstraße, die durch Fahrzeuge der Freiweilligen Feuerwehr gesperrt und abgesichert wurde, konnte gegen 23 Uhr wieder freigegeben werden. Am frühen Freitagmorgen wurde die Feuerwehr ein letztes Mal infolge des Unwetters alarmiert, wieder war es ein ausgehobener Kanaldeckel auf der Eschweilerstraße.

Da regnete es zwar immer noch, aber ganz so bedrohlich wie am Vorabend blickte der Himmel schon nicht mehr über Stolberg.

Abhilfe erst mit dem zweiten Bauabschnitt

Die Überflutung der Eschweilerstraße (L 238) unterhalb des Velauer Bergs hat Tradition bei Starkregenereignissen. Sie liegt begründet in einer Überlastung des Hauptsammlers. Der wird saniert. Bereits mit dem Bau des Kreisverkehrs wurde der Kanal stadtauswärts bis zur Einmündung Münsterbachstraße im vergangenen Jahr ertüchtigt.

Nach den Sommerferien soll der Bauausschuss die längst vorliegende Entwurfsplanung für den zweiten Bauabschnitt bis zur Kläranlage auf den Weg bis zur Ausschreibung bringen, erklärte Fachbereichsleiter Bernd Kistermann auf Anfrage.

Mittlerweile hat sich das Projekt durch die Finanzlage bedingt soweit verzögert, dass mit einer Realisierung erst im kommenden Jahr gerechnet werden kann. Über 600 Meter wird eine zweiter Sammler mit bis zu 175 cm breiten Profilen parallel zur bestehenden Leitung zur Kläranlage verlegt.

Erste Überlegungen bestehen in der Stadtverwaltung auch zur Lösung der Überflutungsproblematik auf der Eisenbahnstraße (L 23) in Höhe von „Haus Tirol”, erklärte Kistermann. Sie sind allerdings noch nicht in der Untersuchungsphase und noch nicht spruchreif.(-jül-)

Mehr von Aachener Nachrichten