Schon 50 Jahre lang den Bildungsauftrag erfüllt

Helene-Weber-Haus : Schon 50 Jahre lang den Bildungsauftrag erfüllt

Mit Stolz feierte das Helene-Weber-Haus Stolberg am Wochenende seinen 50. Geburtstag. Was einst als Familienbildungsstätte/Mütterschule begonnen hatte, entwickelte sich in den letzten Jahren zum katholischen Forum für Erwachsenen- und Familienbildung für Aachen-Stadt und Aachen-Land.

Eingeweiht wurde das von Kirche und Staat an die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtete Haus fast auf den Tag genau am 29. Juni 1969 von Bischof Johannes Pohlschneider, so Paul M. Kirch bei der Begrüßung. Die Namensgeberin war Helene Weber (1881-1962), eine der prägendsten katholischen Kräfte ihrer Zeit. Sie wuchs als zweites von sechs Kindern in einem katholischen, politisch engagierten und weltoffenen Elternhaus auf, dessen Umgebung sie früh für die Not der Menschen sensibilisierte. Als Fürsorgerin und Bewahrerin begegnete sie den Menschen beherzt, mutig und ohne Rücksicht auf Konventionen.

Unter der 1. Leiterin, Hedwig Meyer, wurde die Bildungsarbeit auf den nördlichen Kreis Aachen (Baesweiler, Herzogenrath, Würselen) ausgedehnt. Eine weitere gute Kraft des Hauses war Lucie Mennicken, unter deren Leitung das Helene-Weber-Haus Alsdorf 1983 Anerkennung fand.

Strukturelle Veränderungen im Bistum Aachen 2003 bis 2005 forderten dann die Schließung der Regionalen Bildungswerke. Für Stadt und Kreis Aachen erhielt das Helene-Weber-Haus Stolberg den Bildungsauftrag und wurde umbenannt zum Katholischen Forum mit Zuständigkeit für eine Doppelregion unter Vorsitz von Paul M. Kirch. 2011 übernahm Astrid Natus-Can das Mehrgenerationenhaus. Die Datenbank zählt in diesem Jahr 664 Kursaufträge bei 28 Hauptamtlern und 580 Honorarkräften.

Ellen Steffens besucht seit 50 Jahren Kurse. Foto: Marie-Luise Otten

Dr. Andreas Frick, Generalvikar des Bistums Aachen, überbrachte jetzt die Glückwünsche des Aachener Bischofs und bedankte sich bei den Mitarbeitern für ihr anspruchsvolles Engagement. Dr. Frick selbst profitiere heute noch von den Kochkursen, die er als junger Mann in diesem städteregionalen Vorzeigeprojekt besucht habe. Das Bistum stehe für klare weltanschauliche Bezüge und unterstütze das christliche Dienstleistungsangebot gerne. Denn wer aus dem eigenen tiefen Glauben seine Fähigkeiten zum Dienst am Menschen entwickle und Gesellschaft mit gestalte, gebe „Seh- und Gehhilfe“, so der Generalvikar. Dann hob er noch einmal die Weitsicht der bildungspolitischen Pionierin Helene Weber hervor, die aus christlichem Glauben gelebt und gehandelt hat. Zum Schmunzeln war die Aussage eines Vertrauten von Bundeskanzler Konrad Adenauer, der von ihr gesagt haben soll, dass sie „mehr Politik im kleinen Finger gehabt habe, als die Männer in ihrer Hand“.

Astrid Natus-Can hob in ihrem Fachvortrag zur Bildung und seiner Wirkung die Chancen, Notwendigkeiten und Herausforderungen hervor, die mit den Veränderungen im Bildungsauftrag einhergehen. Ob PISA, Ausrichtung auf die Gesamtschule, G8, flächendeckende OGGS oder der ungebrochene Trend zu Projekten, es würde immer nur an den Symptomen kuriert und nicht an den Ursachen.

Natus-Can wies in ihrem Vortrag auf die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf hin und forderte eine professionelle Gelassenheit. Dem unzureichenden Fachkräftemangel, den neuen Lebensrealitäten der jungen Eltern, die sich im Chatroom, bei Facebook oder in den Apps eigene Werte kreieren, müsse man sich stellen und die Herausforderungen annehmen. Wenn das Leben gelingen soll, privat, beruflich oder gesellschaftlich, dann kann es immer nur der Mensch sein, der dem anderen zur Bildung verhilft.

Im Anschluss ihres Vortrages erhielt Ellen Steffens für 50 Jahre Kursbesuche im Helene Weber Haus einen Blumenstrauß. Welche Wirkung das Helene Weber Haus in Stolberg, in der Städteregion und im Bistum erziele, darüber sprachen der neue Bürgermeister Patrick Haas, Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier und Generalvikar Dr. Andreas Frick in einer Talkrunde. Sie gaben mit Humor persönliche Erlebnisse aus dem Haus preis und beantworteten die Frage, welchen Kurs sie am meisten fürchteten. Bei Dr. Grüttemeier war es Zumba, bei Dr. Frick die Schrottwerkstatt und bei Patrick Haas die Meditationskurse.

Der Abend wäre nur halb so schön gewesen, wenn es nicht Marko Tomovic gegeben hätte. Solistisch spielte der Gitarrenlehrer des Helene Weber Hauses konzertante Musik und Eigenkompositionen und im Verbund mit seinen Schülern Qui Chung Tran und Hui-Mai Tran internationales Volksgut. Bei Getränken und kleinem Imbiss bestand reichlich Gelegenheit zum Plaudern oder zum Eintrag ins Gästebuch.

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