Stolberg: Schub für Qualifizierung und Nachwuchs der Feuerwehr

Stolberg : Schub für Qualifizierung und Nachwuchs der Feuerwehr

Passender hätte das Wetter zum Besuch von Dr. Werner Pfeil kaum sein können. In der Nacht zuvor hatten Starkregen und Sturm die Stolberger Feuerwehr in Trab gehalten. „Doch wie kann man sich auf solche und andere Großschadenslagen vorbereiten?“, fragt sich der Landtagsabgeordnete.

Für die Bewältigung von Orkanen wie „Friederike“ und „Kyrill“, Großbränden wie auf dem Wertstoffhof, in Werth, Büsbach oder am Bernhardshammer müssen Einsatzkräfte und Führungspersonal geschult sein. „Erst recht, wenn in Tihange etwas passieren würde“, sagt der Sprecher für Feuerwehr und Katastrophenschutz der FDP-Landtagsfraktion mit Blick auf den sogenannten „Pannenreaktor“ bei Lüttich.

Im Landtag haben die Liberalen gemeinsam mit der CDU einen Vorstoß unternommen mit dem Ziel, die Trainingsmöglichkeiten für Feuerwehren zu verbessern. Zunächst soll die Landesregierung prüfen, wie sie „Anreize schaffen kann, dass die Kommunen oder kommunalen Kooperationen zusätzliche Übungsgelegenheiten für die Feuerwehreinheiten“ schaffen kann und welche Synergieeffekte durch eine gemeinsame Nutzung mit Polizei, THW und weiteren Katastrophenschutz-Organisationen geschaffen werden könnten.

Und was sagen die Fachleute vor Ort dazu? „Bei mir rennen Sie offene Türen ein“, sagt Andreas Dovern — nicht ohne ein dickes Lob für das Institut der Feuerwehr in Münster zu vergessen.

Die zentrale Stätte zur Ausbildung von Feuerwehrangehörigen und Mitgliedern von Krisenstäben „macht eine hervorragende Arbeit und steht unter einer sehr zukunftsorientierten Leitung“, betont der Leiter des Stolberger Amtes für Brandschutz, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz. Gerne nutzen die Stolberger das Institut nahe der Ems; ebenso viele andere Einheiten: „Münster ist rappelvoll“, bilanziert der Feuerwehrchef.

Aber Dovern schränkt auch ein, dass von Stolberg aus gesehen Münster „schon weit weg“ ist und man sich dort auf die „Qualifizierung von Führungskräften“ konzentriere. „Die Feuerwehren des Landes können an den Wochenenden zwar die Infrastruktur für eigene Fortbildungen nutzen“, so Dovern weiter, aber welche Feuerwehr könne es sich schon unter Sicherheitsaspekten erlauben, auf ein Löschfahrzeug in der Heimat zu verzichten? Die wenigsten der 396 Einheiten. Und bei 52 Wochenenden könne man leicht abzählen, wie selten eine Feuerwehr zum Zuge kommen könne.

Eine zentral in Nordrhein-Westfalen gelegene Dependence könne als zusätzliches Angebot der Qualifizierung der Führungskräfte einen weiteren Schub geben.

Darüber hinaus erkennt Dovern — erst recht mit Blick auf die Zukunft — durchaus einen erheblichen Bedarf für die Optimierung der praxisnahen Basisausbildung. „Sinnvoll für alle“, nennt er die Zukunftsvision eines interkommunalen Trainingscamps, etwa für den Bereich des früheren Aachener Regierungsbezirks, das gemeinsam mit weiteren Rettungs- und Katastrophenschutzorganisationen sowie der Polizei genutzt werden könnte — ganz unabhängig einmal von den guten Möglichkeiten des Brandhauses in Aachen. „Und auch in Simmerath hat die Städteregion auf Initiative des Kreisbrandmeisters ein attraktives Ausbildungsangebot geschaffen“, betont Dovern, der dennoch weiteren Bedarf an Trainingsmöglichkeiten auch für andere Institutionen reklamiert.

Angefangen von Qualifizierung des jeweils eigenen Personals bis hin zu einheits- und organisationsübergreifenden Übungen kann aus Stolberger Sicht ein kommunales Übungszentrum einen Schub für den Ausbildungsstand ebenso wie für Motivation und Rekruting von Nachwuchskräften bringen.

Feuerwehrsprecher Michael Konrads nennt praktische Beispiele: „Die Möglichkeit, zu Übungszwecken mit Schaum oder an einem brennenden Auto zu löschen, besteht fast nirgends“. Solche Erfahrungen müsse eine Feuerwehrkraft aber machen können, wenn sie im gefährlichen Einsatz bestehen wolle.

Apropos Nachwuchs. Die Stolberger Feuerwehr zieht Interessenten an. Die Jugendfeuerwehr stehe auf gesunden Beinen, und bei der Besetzung hauptamtlicher Stellen könne immer noch eine gute Auswahl getroffen werden. Auf eine Kinderfeuerwehr wird in der Kupferstadt derweil noch verzichtet, weil die pädagogische Komponente dabei noch einen zu großen Aufwand bedeute.

Aber „spätestens in zehn Jahren werden wir massive Probleme bekommen“, befürchtet Dovern, wenn die Arbeitszeitregelung angestellter Rettungsassistenten nicht den Erfordernissen angepasst werde. Die dürfen — anders als verbeamtete Kollegen — laut Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst maximal zwölf Stunden im Dienst sein.

Diese Regelung sei nicht mitarbeiterfreundlich, schaffe zwei Lager auf einer Wache und stehe der Nachwuchsgewinnung entgegen. „Das Land ist gefordert, frühzeitig gegenzusteuern“, positioniert sich Dovern. Aber auch die Gewerkschaft Verdi müsse sich im Interesse ihrer Mitglieder bewegen.

Freiwillige Feuerwehr in Gefahr

Werner Pfeil sichert zu, sich in diesem Sinne zu engagieren, aber auch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur EU-Arbeitszeitrichtlinie stelle die in Deutschland praktizierte ehrenamtliche Arbeit in der Freiwilligen Feuerwehr zur Disposition. „Kommt das durch, wäre das das Ende der Freiwilligen Feuerwehr“, warnen Dovern und Konrads.

(-jül-)
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