Stolberg: Schützen können auch 2009 den Stadtkönig ermitteln

Stolberg : Schützen können auch 2009 den Stadtkönig ermitteln

Es ist ein Rührstück in mehreren Akten, eine Art Hürdenlauf der Brauchtumspflege - mit einem Ende, das Anlass zur Hoffnung gibt. Eines jedenfalls lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt sagen: Dem Stadtschützenfest im Rahmen der großen Stadtparty im September steht nichts mehr im Wege - außer vielleicht die Schützen selbst. Die Finanzierung jedenfalls ist gerettet.

Doch zunächst zum Anfang: Ende der 70er Jahre war in Stolberg angeregt worden, die jährliche Stadtkirmes aufzuwerten, indem man - wie schon in den 30er Jahren - einen Stadtschützenkönig ausschießt und proklamiert. Beteiligt wurden alle Schützenvereine im Stadtgebiet, 7500 D-Mark aus dem städtischen Haushalt wurden damals bereitgestellt.

In den 80er Jahren wurde das Stadtschützenfest erneut zur Tradition, wenn auch von Jahr zu Jahr zusehends abgespeckt. Nach Einführung der Stadtpartys im September verlegten die Schützen ihr Fest auf diesen Termin, auch wenn - zu ihrem Bedauern - nur noch 30 Minuten zur Proklamation des Stadtkönigs auf dem Kaiserplatz zur Verfügung standen.

Das Geld der Schützen ist allerdings mittlerweile zur Neige gegangen. Die Stadtkönigskette wurde bezahlt, der Aufbau der Schießstände ebenso. Diese wurden jedes Jahr erneuert, bis 1995 der feste Stand hinter der Villa Lynen entstand. Außerdem wurden Jahr für Jahr großzügig Pokale verteilt - nicht nur für die Sieger, sondern für jeden einzelnen Teilnehmer.

„Das ist eine enorme Summe, die da zusammen kommt”, sagt Josef Doncks vom Komitee zur Durchführung des Stadtschützenfestes. Er weist darauf hin, dass ein Großteil der Kosten von den Schützen in Eigenleistung aufgebracht wurde. Doch nun ist das Gesparte bedenklich geschrumpft und damit offensichtlich bei vielen auch die Bereitschaft, sich weiter zu engagieren. Zu einem Vorbereitungstreffen am 20. August kamen gerade einmal drei Bruderschaften - zehn gibt es im Stadtgebiet. Neben St. Sebastianus Stolberg waren nur die Münsterbuscher und Zweifaller Schützen erschienen.

„Das Interesse scheint auch unter den Bruderschaften gering zu sein”, gibt Doncks zu. Also war man sich schnell einig, das Fest ausfallen zu lassen - aus finanziellen Gründen. Denn der Zugang zu frischem Geld schien wie vernagelt: Bei der Stadt verwies man auf den Kulturmanager, der jetzt dafür verantwortlich sei; dieser ließ wissen, dass er davon nichts wisse. Zwar hatte Max Krieger in den vergangenen Jahren die Ankündigungsplakate für die Schützen im Rahmen der Stadtparty gedruckt, doch auf einen Brief mit der Bitte, städtische Finanzmittel für das Schützenfest weiterzuleiten, habe dieser nicht reagiert, klagt Doncks in einer Pressemitteilung, die das Aus des Stadtschützenfestes ankündigt.

Doch plötzlich ging alles ganz schnell - und anders: „Das Stadtschützenfest ist Brauchtumspflege”, sagt der Kulturmanager. „Ich finde es ganz wichtig, dass das stattfindet.” Zwar weist Krieger - zurecht - darauf hin, dass in seinem Vertrag mit der Stadt keine Finanzierung des Stadtkönigsschießens festgeschrieben ist, vor allem auch keine festgelegte Summe.

Spontan und unbürokratisch hat er dennoch die Finanzierung zugesagt, und Josef Doncks damit erneut vor ein Problem gestellt. Der hatte nämlich in Aussicht gestellt, das Stadtschützenfest doch noch kurzfristig auf die Beine zu stellen, wenn das geforderte Geld noch aufgetrieben werden kann. Dass Doncks am selben Tag noch ein Brief von Bürgermeister Ferdi Gatzweiler ins Haus flatterte, in dem dieser ebenfalls die Finanzierung zusagt, dürfte den Druck noch erhöhen.

Nächste Woche kommt der Schatzmeister des Komitees aus dem Urlaub zurück, bis dahin werden auch alle Bruderschaften ein erneutes Schreiben erhalten haben, mit der Aufforderung, sich an der Organisation des Stadtschützenfestes zu beteiligen. Die Rettung ist also nah, und die Summe dürfte wohl keinem Beteiligten den Schweiß auf die Stirn treiben: Dem Vernehmen nach geht es um 500 Euro.

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